Yellowstone-Park: Forelle bedroht Hirsche

Grizzly auf Wapiti-Jagd: Alternative zum Forellenfang Zur Großansicht
Bruce H. Oakley

Grizzly auf Wapiti-Jagd: Alternative zum Forellenfang

Früher gab es für die Grizzlys im Yellowstone-Nationalpark Forelle satt. Jetzt aber hat eine eingewanderte Art die heimischen Fische verdrängt. Die Neuankömmlinge lassen sich so schwer fangen, dass die hungrigen Bären massiv auf andere Nahrung ausweichen.

Forellen und Hirsche haben üblicherweise nur wenig miteinander zu tun. Doch über Umwege kann der Fisch dem Wild durchaus zu schaffen machen, wie sich jetzt im Yellowstone-Nationalpark zeigt. Wie US-Biologen im Fachmagazin "Proceedings B" der britischen Royal Society berichten, liegt das an den Grizzlybären. Die stürzen sich in letzter Zeit vermehrt auf junge Wapitis, weil es im Yellowstone-See immer weniger Forellen gibt.

Die in dem See heimische Cutthroat-Forelle (Oncorrhynchus clarkii) sei bis Ende der achtziger Jahre ein wichtiger Fett- und Energielieferant für die Bären gewesen, schreibt das Team um Arthur Middleton von der University of Wyoming in Laramie. In den vergangenen Jahren sei diese Art jedoch zunehmend von der eingewanderten amerikanischen Seeforelle (Salvelinus namaycush) verdrängt worden. Die frisst nicht nur die Jungen der Konkurrenz - sondern weigert sich auch, den Bären vor die Schnauze zu schwimmen.

Ernährung umgestellt

In vielen Zuläufen des Sees, in denen die Cutthroat-Forelle früher ihre Eier abgelegt hat, ist ihre Zahl inzwischen bis auf ein Zehntel der früheren Bestände gefallen, so die Forscher. Die Seeforelle schwimmt dagegen nicht in die Bäche, sondern legt ihre Eier am Seegrund ab.

In der Folge haben die Grizzlybären ihre Ernährung umgestellt. Wie Spuren und andere Analysen zeigen, jagten sie in den vergangenen Jahren vermehrt junge Wapitis. Das könnte zu einer dauerhaften Veränderung des gesamten Nahrungsnetzes im Yellowstone-Park und darüber hinaus führen, schließen die Forscher. Es zeige sich hier zudem, wie stark die meist getrennt betrachteten Ökosysteme von See und Land zusammen wirken und sich beeinflussen können.

Die Seeforelle wurde wohl vor etwa 20 Jahren illegal im Yellowstone-See ausgesetzt. Die Studie zeige, welche Auswirkungen ein viele Jahre zurückliegendes menschliches Fehlverhalten auf die sonst unberührte Natur haben könne, sagt Middleton. "Die überraschend großen ökologischen Folgen unterstreichen, wie wichtig es ist, Möglichkeiten zu entwickeln, die Seeforelle zurückzudrängen - und ähnliche Invasionen an anderen Orten zu verhindern."

wbr/dpa

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