Wolkenreflexion Stadtlichter strahlen weit ins Umland

Nachts verstärken Wolken die Lichter der Stadt. Wissenschaftler haben den Effekt jetzt genau vermessen: Der Himmel über Metropolen ist bei Bewölkung zehnmal so hell wie in einer sternenklaren Nacht. Selbst abseits der Städte leuchtet es erstaunlich stark.

Sydney, Australien: Leuchtende Großstädte
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Sydney, Australien: Leuchtende Großstädte


Stadtbewohner kennen den Effekt vom Blick in den Nachthimmel: Wolken schimmern lange nach Sonnenuntergang noch hell. Die sogenannte Lichtverschmutzung haben deutsche Forscher nun erstmals genau vermessen. Demnach ist der Nachthimmel über Großstädten bei Bewölkung etwa zehnmal so hell wie in einer sternenklaren Nacht, schreibt das Team um Christopher Kyba von der Freien Universität Berlin im Wissenschaftsmagazin "PLoS One".

Die Wirkung entsteht, weil die Stadtlichter an den Wolken reflektiert werden. Ohne die Lichtquellen des Menschen verdunkelt eine Wolkendecke dagegen den Nachthimmel, indem sie das Sternen- und Mondlicht abschirmt.

Die Studie basiert auf dem Vergleich der Helligkeit eines klaren und eines bewölkten Nachthimmels mit einem sogenannten "Sky Quality Meter", das die Helligkeit in einem bestimmten Himmelsabschnitt misst. Die Software für die Auswertung der Daten entwickelten die Forscher selbst. Damit sammelten sie im Frühling und im Sommer letzten Jahres fünf Monate lang im Raum Berlin die Daten für ihre Analysen zum Effekt der Bewölkung - einmal in einem eher ländlichen Gebiet, 32 Kilometer vom Berliner Zentrum entfernt, und einmal in der Stadt selbst, in einer Entfernung von etwa zehn Kilometern vom Zentrum.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Das Ergebnis: "Wir haben festgestellt, dass ein bewölkter Himmel schon in dem ländlichen Gebiet dreimal so hell war wie ein klarer, und in der Stadt selbst sogar zehnmal so hell", sagt Kyba. Die Lichter der Stadt bilden demnach eine Art Kuppel, die sich bis in weit entfernte ländliche Bereiche erstreckt.

Ihre Software wollen die Forscher nun auch anderen Wissenschaftlern und Laien weltweit zur Verfügung stellen. So könnte eine globale Datenbank über die Helligkeit des Nachthimmels entstehen, hoffen sie. Das langfristige Ziel seien dabei neue Beleuchtungen. Wer an den Messungen teilnehmen möchte, kann sich bei den Wissenschaftlern melden: sqm@wew.fu-berlin.de.

Die Lichtverschmutzung sei ein Störfaktor für Mensch und Natur, betonen die Forscher. Künstliches Licht bringt zwar enorme Vorteile mit sich und macht den Menschen unabhängig vom Tagesverlauf. Doch Studien weisen bereits darauf hin, dass nächtliches Licht negative Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen haben kann und auch die Natur durcheinanderbringt. Viele Prozesse der Natur orientierten sich am Rhythmus von Tag und Nacht.

Dem Thema widmet sich auch das Projekt "Verlust der Nacht", an dem die Wissenschaftler der Studie beteiligt sind. Das Ziel des Projekts ist, die ökologischen, gesundheitlichen sowie kulturellen und sozioökonomischen Auswirkungen, aber auch die Ursachen für die zunehmende Helligkeit der Nacht zu untersuchen.

boj/dapd



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insgesamt 8 Beiträge
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Amanda Libris, 03.03.2011
1. ach was!
Das ist ja mal was Neues! Jeder, der mal abends auf dem Dorf in der Dunkelheit zu Fuß unterwegs ist, weiß das. Aber wer ist das schon?
sutamina 03.03.2011
2. ***
Ich bin vor gut 4 Monaten auf's Land gezogen und habe aus dem Wohnzimmer heraus nachts auf mehrere Kilometer kein einziges Kunstlicht mehr vor mir und war regelrecht erstaunt, wie der Nachthimmel eigentlich aussieht. Ich kann mich nicht erinnern, je einen so klaren Himmel mit so vielen Sternen gesehen zu haben. Klingt kindisch aber wenn man diesen Anblick nicht gewohnt ist, kann das schon faszinieren.
Indigo76 03.03.2011
3. Titelverweigerer
Zitat von sutaminaIch bin vor gut 4 Monaten auf's Land gezogen und habe aus dem Wohnzimmer heraus nachts auf mehrere Kilometer kein einziges Kunstlicht mehr vor mir und war regelrecht erstaunt, wie der Nachthimmel eigentlich aussieht. Ich kann mich nicht erinnern, je einen so klaren Himmel mit so vielen Sternen gesehen zu haben. Klingt kindisch aber wenn man diesen Anblick nicht gewohnt ist, kann das schon faszinieren.
Und das ist noch gar nichts. Ein Bekannter von mir war mehrere Monate in einer Forschungsstation in der Antarktis. Das was sie da als sternenklar bezeichnen, würde da unten als bewölkt durchgehen!
Rincewind 03.03.2011
4. ein alter Hut für Hobbyastronomen
Es gibt schon seit JAHREN eine Initiative der VdS (Vereinigung der Sternfreunde) und diverser Sternwarten wie z.B. der Sternwarte Bielefeld gegen Lichtverschmutzung. Auf http://www.lichtverschmutzung.de/ kann man sich zu diesem Thema informieren, ebenso darüber, wie sinnlos Beleuchtung teilweise sein kann. Warum muss jedes noch so kleine Kaff seine Dorfkirche die ganze Nacht hindurch mit mehreren kW Lichtleistung anstrahlen? Wegen der Unmengen Touristen, die dann bestimmt nachts um 3h dort anhalten?!? Desweiteren gab es schon mehrere Petitionen im Bundestag zu gleichem Thema. Erst die extreme Finanznot der Kommunen leitet ein Umdenken ein, sodass Strassenbeleuchtung nachts teilweise abgeschaltet wird. Nur wer schon mal in der Wüste war, WEISS wie ein klarer Sternenhimmel aussieht: Der Horizont ist nur dadurch zu erkennen, dass irgendwann die Sterne aufhören.
rhs, 03.03.2011
5. so ist es...
Zitat von sutaminaIch bin vor gut 4 Monaten auf's Land gezogen und habe aus dem Wohnzimmer heraus nachts auf mehrere Kilometer kein einziges Kunstlicht mehr vor mir und war regelrecht erstaunt, wie der Nachthimmel eigentlich aussieht. Ich kann mich nicht erinnern, je einen so klaren Himmel mit so vielen Sternen gesehen zu haben. Klingt kindisch aber wenn man diesen Anblick nicht gewohnt ist, kann das schon faszinieren.
...das ist und bleibt faszinierend. Auch die Milchstraße ist wirklich beeindruckend. Hier in der Stadt ist so ein Anblick kaum noch möglich - schade.
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