Zonen der Artenvielfalt: Wo im Wasser das Leben tobt

Der Mensch beutet die Meere rücksichtslos aus, viele Flüsse und Seen sind stark verschmutzt, das Leben in ihnen ist bedroht. Jetzt haben Forscher in einem Großprojekt die Gewässerregionen identifiziert, die für den Erhalt der Säugetiere besonders wichtig sind.

Delfine vor Hongkong: Weltweite Verteilung der marinen Säugetiere untersucht Zur Großansicht
AFP/PIO

Delfine vor Hongkong: Weltweite Verteilung der marinen Säugetiere untersucht

Wissenschaftler haben rund um den Globus 20 Regionen identifiziert, die für den Schutz der im Meer und Süßwasser lebenden Säugetiere besonders bedeutend sind. Diese Zonen seien entweder ausgesprochen artenreich oder beherbergten Arten, die nirgendwo sonst vorkommen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Ihre Daten könnten dazu beitragen, Strategien für die Einrichtung mariner Schutzzonen weltweit zu entwickeln und umzusetzen.

Sandra Pompa von der Universidad Nacional Autónoma de México und ihre Kollegen hatten die Lebensräume aller 123 marinen Säugetiere und sechs Süßwassersäuger in insgesamt 46.184 Quadranten aufgeteilt. Sie ermittelten dann, welche Arten in jedem einzelnen Quadranten lebten und in wie vielen Quadranten eine einzelne Art vorkommt. Die Zahl der Arten pro Quadrant schwankte zwischen 1 und 38. Im Schnitt fanden sich 17 Arten in jedem Abschnitt.

Anders als bei den Landsäugern, deren Vielfalt zum Äquator hin deutlich zunimmt, war die Artenvielfalt von Meeressäugern zwischen dem 30. Grad nördlicher und dem 40. Grad südlicher Breite höher.

Artenreiche Küstengewässer

Besonders artenreich zeigten sich die Küstenregionen von Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und Australien. Dies hänge vor allem mit den Meeresströmungen und den Nährstoffströmen zusammen, schreiben die Forscher. Sie identifizierten neun Schlüsselzonen mit einem besonders großen Artenreichtum, unter anderem entlang der Küsten von Peru, Argentinien, Neuseeland oder des mexikanischen Bundesstaats Baja California. 84 Prozent aller marinen Säugetiere leben in diesen Gebieten.

Elf Regionen erklärten die Forscher für unersetzlich, weil einzelne Arten nur dort vorkommen. Dazu zählten die Galapagos-Inseln, die Heimat des Galapagos-Seebärs oder das Mittelmeer mit der Mittelmeer-Mönchsrobbe. Fünf dieser Regionen liegen in den Ozeanen, sechs umfassen Flüsse oder Seen: den Amazonas, den Indus, den Ganges und den Jangtse sowie den Baikalsee und das Kaspische Meer.

Allerdings ist ausgerechnet in diesen besonders wertvollen Regionen der Einfluss des Menschen groß. Verschmutzung, Überfischung, die Einführung fremder Arten und der Klimawandel bedrohen die schützenswerten Wassergebiete.

Der Verlust der Artenvielfalt sei eines der ernstesten Umweltprobleme und vermutlich das einzige, das wirklich unumkehrbar sei, schreiben Pompa und ihre Kollegen. Viele Arten seien noch in jüngerer Vergangenheit ausgerottet worden, etwa der Jangtse-Delfin in China. Nach den Kriterien der Roten Liste gelten zehn Prozent der marinen Säugetiere als gefährdet, elf Prozent als stark gefährdet und drei Prozent als vom Aussterben bedroht.

wbr/dpa

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