WWF-Bilanz 615 neue Arten auf Madagaskar entdeckt

Die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars überrascht selbst Biologen immer wieder. Mehr als 600 neue Arten haben sie in den vergangenen elf Jahren auf der Insel entdeckt. Darunter war auch ein 30 Gramm leichter Mausmaki - der kleinste Primat der Welt.

DPA/ WWF Madagaskar/ Louise Jasper

Madagaskars Natur ist einzigartig. Die Insel gehörte einst zu Gondwanaland, einem gigantischen Kontinent, der Afrika, Indien, Australien, Südamerika und die Antarktis umfasste. Der vorherrschenden Meinung zufolge trennte sich Madagaskar vor circa 180 Millionen Jahren gemeinsam mit Indien vom Kontinent ab, seit etwa 60 Millionen Jahren war die Insel dann isoliert vom Rest der Welt.

Wegen der Isolierung ging die Evolution ganz eigene Wege. Das Ergebnis ist eine faszinierende Flora und Fauna - viele Arten kommen nirgendwo sonst auf der Erde vor. Manche Tier- und Pflanzenart wurde sogar erst in den vergangenen Jahren entdeckt.

Die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) hat nun einen neuen Bericht über die Artenvielfalt auf Madagaskar veröffentlicht. Demnach haben Forscher in den vergangenen elf Jahren auf der Insel 615 neue Arten identifiziert, darunter 385 Pflanzen, 42 wirbellose Tiere, 17 Fische, 69 Amphibien und sogar 41 neue Säugetierarten.

Zu den spektakulärsten Entdeckungen gehört ein 30 Gramm leichter Berthe-Mausmaki, der kleinste Primat der Welt. Als sensationell gilt laut WWF auch ein Gecko, der seine Hautfarbe ähnlich wie ein Chamäleon dem Hintergrund anpasst. Bislang unbekannt war zudem eine riesige Fächerpalme, die nur einmal in ihrem Leben blüht. Im Jahr 2007 hatten Biologen über 29 unbekannte Tausendfüßerarten berichtet, 2009 über hundert bislang unbekannte Froscharten.

Auch auf der Top-Ten-Liste der neu entdeckten Arten des Jahres 2010, die das International Institute for Species Exploration der Arizona University in Tempe kürzlich präsentierte, finden sich tierische Einwohner Madagaskars: Die Spinnen der Art Caerostris darwini weben ungewöhnlich große und widerstandsfähige Netze.

Fast drei Viertel der Tier- und Pflanzenarten, die auf der Insel vor der afrikanischen Ostküste leben, kommen nach Angaben der Umweltschützer vom WWF nur dort vor. Viele davon sind aber bereits vom Aussterben bedroht, wie der Madagaskar-Experte des WWF, Martin Geiger, sagte. Die Bevölkerung der Insel wächst rasant - und die Menschen plündern die Umwelt regelrecht, um zu überleben.

Die größte Bedrohung ist laut Geiger die rasante Entwaldung. "Wenn diese wenigen verbleibenden Wälder nicht gerettet werden, verschwinden unzählige Arten, die wir noch nicht einmal kennengelernt haben", sagte der Artenschutz-Experte. Die Nachfrage nach kostbarem Rosenholz beschleunigt den Raubbau am Wald.

Nach WWF-Angaben wird zudem vermehrt Fleisch von wilden Tieren, sogenanntes Bushmeat, aus den Wäldern angeboten - etwa ein Teller Lemurenfleisch für weniger als drei Euro. Wegen der politischen Unruhen breite sich die Kriminalität aus, und eine der wenigen Einkommensquellen für die Bevölkerung, der Tourismus, leide.

hda/dpa

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