Erdhörnchen: Wer nicht wedelt, wird gefressen

Wenn Erdhörnchen unaufmerksam sind, landen sie im Magen einer Schlange. Um das zu vermeiden, schwenken die Tiere ihren Schwanz hin und her - selbst wenn sie keinen lauernden Jäger sehen. Die Bewegung signalisiert Aufmerksamkeit. Biologen haben jetzt untersucht, wie effektiv der Trick ist.

Erdhörnchen: Angriff der Klapperschlangen Fotos
Zachary Cavas

Mit wildem Schwenken ihres Schwanzes signalisieren Erdhörnchen lauernden Klapperschlangen ihre Wachsamkeit, um diese von einem Angriff abzubringen. Insbesondere erwachsene Tiere warnen mit dem Gewedel Artgenossen und bringen Schlangen dazu, ihre Lauerstellung aufzugeben, berichten US-amerikanische Forscher im Fachmagazin "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Matthew Barbour und Rulon Clark von der San Diego State University beobachteten in freier Wildbahn kalifornische Ziesel (Otospermophilus beecheyi), die zur Beute von Pazifik-Klapperschlangen (Crotalus oreganus oreganus) zählen. Die Biologen stellten dabei fest, dass die Nagetiere ihren Schwanz nicht nur bewegen, wenn sie eine Klapperschlange sehen. Stattdessen zeigten die Ziesel das Verhalten häufig auch in offenbar harmlosen Situationen - aber zu bestimmten Tageszeiten und an Orten, an denen Angriffe wahrscheinlich sind. Sie bereiten dadurch Jungtiere auf mögliche Gefahren vor, vermuten die Biologen.

Wärmesignal soll Schlangen irritieren

Zudem gäben die Tiere unentdeckt lauernden Schlangen so zu verstehen, dass sie aufmerksam sind und ein Angriff geringe Erfolgsaussichten hätte. Barbour und Clark stellten fest, dass es den Tieren durch die Bewegung des Schwanzes oft gelingt, einen Angriff abzuwenden oder die Schlange zu verscheuchen. In ihrem Fachartikel werten sie 29 Ziesel-Schlange-Begegnungen aus.

Waren ein mit dem Schwanz zuckender Ziesel und eine Schlange mehr als 13 Zentimeter voneinander entfernt, griff das Reptil nie an. Wedelte das Erdhörnchen dagegen nicht, schlug die Schlange meist zu - und zwar aus bis zu 30 Zentimetern Entfernung. Wenn sich Beute und Jäger sehr nah kamen, also maximal zwölf Zentimeter Abstand zwischen ihnen lagen, half auch kein Schwenken mehr. Dann griffen die Schlangen immer an.

Ziesel, die ihren Schwanz geschwenkt hatten, versuchten immer, einem tatsächlichen Angriff auszuweichen und das gelang ihnen auch in vier von fünf Fällen. Hörnchen, die sie Signalbewegung nicht ausgeführt hatten, waren wohl wirklich weniger aufmerksam. Nur knapp die Hälfte setzte zum Ausweichmanöver an.

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass die Ziesel beim Wedeln auf einen weiteren Trick zurückgreifen: Sie heizen ihren Schwanz auf, um die Klapperschlangen, die Wärmestrahlung (Infrarot) registrieren, zu irritieren. Begegnen sie dagegen Schlangen, die nicht so empfindlich auf Infrarot reagieren, bleibt der Hörnchen-Schwanz kalt.

Die Forscher schreiben, dass ein Abwehrsignal Beute- und Raubtier gleichermaßen nutzt: Die Gejagten können so manchmal verhindern, angegriffen zu werden. Und der Jäger kann sich einen energiekostenden Angriff sparen, wenn er sieht, dass er die aufmerksame Beute wohl nicht erwischen wird.

wbr/dpa

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