Zusammenstoß in der Antarktis Grollen von Eisberg-Crash aufgezeichnet

Kollision in der Nähe einer deutschen Forschungsstation: Ein gigantischer Eisberg ist gegen die Schelfeis-Kante der Antarktis geknallt und zerstörte eine Trasse für Fahrzeuge. Das Geräusch des Aufpralls kann sich jeder anhören.

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Eisberg B-15-K vor der antarktischen Küste: Sein Aufprall ließ das Schelfeis brechen
Hinnerk Heuck / AWI

Eisberg B-15-K vor der antarktischen Küste: Sein Aufprall ließ das Schelfeis brechen


Ein mächtiger Eisberg hat die Küste der Antarktis gerammt. Der Aufprall habe ein schwaches Erdbeben ausgelöst und das Schelfeis bersten lassen, berichten Forscher der deutschen Forschungsstation "Neumayer III", die zehn Kilometer von der Kollisionsstelle entfernt liegt. Forscher haben den Moment der Kollision mit einem Unterwassermikrophon aufgezeichnet; es hängt einen Kilometer entfernt vom Ort des Zusammenstoßes unter dem Schelfeis im Wasser. Zum Anhören starten Sie die folgende Aufnahme.

Die Erschütterung mit der Energie von etwa acht Tonnen Sprengstoff habe das Schelfeis tief gespalten; ein zwei Kilometer langer Riss durchzöge nun das Eis nahe der Station, berichten die Wissenschaftler vom Alfred-Wegener-Institut (AWI). Eine Trasse für Forschungsfahrzeuge müsse nun umgeleitet werden. Vom Schelfeis sei ein 300 Meter langer und 700 Meter breiter Brocken abgebrochen. Der Zusammenstoß ereignete sich bereits am 11. Februar.

Die Forscher vor Ort hatten den Crash zunächst nicht bemerkt. Nur der Biophysiker Lars Kindermann vom AWI in Bremerhaven bemerkte, das etwas nicht stimmte. In sein Büro werden laufend die Unterwassergeräusche aus dem Südpolarmeer übertragen. Normalerweise hört Kindermann Wal- oder Robbengeräusche. "Am 11. Februar jedoch hörte ich auf einmal ein lautes Grollen", berichtet er SPIEGEL ONLINE.

Wissenschaftler haben den Weg des Eisbergs seit Monaten verfolgt. Wie ein gigantischer Flugzeugträger driftete der rund 400 Millionen Tonnen schwere Trumm mit der Größe von Bielefeld Tausende von Kilometern die Küste der Antarktis entlang. Mit bis zu 15 Kilometern am Tag habe sich der Eisberg schließlich der Küste genähert.

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Antarktis: Eisberg rammt Küste
Der Eisberg mit der Bezeichnung B-15-K ist ein Trümmer des vor zehn Jahren vom Ross-Schelfeis abgebrochenen Eisbergs B-15, einem der mächtigsten je gesichteten Eisklumpen. Vom Ross-Schelfeis - einem im Meer schwimmendem Gletscher - brechen regelmäßig Stücke ab. Seine Bruchstücke zirkulieren in der Meeresströmung der Antarktis. Erst im Januar war B-15-F in der Nähe der "Neumayer III"-Station vorbeigetrieben.

Forscher versuchen seit langem, die Drift von Eisbergen vorherzusagen. Schließlich stellen die riesigen Brocken eine Gefahr für die Schifffahrt dar. Die Messungen sind jedoch ernüchternd: Eisberge nähmen meist unvorhersehbare Wege, berichtet Hartmut Hellmer vom AWI.

Hellmer und seine Kollegen haben GPS-Sensoren auf Dutzenden Eisbergen nahe der Antarktis installiert. Mit Hubschraubern waren sie auf den Schollen gelandet und hatten Löcher ins Eis gebohrt, in denen sie GPS-Sender versenkten. Per Satellit können die AWI-Forscher die Drift der Eisklumpen seither verfolgen.

Überraschendes Ergebnis: Viele Eisberge folgen nicht wie lange vermutet der vorherrschenden Ost-West-Strömung um die Antarktis - manche scheren aus. Da Eisberge tief ins Meer ragen, hatte man angenommen, dass Meeresströme sie steuerten. Womöglich aber, meinen die Wissenschaftler, lenkten starke Winde vor der antarktischen Küste einige Eisberge ab.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Zero Thrust 22.02.2010
1. Yuuuhuuuu!
Ist ja genial ! ! Bin über den (sehr interessanten) Artikel eben auf die Website des Alfred-Wegener-Instituts gelangt, nachdem ich auf den Hyperlink klickte, an der Stelle, wo es darum geht, dass dieser Biophysiker (Lars Kindermann) eine Direktübertragung der Unterwasserakustik unterhalb der Station direkt in sein Büro geschaltet hat. Hat mich tierisch neidisch gemacht. Und was finde ich jetzt auf der AWI-Site? Einen Livestream!! Von exakt dieser Übertragung!!! Und, er funktioniert sogar!!!! *jubel* Das ist jetzt etwas, wonach ich schon seit Jaaahren verzweifelt suche, im Internet: einen (verfügbaren) Audio-Livestream aus dem Ozean! Und man kann ernsthaft Tiere hören!!! Wahnsinn.. ich liebe das Alfred-Wegener-Institut, ich liebe es, alle sollen's wissen. Danke, für diesen Segen von einem Service. http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/hintergrund/palaoa_wie_klingt_das_suedpolarmeer/livestream/
newright 23.02.2010
2. Nur ne Frauenstimme
Zitat von Zero ThrustIst ja genial ! ! Bin über den (sehr interessanten) Artikel eben auf die Website des Alfred-Wegener-Instituts gelangt, nachdem ich auf den Hyperlink klickte, an der Stelle, wo es darum geht, dass dieser Biophysiker (Lars Kindermann) eine Direktübertragung der Unterwasserakustik unterhalb der Station direkt in sein Büro geschaltet hat. Hat mich tierisch neidisch gemacht. Und was finde ich jetzt auf der AWI-Site? Einen Livestream!! Von exakt dieser Übertragung!!! Und, er funktioniert sogar!!!! *jubel* Das ist jetzt etwas, wonach ich schon seit Jaaahren verzweifelt suche, im Internet: einen (verfügbaren) Audio-Livestream aus dem Ozean! Und man kann ernsthaft Tiere hören!!! Wahnsinn.. ich liebe das Alfred-Wegener-Institut, ich liebe es, alle sollen's wissen. Danke, für diesen Segen von einem Service. http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/hintergrund/palaoa_wie_klingt_das_suedpolarmeer/livestream/
Mit mir spricht da nur ne Frauenstimme und meldet mir keine Lust etwas zu sagen. Oder auf neudeutsch currently offline
zunaguli 23.02.2010
3. geheimnisvolles geräusch
was ist das denn wenns kein schiff war?? http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/hintergrund/palaoa_wie_klingt_das_suedpolarmeer/eisklaenge/ ganz unten
own_brain_user 23.02.2010
4. Wurde erst kürzlich Redacktör, aber Sensation kann ich schon.
Röche die Fehlerstreuung nicht so sehr danach, dass die SPON-Redakteure noch nie ein SPIEGEL-Heft aus den seligen ersten vier SPIEGEL-Jahrzehnten in Händen hatten, bei denen man noch klammheimliche Freude verspüren konnte, wenn man den SPIEGEL, inzwischen 63, nicht nur bei einem der seltenen Tippfehler, sondern sogar bei einem Grammatikfehler erwischt hatte (was bei dem spitzen Schreibstil nicht vorkommen durfte), würde ich doch glatt behaupten, SPON munitioniere Bastian Sick absichtlich selbst mit Trümmern für seine Schadenfreude-Kolumne. Aber solch feiner Dosierung lässt das Egal-wie-Geschreibsel keinen Raum. Es heißt nicht "der Trumm" und schon gar nicht "ein Trümmer". Unglaublich. Es wäre ja noch erträglich, hätte die Entwicklung seit Aust nur die Sprachqualität in Trümmer gelegt. Ach ja, was mir in dem Artikel fehlt: der im Wissenschafts- und Technikressort inzwischen fast unvermeidliche Hinweis, was (in der Regel nicht näher bezeichnete) Forscher sich von dem Entdeckten für die Zukunft erwarten.
horch 23.02.2010
5. Verschwörer !!!
Das schlimmste ist noch gar keinem aufgefallen: Da schreibt Herr Bojanowski in seinem Beitrag, der Eisberg sei von "der Größe von Bielefeld", dabei weiß doch nun inzwischen jeder, dass so etwas wie ein "Bielefeld" in Wahrheit überhaupt nicht existiert! Pffff, so ein billiger Versuch....
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