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Weltmeere: Fischbestände haben sich binnen 40 Jahren halbiert

Living Planet Report: Artenschwund in den Ozeanen Fotos
Corbis

Umweltverschmutzung, Klimawandel, Überfischung - die Folgen für den marinen Lebensraum sind dramatischer als befürchtet. Ein neuer Report des WWF zeigt: In den vergangenen 40 Jahren schrumpften die Fischbestände um über die Hälfte.

Es sind alarmierende Zahlen: In ihrem jüngsten Report beschreibt die Umweltorganisation WWF den Rückgang der im und auf dem Meer lebenden Populationen von Säugetieren, Vögeln, Reptilien und Fischen noch dramatischer als bisher. Demnach schrumpften die Populationen seit 1970 um über die Hälfte, heißt es in dem WWF-Report, den die Umweltorganisation am Mittwoch gemeinsam mit Wissenschaftlern der Zoological Society of London veröffentlichte. Die Familie der Makrelen und Thunfische (Scombridae) sei stärker betroffen als bislang angenommen: Bei ihr konstatieren die Experten sogar einen Rückgang von über 70 Prozent.

Die jetzt vorgestellten Ergebnisse sind ein genauer Blick in den Living Planet Report von 2014. Schon damals warnte der WWF vor der immensen Ressourcenverschwendung auf der Erde. Grund für den dramatischen Artenschwund seien Überfischung, Umweltverschmutzung und Klimaveränderung. Vor allem wuchs der Appetit des Menschen auf Fisch unaufhörlich, sodass Fischpopulationen stark dezimiert wurden. Insgesamt untersuchte der WWF für seine Studie 1234 Arten von Meeresbewohnern.

Normalerweise gibt der WWF den Living Planet Report alle zwei Jahre heraus. Die alarmierenden Ergebnisse hätten die Organisation aber nun dazu bewogen, einen weiteren Bericht schon in diesem Jahr zu veröffentlichen. Grund: Die Situation sei dramatisch, es sei höchste Zeit zu handeln, schreibt WWF-Chef Marco Lambertini im Vorwort des Reports.

Experten fordern strengere Regulierungen

Den stärksten Rückgang stellten die Experten bei sehr unterschiedlich lebenden Arten fest: zum einen bei großen langlebigen Arten wie dem Thunfisch, zum anderen bei den kleinsten und schnelllebigen Makrelenarten. Aber der Schwund betrifft auch weniger bekannte Arten wie beispielsweise Seegurken. Diese Tiere aus der Familie der Stachelhäuter werden in Asien als Delikatesse verkauft und gegessen. Rund um die Galapagosinseln sanken ihre Bestände um 98 Prozent, im Roten Meer um 94 Prozent.

Um den Schwund aufzuhalten und umzukehren seien strengere Regulierungen nötig, schreiben die Experten im aktuellen Report. Nur so könnten auch die Folgeschäden für die Ökosysteme begrenzt werden. Derzeit würden Populationen bis zu dem Punkt befischt, an dem sie sich gerade noch erhalten können. Die Fangzahlen müssten aber stärker begrenzt werden, sodass die Bestände eine Chance haben, sich zu erholen.

Dies sei auch wichtig, um die Schäden bei anderen Arten des Ökosystems zu begrenzen. Die starke Befischung von Thunfischen sei zum Beispiel direkt verantwortlich für die Bedrohung von Haien, Seevögeln oder Schildkröten.

Der Rückgang der marinen Arten habe schlimme Folgen für die gesamte Menschheit, warnte WWF-Chef Lambertini. Schließlich würden gerade die ärmsten Gemeinschaften, die vom Meer abhingen, am härtesten getroffen. Dem Bericht zufolge gibt es auch immer weniger Korallenriffe, Mangroven und Seegräser, die wiederum für Fische wichtig sind.

khü/AFP

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insgesamt 72 Beiträge
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1.
nic 16.09.2015
Ich bin immer wieder erstaunt, wie preiswert Fisch (durch Subventionen?) z.B. in Frankreich ist. In Deutschland zahlt man teilweise das 10 Fache. Solange Fisch in anderen Ländern so preiswert ist, wird sich am Überfischen kaum was ändern.
2. Das ist auch ein Fluchtgrund!
it--fachmann 16.09.2015
Zum Beispiel in Gambia. Dort wurde vielen Fischern die Existenz zerstört. Und was dort an den Fischbeständen noch übrig ist, räumen moderne Trawler aus der EU ab.
3. Brüsseler Fischereipolitik
winello 16.09.2015
Spanien gehört zu den drei weltweit führenden Produzenten von Haifisch-Produkten! Offenbar ist Brüssel auf einem Auge blind...denn diese Tatsache ist bei allen interessierten Kreisen bestens bekannt.
4. Ich denke in ca. 8-12 Jahren
mtk10 16.09.2015
werden sich die für Fischfang und Umweltschutz verantwortlichen Staatsvertreter bei einer Weltkonferenz treffen und darüber entscheiden, wie das Problem ohne Profiteinbußen und Arbeitsplätzeverlust zu Lösen ist. China hat natürlich ein Vetorecht!
5. Ups, da war ja was!
bruderlaurentius 16.09.2015
Aufgrund der Flüchtlingsthematik vergisst man gänzlich die anderen Brennpunkte dieser Erde. Grundproblem ist und bleibt, dass die menschliche Population und der damit verbundene Zwangskonsum ungebremst ansteigen.
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Wie Fangquoten bestimmt werden
Was ist eine Fischfangquote?
Unter einer Fangquote versteht man eine festgesetzte Menge an Fischen oder anderem Meeresgetier, die in einem bestimmten Gebiet während eines festgesetzten Zeitraumes gefangen werden darf.
Wer legt die Fangmengen in Europa fest?
Für Europa erhebt der International Council for the Exploration of the Sea (ICES), eine zwischenstaatliche wissenschaftliche Organisation mit Sitz in Dänemark, wie es um die Bestände der einzelnen Fischsorten bestellt ist. Es wird anhand von Stichproben analysiert, wie sich Populationen entwickeln und wie viele Jungfische nachkommen. Auf Basis dieser Daten gibt der ICES Empfehlungen heraus, wie viel Fisch gefangen werden kann, ohne Raubbau an der Natur zu treiben. Über die Fangmengen, die sogenannten TACs (Total Allowable Catch) entscheiden aber die Agrarminister der Länder. Gingen diese früher oft über die wissenschaftlichen Empfehlungen hinaus, orientieren sich die Minister mittlerweile deutlich stärker daran, was der ICES rät.
Was bedeutet das für die einzelnen Länder?
Sind die jährlichen Höchstfangmengen einmal festgelegt, ergibt sich daraus die Fangmenge pro Land. Welchen Anteil an der Gesamtmenge eines Fisches ein einzelnes Land fangen darf, richtet sich nach einem Quotensystem. Dies stammt noch aus den achtziger Jahren. Es wurde damals auf Basis historischer Fangzahlen vereinbart und gilt weitgehend noch heute.
Wer legt fest, welche Mengen welcher Fischer fangen darf?
Wie die Gesamtmenge unter den Fischern eines Landes aufgeteilt wird, ist europaweit sehr unterschiedlich. Während einige Länder die Rechte nach bestimmten Quotensystemen auf die Fischer aufteilen, werden anderswo Fischereirechte auf dem freien Markt gehandelt. In Deutschland regelt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die Verteilung der Fangrechte. Dabei orientiert sie sich an vergangenen Fangmengen der einzelnen Akteure. Wie auch immer die Länder die Verteilung regeln: Letztlich sind sie dafür verantwortlich, dass ihre Fischer die ihnen zugesprochenen Fangmengen nicht überschreiten.
Wie wird kontrolliert?
Die Art der Kontrolle ist europaweit sehr unterschiedlich. So gibt es beispielsweise Schiffe, die ihren Fang freiwillig per Kamera dokumentieren. Anderswo müssen Fischer Logbücher führen. Größere Schiffe sind zum Teil an Überwachungssysteme angeschlossen, mittels derer kontrolliert werden kann, wo sie sich aufhalten. Hilfestellung bei der Überwachung soll den Mitgliedsländern die Europäische Fischereiaufsichtsagentur (CFCA) im spanischen Vigo leisten.
Gibt es trotzdem Streit?
Auch wenn die Fangquoten innerhalb der EU feststehen: Da Fische sich nicht an Grenzen halten, sind oft auch die Interessen anderer Staaten berührt. Aufgrund klimatischer Veränderungen befanden sich beispielsweise vor kurzem deutlich mehr Makrelen vor Island als noch in den Jahren davor, woraufhin die krisengebeutelte Isländische Regierung die Fangmenge massiv anhob. Die Schotten und Iren, die sich weiter an die innerhalb der EU vereinbarten Quantitäten halten mussten, hatten das Nachsehen.

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