Zahnschmelzanalyse: Riesige Dinosaurier hatten warmes Blut

Durch die Adern der Dinosaurier floss warmes Blut. Indizien dafür hat ein internationales Forscherteam in der chemischen Zusammensetzung der Zähne der Urechsen entdeckt. Wie es den Dinos gelang, ihr Blut temperiert zu halten, bleibt allerdings rätselhaft.

Dinosaurier: Riesenechsen blieben cool Fotos
dapd

Es ist ein fundamentaler Streit: Seit vielen Jahren räsonieren Paläontologen auf der ganzen Welt darüber, ob die Dinosaurier Kalt- oder Warmblüter waren. Lange Zeit hielt man die Tiere für kaltblütige, träge Echsen. Das heißt, ihre Körpertemperatur hätte wie bei Krokodilen von der Umgebungstemperatur abgehangen. In den vergangenen Jahrzehnten mehrten sich aber die Hinweise darauf, dass es möglicherweise doch anders war: So waren etwa aus Fußspuren ermittelte Laufgeschwindigkeiten und die Schnelligkeit des Knochenwachstums kaum mit einer Körpertemperatur heutiger Reptilien vereinbar.

Allerdings kamen andere solcher indirekter Schlussfolgerungen zu genau gegenteiligen Ergebnissen. Nun liefern neue Isotopenanalysen ein wichtiges Indiz für die These von den Warmblütern: Die Körpertemperatur zumindest zweier großer, pflanzenfressender Saurierarten war so groß wie die heutiger Säugetiere. Das berichtet eine internationale Forschergruppe im Wissenschaftsjournal "Science".

Die Forscher hatten die Zusammensetzung des Zahnschmelzes fossiler Dinosaurierzähne analysiert. Hauptbestandteil ist das mineralische Bioapatit. Es übersteht Jahrmillionen unverändert. In sehr geringen Mengen kommen darin das Kohlenstoffisotop C-13 und das Sauerstoffisotop O-18 vor. Je wärmer der Körper bei der Bildung des Zahnschmelzes war, desto seltener gingen diese beiden schwereren Isotope eine Bindung ein.

"Diesen Zusammenhang benutzen wir für das Thermometer, mit dem wir die Körpertemperatur auf bis zu zwei Grad genau bestimmen können", erläutert der Geochemiker Thomas Tütken von der Universität Bonn. Er hatte das Verfahren bereits für die Untersuchungen an Mammuts eingesetzt.

"Erst dann kalt, wenn es tot ist"

Durch die Isotopenanalyse von Zähnen lassen sich nach Angaben der Forscher die mittleren Körpertemperaturen von heutigen und ausgestorbenen Säugetieren und Reptilien mit einer Genauigkeit von 1 - 2 Grad ermitteln. "Das ist so, als könnten wir ein Thermometer in ein Tier stecken, das seit 150 Millionen Jahren ausgestorben ist", sagt Robert Eagle vom California Institute of Technology in Pasadena.

Die Forscher hatten die Zähne eines bis zu 20 Meter langen Camarasaurus aus den USA untersucht - und die eines bis zu 23 Meter langen Brachiosaurus aus Tansania. Die Giganten lebten vor rund 150 Millionen Jahren in der Jurazeit. Die Berechnungen der Wissenschaftler ergaben, dass die Zähne der Tiere sich bei Körpertemperaturen von 36 bis 38 Grad gebildet hatten.

Die errechneten Temperaturwerte liegen dabei deutlich höher als bei kaltblütigen Krokodilen und etwas tiefer als bei Vögeln. Die Frage, ob Saurier ihre Temperatur konstant hielten wie die Säugetiere oder auf Wärme von außen angewiesen waren, sei aber noch immer nicht endgültig beantwortet, betonen die Forscher. Schließlich könnten große Tiere ihre Temperatur allein durch ihre Masse lange halten.

Säugetiere entwickeln ihre Körpertemperatur durch eine hohe wärmeerzeugende Stoffwechselaktivität. Durch verschiedene Regulationsmechanismen, Schwitzen zum Beispiel, können sie sie konstant halten. Die Riesensaurier könnten ihre Körperwärme auch bei geringer Stoffwechselleistung erzielt haben, da ihre Körpermasse einen Wärmeverlust erschwert. "Ein Tier mit der Fleischmasse von der Größe eines Zimmers wird erst dann kalt, wenn es tot ist", sagt Eiler.

Die Forscher halten es sogar für möglich, dass diese Tiere über noch unbekannte Mechanismen verfügt haben, die für eine Abgabe überschüssiger Wärme sorgten. Die für die Sauropoden typischen extrem langen Hälse und Schwänze könnten dabei eine Rolle gespielt haben. Weitere Zahnanalysen von Saurierarten unterschiedlicher Körpergröße und Lebensweise könnten bei der Klärung dieser Frage hilfreich sein. So wollen die Wissenschaftler ihre Methode auch auf kleine Saurierarten anwenden. Denn die wären im Zweifelsfall in der Nacht leichter ausgekühlt.

chs/dpa/dapd

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1. Herrje
Gani 24.06.2011
Natürlich war deren Blut warm, oder glaubt der Verfasser es wären kleine, rote Eiswürfelchen gewesen? Der unmotivierte Laie spricht gerne von warm- und kaltblütern, weil er in seiner Verlegenheit nur diese überholten Trivialbegriffe kennt. Die richtigen Begriffe sind wechselwarm und gleichwarm.
2. Schreiber ...
Willi Winzig 24.06.2011
Mineral- und Gesteinsnamen, die auf -it enden, sind maennlich. Wann werden Journalisten das endlich lernen? Es ist *der* Apatit, nicht *das* Apatit, Bio hin oder her ...
3. .
Miguelito 25.06.2011
Zitat von Willi WinzigMineral- und Gesteinsnamen, die auf -it enden, sind maennlich. Wann werden Journalisten das endlich lernen? Es ist *der* Apatit, nicht *das* Apatit, Bio hin oder her ...
Richtig, und männlich wird immer noch mir *ä* geschrieben.
4. Deutsche Sonderzeichen
Koda 25.06.2011
Zitat von MiguelitoRichtig, und männlich wird immer noch mir *ä* geschrieben.
Siehen Sie´s ihm nach; wahrscheinlich erkannte der Browser gerade keine deutschen Sonderzeichen. Hatte kürzlich dieses Problem auf meinem Arbeits-PC und dass war vielleicht stressig. "Y" statt "Z" und ":" anstelle des "Ä" oder "Ö".
5. Wie sah´s denn dann dann mit Spinosauriern oder Pelycosauriern aus?
Koda 25.06.2011
Zitat von sysopDurch die Adern der Dinosaurier floss warmes Blut. Indizien dafür hat ein internationales Forscherteam in der chemischen Zusammensetzung der Zähne der Urechsen entdeckt. Wie es den Dinos gelang, ihr Blut temperiert zu halten, bleibt allerdings rätselhaft. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,770209,00.html
Spinosaurier gabs auch später als Brachiosaurier und hatten, ähnlich wie viele der weitaus früheren Pelycosaurier (Dimetrodonten Edaphosaurier) Rückensegel, denen man eine Funktion zuschreibt, das Blut morgens in der Sonne schneller zu erwärmen oder zur Abkühlung gegen die Sonne ausrichten zu lassen.
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