Zeitumstellung bei der Bahn "Die S-Bahn fährt dann einfach nicht"

In der Nacht zum Sonntag beginnt die Sommerzeit. Ein Bahnsprecher erklärt, wie die 12.000 Bahnhofsuhren umgestellt werden - und warum S-Bahnen ausfallen.

S-Bahn in Frankfurt (Archivbild)
dpa

S-Bahn in Frankfurt (Archivbild)

Ein Interview von


Zur Person
  • Deutsche Bahn AG/ Dan Zoubek
    Achim Stauß ist Konzernsprecher der Deutsche Bahn AG. Das Unternehmen betreibt Tausende Uhren, die am 25. März von Winter- auf Sommerzeit umgestellt werden müssen. Die Nacht zum Sonntag ist dann eine Stunde kürzer: Eine Minute nach 1.59 Uhr springt die Zeit auf 3.00 Uhr.

SPIEGEL ONLINE: Würde die Deutsche Bahn die Zeitumstellung gern abschaffen?

Stauß: Wir haben uns damit gut arrangiert. Es gibt sie ja schon seit vielen Jahren - für uns ist das längst Routine. Die insgesamt 12.000 Bahnhofs-Uhren werden ohnehin zentral gesteuert, und das Umstellen klappt problemlos.

SPIEGEL ONLINE: Aber bekommen Züge nicht ein Problem, wenn die Nacht wie jetzt am Samstag plötzlich eine Stunde kürzer ist ?

Stauß: Bei den Zügen, die in dieser Nacht fahren, müssen wir das im Fahrplan berücksichtigen. Das gelingt gut, und die Kosten halten sich in Grenzen.

SPIEGEL ONLINE: Haben die Züge dann nicht alle Verspätung?

Stauß: Die Auswirkungen für die Kunden sind sehr gering, weil es mitten in der Nacht kaum Personenzüge gibt. Die Nachtzüge haben in der Regel ohnehin längere Aufenthalte, sogenannte Fahrzeiten-Puffer, die sie in dieser Nacht nutzen. Einige Nahverkehrszüge fallen auch aus. Die S-Bahn, die zum Beispiel planmäßig 2.15 Uhr startet, fährt einfach nicht, weil es die Stunde in der Nacht ja gar nicht gibt.

SPIEGEL ONLINE: Und was ist mit Güterzügen?

Stauß: Die fahren tatsächlich zum großen Teil nachts, aber auch hier ist die Zeitumstellung unproblematisch. Zum einem wegen der Zeitpuffer in den Fahrplänen, zum anderen, weil eine eventuell spätere Ankunft der Güter beim Kunden an einem arbeitsfreien Sonntag in der Regel nicht so gravierend ist wie an einem Arbeitstag.

SPIEGEL ONLINE: Spricht aus Ihrer Sicht etwas für die Zeitumstellung?

Stauß: Als Unternehmen haben wir keine unmittelbaren Vorteile davon. Es mag aber durchaus sein, dass viele Mitarbeiter es gut finden, wenn es abends länger hell ist. Schließlich arbeiten bei der Bahn viele im Schichtdienst.

SPIEGEL ONLINE: Russland hat als einziges Land Europas die Sommerzeit wieder abgeschafft. Ist das ein Problem für die Deutsche Bahn?

Stauß: Nein, Russland ist ja immer in einer anderen Zeitzone. Und im Personenverkehr gibt es aktuell nur eine direkte Zugverbindung dorthin: Moskau-Berlin-Paris.

SPIEGEL ONLINE: Zurück zu den Uhren auf den Bahnhöfen: Steuern Sie diese selbst direkt aus der Bahnzentrale in Berlin oder Frankfurt?

Stauß: Nein. Es gibt bei uns 7000 sogenannte Hauptuhren. Sie empfangen, wie alle Funkuhren, den Langwellensender DCF77, der seine Zeitsignale von den Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig bekommt. Diese Hauptuhren steuern dann wiederum alle übrigen Uhren. So zeigen alle Uhren die gleiche Zeit - und darauf kommt es im Bahnhof besonders an.



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