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29. Juli 2013, 18:04 Uhr

Yellowstone-Nationalpark

Wölfe verschaffen Bären mehr Beeren

Die Rückkehr der Wölfe in den berühmten Yellowstone-Nationalpark freut nicht nur Artenschützer, sondern auch die Grizzlybären. Seit die grauen Jäger wieder im Park sind, bekommen die Bären deutlich mehr Früchte zu fressen.

Die Grizzlybären im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark können im Spätherbst wieder zulangen: Seit einigen Jahren bleiben ihnen deutlich mehr Beeren als zuvor, um sich Winterspeck anzufuttern. Bedanken dafür können sie sich bei den Wölfen. Sie waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Region ausgerottet worden und wurden erst in den neunziger Jahren wieder angesiedelt.

Nun leisten sie ganze Arbeit: Sie jagen auch die Rothirsche, die den Grizzlys zuvor die Beeren streitig gemacht hatten, berichtet ein Forscherteam um den Wolf-Experten William Ripple von der Oregon State University im "Journal of Animal Ecology". Die Folge: Grizzlybären ernähren sich wieder ausgewogener. Die Wissenschaftler untersuchten dafür den Bärenkot und konnten so nachweisen, dass die Tiere deutlich mehr Beeren verdauen. Der Anteil an Früchten im Kot war im August der Jahre 2007 bis 2009 durchschnittlich doppelt so groß wie vor der Rückkehr der Wölfe, im Juli sogar 20-mal so groß.

Zunehmen vor dem Winterschlaf

"Wildes Obst ist typischerweise ein wichtiger Teil der Ernährung von Grizzlybären, vor allem im Spätsommer, wenn die Tiere versuchen, so schnell wie möglich vor dem Winterschlaf zuzunehmen", sagt Ripple. Beeren könnten nach Ansicht der Forscher so wichtig für die Ernährung und Gesundheit der Grizzlys sein, dass sie sogar Einfluss auf deren Einstufung als bedrohte Tierart hätten. Die Bären, so schien es zuletzt, können gute Nachrichten gebrauchen: Erst kürzlich wurde bekannt, dass massive Veränderungen im Forellen-Bestand des Yellowstone-Parks den pelzigen Raubtieren zu schaffen machen.

Die Erkenntnisse über das Zusammenspiel zwischen Wolf und Bär zeigen nach Ansicht der Forscher, dass die Steuerung des Wolfsbestands nicht nur den Fortbestand dieser Spezies berücksichtigen sollte, sondern auch die Folgen für andere Tier- und Pflanzenarten. "In manchen Situationen könnte es wünschenswert sein, einen Bestand zu erreichen, der dabei hilft, das Überweiden zu kontrollieren, Bäume und Sträucher zu schonen und die Gesundheit des Ökosystems wiederherzustellen", sagte Ko-Autor Robert Beschta.

Auch für Deutschland fordern Wissenschaftler, wieder die Entstehung von mehr Wildnis zuzulassen - und auch die Rückkehr von Raubtieren wie dem Wolf zuzulassen. Die Rückkehr der grauen Jäger findet bereits statt: Von Osten kommend haben sich mehrere Rudeln in Deutschland niedergelassen.

mbe/dpa

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