Antarktis-See Bakterienfund entpuppt sich als Schmutz

Von wegen Sensation: Russische Forscher hatten in der vergangenen Woche berichtet, eine neue Bakterienart im Wostoksee in der Antarktis entdeckt zu haben. Nun müssen sie sich korrigieren.

Bohrgerät am Wostoksee (April 2010): Russische Forscher hatten fälschlicherweise erklärt, eine neue Bakterienart gefunden zu haben
REUTERS/ Alexey Ekaikin

Bohrgerät am Wostoksee (April 2010): Russische Forscher hatten fälschlicherweise erklärt, eine neue Bakterienart gefunden zu haben


Nach einem angeblichen Sensationsfund in der Antarktis haben russische Forscher die Behauptung zurückgenommen, wonach eine neue Bakterienart entdeckt wurde. Der Direktor des Genetiklabors des Instituts für Atomphysik in St. Petersburg, Wladimir Korolew, sagte am Samstag, bei den im Wostoksee entdeckten Substanzen handele es sich um Schadstoffpartikel. Am Donnerstag hatte ein Forscher des Instituts, Sergej Bulat, verkündet, sein Team habe eine Bakterienart entdeckt, deren DNA sich in keiner Datenbank finde.

Bulat hatte gesagt, die DNA der Bakterien unterscheide sich zu mehr als 86 Prozent von der genetischen Struktur bislang bekannter Arten. "Wenn es diesen Fund auf dem Mars gegeben hätte, würden alle sagen, es gibt Leben auf dem Mars", sagte der Forscher.

Korolew sagte der Nachrichtenagentur Interfax, bei der Expedition im Mai 2012 seien einige wenige Proben entnommen worden. "Bei allen handelte es sich um Schadstoffe." Diese seien durch die Arbeiten der Forscher in der Tiefe des Sees gelandet. "Deshalb können wir nicht sagen, dass bislang unbekannte Formen von Leben entdeckt wurden."

Der Wostoksee ist der größte See unter dem Eisschild der Antarktis. Forscher gehen davon aus, dass er bereits länger als eine Million Jahre von Eis bedeckt ist. Die Bohrungen durch die fast vier Kilometer tiefe Schicht dauerten fast zwei Jahrzehnte, bis die Forscher im Februar 2012 den See erreichten. Im Mai sollen weitere Proben entnommen werden. Noch in diesem Jahr oder im kommenden Jahr wollen die Forscher dann den Grund des Sees erreichen, der 600 bis 700 Meter tiefer liegen soll. Russland hatte bei dem Prestigeprojekt gehofft, unter dem Eis auf neue Lebensformen zu stoßen.

Ein ähnliches britisches Bohrprojekt am Lake Ellsworth hatte Ende vergangenen Jahres sein vorläufiges Scheitern eingestanden. Das an dieser Stelle mehr als drei Kilometer dicke Eis sollte mit heißem Wasser durchschmolzen werden, um Verunreinigungen zu vermeiden. Doch technische Probleme verhinderten das.

Derweil hat ein US-Team am Lake Whillans in der Antarktis gebohrt, auch hier mit heißem Wasser. Die Forscher erklärten im Januar, sie hätten das Gewässer 800 Meter unter dem Eis erreicht. Auch hier soll es in Kürze interessante Neuigkeiten geben.

nik/AFP

insgesamt 6 Beiträge
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abc-xyz 11.03.2013
1. Was zu erwarten war
Zitat von sysopREUTERS/ Alexey EkaikinVon wegen Sensation: Russische Forscher hatten in der vergangenen Woche berichtet, eine neue Bakterienart im Wostocksee in der Antarktis entdeckt zu haben. Nun musste sie sich korrigieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wostock-see-forscher-entdeckten-schmutz-statt-neuer-bakterienart-a-888043.html
Es ist genau das eingetreten, was viele befürchtet haben. Der See dürfte damit keine 100% Aussagen mehr liefern, ob die Mikroben/Bakterien, die aufgefunden werden, wirklich indigen sind oder nicht. Schade, aber da wollte jemand um jeden Preis einfach nur erster sein. Löcher bohren ist aber keine Kunst.
plagiatejäger 11.03.2013
2. Falsches Dementi
Vielleicht stimmt die urspgl. Meldung ja doch und soll andere abhalten auch zu bohren.
brain0naut 11.03.2013
3. yep.
Zitat von abc-xyzEs ist genau das eingetreten, was viele befürchtet haben. Der See dürfte damit keine 100% Aussagen mehr liefern, ob die Mikroben/Bakterien, die aufgefunden werden, wirklich indigen sind oder nicht. Schade, aber da wollte jemand um jeden Preis einfach nur erster sein. Löcher bohren ist aber keine Kunst.
ja, war auch sofort mein gedanke; echt spitze!
brain0naut 11.03.2013
4. wozu?
Zitat von plagiatejägerVielleicht stimmt die urspgl. Meldung ja doch und soll andere abhalten auch zu bohren.
um dann irgendwann *nochmal* ne kehrtwende zu machen? damit würden sie sich doch noch das letzte bischen reputation versauen. oder wird das jetzt hier ne neue VT alá superbakterie für die biologische kriegsführung?
Stelzi 11.03.2013
5. Ja ne is klar
Zitat von plagiatejägerVielleicht stimmt die urspgl. Meldung ja doch und soll andere abhalten auch zu bohren.
Bakterien kann man ja prima verkaufen. Um Forschung gehts ja nicht, denn entdeckt ist entdeckt...
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