Umweltschutzorganisation Auch WWF-Deutschland untersucht schwere Vorwürfe

Folter, Mord, Kollaboration mit Paramilitärs: Die Anschuldigungen gegen den WWF sind gravierend. Das Landesbüro Deutschland holt nun einen ehemaligen Berater der Bundesregierung zur Aufklärung ins Haus.

DER SPIEGEL


"Die schwerwiegenden Vorwürfe des "BuzzFeed"-Artikels vom Montag haben uns zutiefst bestürzt", teilt WWF-Deutschland auf Anfrage mit. Um die Anschuldigungen aufzuarbeiten, hat das Länderbüro in Berlin nach SPIEGEL-Informationen Markus Löning verpflichtet. Löning war von April 2010 bis Januar 2014 Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung.

Damit reagiert die Organisation auf die Anschuldigungen schwerster Menschenrechtsverletzungen, darunter Folter, Mord und Kollaboration mit Paramilitärs, die am Montag von der britischen Plattform "BuzzFeed" im Rahmen einer umfangreichen Recherche erhoben wurden.

Auf Fragen des SPIEGEL wollte WWF-Deutschland am Dienstag nicht antworten. Eine zuvor gemacht Zusage wurde später widerrufen. Zunächst hatte die Pressestelle ein Interview mit dem WWF-Vorstand Christoph Heinrich angeboten, allerdings unter der Bedingung, die Fragen schriftlich beantworten zu dürfen.

In der Anfrage des SPIEGEL ging es vor allem um die Rolle des Berliner WWF-Büros und die Verwendung von Spendengeldern aus Deutschland. So sollte unter anderem geklärt werden, ob und in welcher Höhe finanzielle Zuwendungen deutscher Spender den kritisierten Projekten in Nepal, Indien, Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik zugeflossen sind und ob damit etwa militärisches Gerät angeschafft wurde. Des Weiteren, ob Mitarbeiter von WWF-Deutschland, die vor Ort waren oder die im engen Kontakt mit den von BuzzfeedNews kritisierten Projekten gestanden haben könnten, jemals Hinweise auf Verstöße gegen WWF-Regeln, Gewalt oder Menschenrechtsverletzungen erhalten haben.

Vier Stunden nach Einsendung der Fragen, teilte die Öffentlichkeitsabteilung dann jedoch mit, derzeit dürfte ein "Interview kaum sinnhaft sein". Die Fragen des SPIEGEL bezögen sich auf Konsequenzen und Details und könnten derzeit nicht "mit der nötigen Sorgfalt" beantwortet werden.

Die Organisation teilte weiter mit, nun sei ein internationales Krisenteam eingesetzt worden, dass zusammen mit externen Menschenrechtsexperten eine umfangreiche Untersuchung durchführen soll. "Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wird es Konsequenzen zur Folge haben", hieß es. Die Vorwürfe würden transparent und umfassend durch eigene Mitarbeiter sowie und zugleich durch unabhängige Dritte aufgearbeitet. Die Dachorganisation WWF-International gab an, dafür die Londoner Kanzlei Kingsley Napley engagiert zu haben.

Laut eigener Darstellung, versteht sich er WWF als "Teil einer starken, unabhängigen Zivilgesellschaft". Die Achtung der Menschenrechte habe "oberste Priorität". Ein erster Zwischenbericht der Arbeit Lönings für WWF-Deutschland soll voraussichtlich im April vorliegen

stu

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