Plastik fressende Raupen und Co. Entdeckt von Doktor Zufall

Eine spanische Forscherin hat eine Plastik fressende Raupenart entdeckt - per Zufall. Es ist nicht das erste Mal, dass pures Glück die Wissenschaft voranbringt. Hier sind neun bekannte Beispiele.

imago/ Jochen Tack

Forscherglück, so könnte man in einem Wort beschreiben, was zu so manch großer Entdeckung geführt hat. Doch selbst, wenn die Entdeckung am Ende gar nicht so groß war: Der Zufall hat in der Wissenschaft schon oft nachgeholfen.

Zuletzt war das bei einer Forscherin aus Spanien der Fall. Sie hatte als Hobby-Bienenzüchterin häufiger mit einer Mottenart zu tun, die sich vom Wachs der nützlichen Insekten ernährt. Als sie die kleinen Plagegeister entnervt in einer Plastiktüte entsorgen wollte, stellte sie nach einiger Zeit verwundert fest: Die Tüte hatte Löcher, die Raupen der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella) waren entkommen.

Im Labor konnte die Biologin von der Universität in Santander, die eigentlich an Hühnerembryos forscht, später nachweisen: Die Mottenart frisst den wohl am häufigsten verwendeten und biologisch kaum abbaubaren Kunststoff Polyethylen (PE). Und das in einem Tempo, mit dem die Art sogar zu einer Lösung für das Müllproblem beitragen könnte.

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Entdeckungen: Wie der Zufall die Welt verändert hat

Vor wenigen Jahren hatte es schon mal eine ähnliche Entdeckung gegeben: Ein Wissenschaftler aus China beobachtete in seinem Hausmüll, wie Dörrobstmotten (Plodia interpunctella) Löcher in das Plastik fraßen. In einer anschließenden Studie fand der Forscher heraus, dass Bakterien aus dem Darmtrakt der Tiere das PE-Plastik angegriffen hatten. Allerdings war das Fresstempo der Mikroben recht langsam. Erst nach zwei Monaten war es auf der Waage sichtbar.

Solche Zufälle gibt es in der Wissenschaft immer wieder. Sie zeigen nicht nur, dass erfolgreiche Forschung auch eine gute Portion Glück braucht. Sondern auch, dass gute Wissenschaftler in der Lage sind, das Potenzial solcher Zufälle überhaupt zu erkennen. Die bakterientötende Wirkung des Penicillium-Schimmelpilzes etwa hatten vor Alexander Fleming schon andere beobachtet.

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Raupen fressen Plastik: Der Zufallstreffer aus dem Bienenstock

Doch erst der Brite erkannte, was für eine unglaublich wichtige Entdeckung dahintersteckte: die des Antibiotikums. Zudem braucht es den Mut, mit seiner Beobachtung und der daraus abgeleiteten Hypothese auch scheitern zu können - ein gutes Argument für Grundlagenforschung aller Art, deren Zweck von Kritikern in manchen Fällen angezweifelt wird.

Viagra, Teflon oder Mikrowellen - all diese Entdeckungen wurden per Zufall gemacht. Eine kleine Auswahl der wichtigsten Glücksfälle der Wissenschaftsgeschichte finden Sie in dieser Fotostrecke.

joe



insgesamt 12 Beiträge
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sr.pablo 25.04.2017
1. !!!
Wie geil ist das denn! Die Viecher verdauen ernsthaft Plastik? Könnte ja wirklich helfen, wenn die Raupen danach nicht zu Sondermüll werden, oder durch Polyethylen verursachte Mutation nicht Riesen-Motten oder so entstehen!
permissiveactionlink 25.04.2017
2. Zufall ?
Oder doch Brillanz ? Im Jahre 1976 drückte sich der israelische Wissenschaftler Joel Margalit in der Negev-Wüste herum, und untersuchte austrocknende Tümpel. Er hätte sich dabei auf die lebenden Organismen beschränken können, sammelte bei der Gelegenheit aber auch verendete Stechmücken ein. Im Labor fand man dann den Grund für das Sterben der Plagegeister : Eine neue Unterart des Bakteriums Bacillus thuringiensis, die israelensis genannt wurde. Daher die Abkürzung Bti-Toxin, für das von dieser Bakterien-Subspecies produzierte toxische Protein, das Stechmücken der Gattungen Aedes, Culex und Anopheles schnell abtötet, anderen Insekten, vor allem aber Wirbeltieren (also auch Menschen) keinen Schaden zufügt. Resistenzen gegen Bti bilden sich kaum, da das Toxin in der Natur schnell abgebaut wird. Unnötig zu erwähnen, dass Stechmücken der genannten Arten zahlreiche für den Menschen potentiell tödliche Infektionskrankheiten übertragen. Bti tötet nicht die Erreger, sondern die Überträger (Vektoren). Danke, Herr Margalit !
fran_zi 25.04.2017
3. Fressen und Verdauen.....
......sind halt 2 Dinge..... Fische fressen auch Plastik, nur verdauen tun sie es nicht. Wie so viele andere Tiere eben auch. Also, der Umstand, das die Raupen sich den Weg in die Freiheit durch eine Plastetüte gefressen haben, ist meines Erachtens ersteinmal belanglos.
dido007 25.04.2017
4. ein Loch machen ist kein Fressen
Die Maden wollten da raus und machten ein Loch. Meine Meisen machen auch ein Loch um an die Erdnüsse zu kommen. FRESSEN tun sie dann die Erdnüsse.
wählersuchtpartei 25.04.2017
5. Die Frage ist ...
ob die Raupen sich lediglich dank ihrer kräftigen Mundwerkzeuge durch die Plastiktüte in die Freiheit gefressen haben, es waren ja nur Löcher und nicht die ganze Tüte vertilgt. Die Raupen selber werden mit der Effektivität von ein paar Löchern das Müllproblem wohl kaum lösen können. Interessanter wäre es schon, die eigentlichen Verdaungsenzyme oder Darmbakterien im großen Maßstab anzuwenden.
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