Zoologische Seltenheit: Zweiköpfige Schlange sucht einen Namen

Von Nicole Hulka

Der Königspython aus Deutschland ist eine wissenschaftliche Sensation: Er hat zwei Köpfe. Die seltene Anatomie kann der Schlange gefährlich werden, besonders beim Fressen. Jetzt wird ein Name für das Tier gesucht. Ein Video zeigt das erstaunliche Wesen.

Kuriose Naturlaune: Königspython mit zwei Köpfen. Zur Großansicht
DPA

Kuriose Naturlaune: Königspython mit zwei Köpfen.

Mehrköpfige Schlangen kennen die meisten nur aus der griechischen Mythologie. Etwa die neunköpfige Hydra, die der Legende nach Viehherden riss und Felder verwüstete. Jedesmal, wenn sie einen ihrer acht Köpfe verlor, wuchsen zwei nach - nur einer war verwundbar.

In Deutschland gab es nun zwei ähnliche Geschöpfe zu bewundern: Eine zweiköpfige Kalifornische Königsnatter aus den USA mit dem Namen Tom und Jerry war jetzt auf einer zoologischen Ausstellung in München zu sehen. Und in Weigheim lebt ein doppelköpfiger Königspython - für den jetzt ein Name gesucht wird.

Tom und Jerry sind zusammen etwa ein Meter lang und mehr als zwölf Jahre alt. Die Schlange gehört zur Sammlung der größten mobilen Reptilienausstellung Vivarium aus der Schweiz und war jetzt in München zu Besuch. Tom und Jerry wurden 1998 auf einer Zuchtfarm geboren und sollten eigentlich Zwillinge aus einer befruchteten Eizelle werden. Als sie sich im Mutterleib entwickelten, fand die embryonale Teilung jedoch nur teilweise statt.

Statt einem Natter-Zwillingspärchen schlüpfte deshalb eine zweiköpfige Schlange, die die Ausstellungsmitarbeiter und Besucher immer wieder fasziniert - besonders, wenn sie fressen. Denn dass Tiere mit solchen Mutationen so alt werden und überlebensfähig sind, kommt äußerst selten vor.

Die Ursachen für solche Gendefekte bei Tieren sind ungeklärt. Von einer Laune der Natur kann die Rede sein, die keinen Nutzen für die Tiere hat, sondern ihr Leben sogar gefährdet, besonders beim Fressen.

In Deutschland gibt es eine weitere solche Schlange - sie hat noch keinen Namen. Der einjährige etwa 300 Gramm schwere männliche Königspython lebt in Weigheim bei dem Reptilienexperten Stefan Broghammer. Der Python hat ebenfalls zwei Köpfe, bis zum Rumpf verlaufen zwei Wirbelsäulen. Im huckeligen Rumpf verschmelzen die Körper zu einem. Die Köpfe sind beide aktiv, insgesamt habe das Tier laut Besitzer keine körperlichen Defekte. Der Python fresse und verdaue ohne Probleme, sagt Broghammer.

Dabei ist ein Kopf fressaktiver. Wenn beide fressen würden, wäre das lebensgefährlich, da die Nahrung in der Speiseröhre stecken bleiben könnte und die Tiere ersticken würden. Der Python sucht noch einen Namen, der bei Twitter, Facebook oder Youtube vorgeschlagen werden kann.

Auf der Welt gebe es laut Schätzungen von Broghammer fünf solche Schlangen: Drei in den USA, ein Tier lebt in einem Zoo Sri Lankas - und sein zweiköpfiger Python.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Trial and error
Gegengleich 30.06.2011
---Zitat--- ... Von einer Laune der Natur kann die Rede sein, die keinen Nutzen für die Tiere hat, sondern ihr Leben sogar gefährdet, besonders beim Fressen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,771299,00.html ---Zitatende--- Genau das "versucht" ja die Natur: Herauszufinden, ob es einen Nutzen hat. Wenn ja, würde das Wesen weiterleben, sich fortpflanzen und andere, "minderbemittelte" verdrängen. Wenn nein, geht es eben zugrunde. Natürlich spielen äußere Umstände auch eine Rolle, soll also nicht heißen, das was da so rauskommt, wäre unbedingt besser....
2. .
Syrus 30.06.2011
Zitat von GegengleichGenau das "versucht" ja die Natur: Herauszufinden, ob es einen Nutzen hat. Wenn ja, würde das Wesen weiterleben, sich fortpflanzen und andere, "minderbemittelte" verdrängen. Wenn nein, geht es eben zugrunde. Natürlich spielen äußere Umstände auch eine Rolle, soll also nicht heißen, das was da so rauskommt, wäre unbedingt besser....
Das funktioniert aber nur, wenn die Mutation genetisch codiert ist. Das ist aber bei solchen Doppelfehlbildungen nicht der Fall, entsprechend können diese Tiere ihre Zweiköpfigkeit auch nicht vererben, auch wenn sie noch so nützlich wäre. Ein paar interessante Details liefert übrigens Wikipedia: https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Siamesische_Zwillinge
3. !
Wer ich wirklich bin 30.06.2011
Zitat von sysopDer Königspython aus Deutschland ist eine wissenschaftliche Sensation:*Er hat zwei Köpfe. Die seltene Anatomie kann der Schlange gefährlich werden, besonders beim Fressen. Jetzt wird ein Name für das Tier gesucht. Ein Video zeigt das erstaunliche Wesen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,771299,00.html
Ideal wäre ein Doppelname. Karl-Theodeor zum Beispiel. So könnte man die Köpfe auch einzeln ansprechen/rufen. Mit nur einem Namen fühlen sich ja beide immer angesprochen.
4. ...
Nostromo72 30.06.2011
Monty&Python müssen die beiden natürlich heissen!
5. Hohlspiegel:
Nostromo72 30.06.2011
ist mir gerade erst aufgefallen: "Der einjährige etwa 300 Gramm schwere männliche Königspython lebt in Weigheim bei dem Reptilienexperten Stefan Broghammer. Er hat ebenfalls zwei Köpfe, bis zum Rumpf verlaufen zwei Wirbelsäulen." Ist Hr. Broghammer weitläufig mit Zaphod Beeblebrox verwand? *lol* (Obwohl: Das wär auch ein passender Name für das goldige Geschöpf..)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Reptilien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 11 Kommentare
Fotostrecke
Tiefsee-Ausstellung: Bizarre Wesen aus den Tiefen der Ozeane