WWF-Bilanz zum Artenschutz Zahl der Löwen sinkt dramatisch

Für viele Tierarten war 2014 kein gutes Jahr: Bonobos, Löwen und Nashörner sind immer stärker durch den Menschen bedroht. Wilderer erlegten in Afrika mehr Elefanten, als Jungtiere geboren wurden. Aber es gibt auch gute Nachrichten.

Roger Hooper/ WWF-Canon

Für den Schutz von Tierarten weltweit war 2014 nach Einschätzung der Umweltstiftung WWF ein durchwachsenes Jahr. Während manche Arten wie der Blauwal vor der Küste Chiles nun besser geschützt würden, gebe es über viele schlechte Nachrichten. Zu den Verlierern zählen demnach etwa Nashörner, Elefanten und Walrösser: Sie hätten Lebensraum verloren, würden von Wilderern bedroht oder litten unter klimatischen Veränderungen.

Die biologische Vielfalt hat nach Einschätzung der Stiftung stark gelitten: Zwischen 1970 und 2010 hat sich die Größe von mehr als 10.000 untersuchten Wirbeltier-Populationen im Durchschnitt halbiert, wie ein WWF-Report in diesem Jahr zeigte. "Der Mensch verursacht gerade das größte globale Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier", wird WWF-Vorstand Eberhard Brandes in einer Mitteilung zitiert.

Zahl der Löwen schwindet dramatisch

Besonders stark geschrumpft sei etwa der Bestand an Amerikanischen Monarchfaltern: Im Laufe eines Jahres habe sich die Population der Schmetterlinge in den USA und in Kanada um rund 45 Prozent verringert. Als Ursachen vermutet der WWF, dass Lebensräume nun landwirtschaftlich genutzt werden sowie den Pestizideinsatz.

Für Menschenaffen wie Bonobos drohten die letzten Schutzgebiete zu verschwinden: In einem Nationalpark im Kongo sei geplant, Erdöl zu fördern. Auch die Zahl der Löwen schwinde dramatisch - in Westafrika stünden die Tiere vor dem Aussterben, in Indien gebe es nur noch Restbestände. Derzeit wird die Zahl der Löwen in freier Wildbahn insgesamt auf noch 23.000 geschätzt.

Auch erlegten Wilderer in Afrika mehr Elefanten, als Jungtiere geboren würden - einzelne Populationen der Dickhäuter sind laut WWF inzwischen vom Aussterben bedroht. Von einer Nashorn-Unterart, dem Nördlichen Breitmaulnashorn, gibt es nach WWF-Angaben nur noch fünf Exemplare, nachdem zwei der Tiere in diesem Jahr starben.

Verhalten des Menschen entscheidend

Bei den Walrössern erinnerten die Umweltschützer an ein ungewöhnliches Schauspiel in Alaska: Im Herbst lagen dort auf einem Strand dicht an dicht 35.000 Walrösser. Normalerweise ruhen sich die Tiere auf Eisschollen aus. Doch das arktische Packeis zog sich 2014 vermutlich aufgrund des Klimawandels stärker zurück - die Tiere mussten notgedrungen auf das Festland ausweichen.

Als Gewinner beim Artenschutz sieht der WWF neben den Blauwalen auch die Berggorillas: Beide Arten profitierten von Schutzgebieten. In den Alpen gebe es durch Auswilderung wieder mehr Bartgeier. Und in Deutschland kehre etwa der Elch von sich aus zurück. Eine Übersicht der wichtigsten Artenschutzgewinner und -verlierer haben wir hier zusammengestellt.

Das Verhalten der Menschen sieht der WWF als Schlüssel zum Artenschutz: Gerade Deutschland müsse als reiche Industrienation Vorbild sein. Es gelte, Landwirtschaft und Verkehr nachhaltiger auszurichten und Schutzgebiete wirksamer zu schützen. Von enormer Bedeutung für den Artenschutz seien auch die Energiewende und der Kampf gegen den Klimawandel.

jme/dpa/AFP

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