Zugvögel: Einmal Südpol und zurück mit Rückenwind

Wie kommt man bis an das Ende der Welt und wieder zurück, ohne viel Energie zu verlieren? Vögel wissen, wie das am besten geht: über Umwege. Eine neue Studie zeigt, dass die Tiere so starke Winde optimal auszunutzen.

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Effizientes Fliegen: Küstenseeschwalbe nutzt globale Winde
Unter den Langstreckenfliegern ist die Küstenseeschwalbe der Weltmeister - es gibt wohl kein anderes Tier, das größere Distanzen zurücklegt. Einem internationalen Forscherteam ist es jetzt gelungen, den Flug der Schwalbe über ein Jahr lang detailliert zu verfolgen. In der Fachzeitschrift veröffentlichen sie den beachtlichen Rekord des weniger als 125 Gramm schweren Vogels: Bis zu 80.000 Kilometer fliegt die Schwalbe im Jahr. Im Laufe ihres rund 30-jährigen Lebens legt sie damit fast 2,4 Millionen Flugkilometer zurück.

Die Berechnung von Flugstrecken ist besonders für den Naturschutz interessant. Die Wissenschaftler suchen nach sogenannten biologischen Hotspots - jenen Lebensräumen, die von vielen Zugvögeln genutzt werden und deshalb besonders schützenswert sind. Die ungefähre Flugroute der Küstenseeschwalbe kennen Biologen aus Beobachtungen auf hoher Seeschon länger. Küstenseeschwalben (Sterna paradisaea) brüten in den nördlichen Breiten wie in Grönland oder Island. Zum Überwintern ziehen sie dann sehr weit südlich bis in den Weddellmeersektor der Antarktis. Dort finden sie auch im Winter ihre bevorzugte Nahrung: kleine Fische und Krebstiere, auch Krill genannt.

Lichtsensoren messen die Position

Um die exakte Flugroute der Vögel zu berechnen, haben Carsten Egevang vom Grönländischen Institut für Naturforschung und seine Kollegen elf Vögel mit kleinen Lichtsensoren ausgestattet. Die Sensoren sind mit einer Uhr bestückt und erfassen die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Ein Jahr später sammelten die Wissenschaftler die kleinen Geräte wieder ein, um mit ihnen die Flugroute der Tiere zu rekonstruieren. Die Breitengrade ergeben sich durch die Tageslänge an einem bestimmten Datum. Aus den Zeitangaben von Sonnenauf- und -untergang können die Längengrade berechnet werden, wenn man sie zum Beispiel mit der Universalzeit UTC vergleicht.

Erstmals konnten die Wissenschaftler mit ihrer Studie zeigen, dass die Tiere - wenn sie ihre Reise im August und September aus dem Norden beginnen - nicht nonstop in den Süden fliegen. Sie machen vielmehr einen Zwischenstopp von circa drei Wochen in einer sehr fisch- und planktonreichen Region im Nordatlantik auf der Höhe Neufundlands. Dort finden sie genügend Nahrung, um sich für den Rest ihres Fluges zu stärken.

Der Wind bestimmt die Flugroute

Die zweite Überraschung der Studie: Die Vögel nehmen nicht den kürzesten Weg, sondern nutzen die globalen Windströmungen auf langen Umwegen aus. Von ihrem Zwischenstopp im Nordatlantik ziehen die Schwalben entlang der Küsten Westeuropas und Westafrikas in Richtung Süden. An den Kapverden trennen sich die Wege einiger Vögel. Rund die Hälfte der Küstenseeschwalben fliegt weiterhin entlang der westafrikanischen Küste. Die anderen aber überqueren den Atlantik und fliegt entlang der Küste Brasiliens in den Süden. Die Forscher vermuten, dass sich die Vögel sich je nach Windstrom für eine der beiden Routen entscheiden.

Auf ihrer Rückflugroute sind sich die Schwalben dann aber einig. Nachdem sie vier bis fünf Monate im Süden verbracht haben, ziehen sie auf einer S-förmigen Route quer über den Atlantik zurück in den Norden. Diese Route war bisher völlig unbekannt. Die Vögel nehmen damit einen Umweg von Tausenden Kilometern in Kauf. Warum sich dies lohnt, wurde den Forschern bewusst, als sie die Flugroute mit den Windströmungen über dem Atlantik verglichen haben. Die Lösung ist einfach: Die Schwalben fliegen immer möglichst mit dem Wind. In nur 40 Tagen erreichen sie so wieder den hohen Norden. Rund 520 Kilometer können die energieeffizienten Flieger an einem einzigen Tag zurücklegen.

som

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