Zoonosen Wo Tierkrankheiten den Menschen bedrohen

Die häufigste Ursache von Pandemien sind Viren, die von Tieren auf den Menschen übergehen. Nun haben Forscher untersucht, von welchen Lebewesen und in welchen Regionen die größten Gefahren drohen.

Flughund beim Virencheck
EcoHealth Alliance/ Nature

Flughund beim Virencheck


In Südwestdeutschland breitet sich derzeit das Hantavirus aus. In Westafrika starben 2014 und 2015 mehr als 11.000 an Ebola. Weltweit tragen mehr als 36 Millionen Menschen das HI-Virus in sich. Alle diese Erkrankungen haben eines gemeinsam: Die Erreger stammen aus dem Tierreich und haben sich im Zuge der Evolution an den Menschen angepasst.

Diese sogenannten Zoonosen sind die häufigsten Ursachen für Pandemien. Forscher um Kevin Olival von der NGO EcoHealth Alliance haben deshalb untersucht, wo und in welchen Tieren solche Viren besonders verbreitet sind. Und in welchen Regionen damit zu rechnen ist, dass bislang unbekannte, für den Menschen potenziell gefährliche Erreger auftreten. Dazu analysierten sie knapp 590 Viren aus unterschiedlichen Regionen und Tieren, darunter Primaten, Fleischfresser, Paarhufer, Nager und Fledertiere.

Nager tragen in Europa die meisten Zoonosen in sich

Die Bestandsaufnahme ergab zunächst, dass Fledermäuse und Flughunde sowie Primaten und Nagetiere die meisten auch für den Menschen gefährliche Viren in sich tragen, wie die Forscher im Fachmagazin "Nature" berichten. Allerdings gibt es lokale Unterschiede:

  • Am verbreitetsten sind Zoonosen in Fledermäusen und Flughunden demnach in Süd- und Zentralamerika. Die Forscher gehen auf Basis ihrer Analyse aber davon aus, dass weitere solcher Viren in Teilen Asiens auftreten werden.
  • Unter den Primaten sind für den Menschen potenziell schädliche Viren vor allem in Zentralafrika bekannt. Die Forscher vermuten aber noch unbekannte Reservoirs im Norden Südamerikas und in Südostasien.
  • Nager sind derzeit wichtige Träger von Zoonosen in Europa, Russland und Nordamerika. Viele neue Viren, die dem Menschen gefährlich werden könnten, werden der Untersuchung zufolge in diesen Regionen jedoch nicht auftreten. Olival und Kollegen vermuten aber, dass die Tiere künftig in Südamerika und Zentralafrika eine größere Rolle bei der Ausbreitung von Virenkrankheiten spielen könnten.
Auch Primaten können Viren auf den Menschen übertragen
EcoHealth Alliance/ Nature

Auch Primaten können Viren auf den Menschen übertragen

Kontakt zwischen Tier und Mensch begünstigt Zoonosen

Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Virus vom Tier auf den Menschen übergeht, hängt laut den Wissenschaftlern vor allem an drei Faktoren ab:

  • Wie eng ist die Verwandtschaft zum Menschen?
  • Wie eng ist der Kontakt zwischen Mensch und Tier?
  • Welche Eigenschaften hat das Virus?
  • So kann etwa große genetische Ähnlichkeit dazu führen, dass sich ein Virus in Mensch und Tier wohlfühlt - wie es etwa bei HIV der Fall ist, das seinen Ursprung im Affen hat. Damit sich ein Erreger an einen neuen Wirt anpasst, muss er allerdings auch mit ihm in Kontakt kommen, wie es eher bei Menschen und Nagern vorkommt. So überdauern etwa Hantaviren in Mäusen, ohne ihnen zu schaden. Auf Basis dieses Wissens erstellten die Forscher mit verschiedenen statistischen Modellen ihre Prognosen.

    Keine Vorhersage über Pandemierisiko möglich

    Wie gefährlich die bisher unentdeckten Zoonosen für den Menschen werden könnten, verrät die Analyse allerdings nicht, schreibt James Lloyd-Smith von der University of California in einem Begleitartikel. So hätten die Forscher in ihrer Studie beispielsweise nicht zwischen Viren unterschieden, die bereits mehrfach Menschen befallen haben und solchen, von denen nur wenige Einzelfälle bekannt sind.

    Ob eine Zoonose zur ernsten Bedrohung für den Menschen wird, hänge zudem auch davon ab, ob der Erreger von Mensch zu Mensch weitergegeben wird. "Zwar werden die meisten Pandemien von Zoonosen verursacht", so Lloyd-Smith. "Die meisten Zoonosen führen aber nicht zu Pandemien." Bislang sei es nicht möglich vorherzusagen, welche Viren sich zur weltweiten Seuche entwickeln.

    Die Wissenschaftler sehen die Studie daher vor allem als Anhaltspunkt für weitere Forschung. So zeige die Studie , in welchen Regionen und Tieren Wissenschaftler verstärkt nach Viren suchen sollten, die das Potenzial haben, den Menschen zu befallen. Mit diesem Wissen sei es schließlich möglich, auf einen Krankheitsausbruch vorbereitet zu sein.

    jme



    © SPIEGEL ONLINE 2017
    Alle Rechte vorbehalten
    Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


    TOP
    Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
    Hinweis nicht mehr anzeigen.