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Internethype ums Wollschwein: Schwein im Schafspelz

Wollschwein mit Ferkeln (auf Ausstellung in Budapest, 2011): Gutmütige Tiere Zur Großansicht
DPA

Wollschwein mit Ferkeln (auf Ausstellung in Budapest, 2011): Gutmütige Tiere

Gezüchtet wurden sie einst wegen ihres Specks - doch heute sind sie vor allem für ihr Äußeres bekannt: Wollschweine sehen einfach knuffig aus.

Auf den ersten Blick kommt das Tier ziemlich wundersam daher, das derzeit auf Bildern in den sozialen Netzwerken die Runde macht: ein Schwein mit dickem Fell, das zumindest in diesem Punkt eher an ein Schaf erinnert. Doch ja, so etwas gibt es wirklich. Woll- oder Mangalitzaschweine sind eine aus Ungarn stammende alte Schweinerasse. In den USA gibt es sie erst seit weniger als zehn Jahren, vielleicht ist deswegen der Hype dort besonders groß.

Gezüchtet wurden die Tiere schon im 19. Jahrhundert in Ungarn - vor allem wegen ihrer dicken Fettpolster. Weil sie außerdem noch über ein dickes Fell verfügten, konnten die Wollschweine auch im Winter draußen gehalten werden. Sie galten als sehr genügsam, waren mit ihrem Fleisch ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Salami. Doch über die Jahre kam der dicke Speck der Tiere bei den Konsumenten etwas aus der Mode.

I really hope to own a wooly pig one day #mangalicapig

Ein von liamja_ (@liamja_) gepostetes Foto am

Als in Mitteleuropa keine Hungersnöte mehr zu befürchten waren, verdrängten deshalb andere Rassen das Wollschwein - auch weil diese vor dem Schlachten längst nicht so lange gemästet werden mussten. Außerdem brachten die neuen Rassen jeweils mehr Ferkel zur Welt, hatten mehr Fleisch und, nun ja, eben weniger Speck.

Mittlerweile sieht die Sache etwas anders aus: Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs wird das Tier in seiner ursprünglichen Heimat Ungarn wieder vermehrt gezüchtet, aber auch bei uns: In Restaurants ist das von dicken Fettstreifen durchwachsene Fleisch des Wollschweins durchaus beliebt. Auch für die Wurstproduktion eignet sich das Tier.

Immer mehr kleiner Bauernhöfe interessieren sich für das Wollschwein. Die "Zeit" hat vor einiger Zeit nachgezählt, dass es hierzulande etwa 400 reinrassige Wollschweine geben dürfte. Unter anderem die Initiative Nutztier-Arche hat sich dem Fortbestand der Rasse gewidmet.

Falls Sie sich angesichts der Fotos im Netz fragen, ob Sie auf solch einem Bauernhof mal eines der Tiere streicheln können: Die Chancen stehen gut. Wollschweine gelten als ziemlich gutmütig.

chs

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