Zwei Kilometer unter der Erde: Tiefste unterirdische Insekten gefunden

Sie sind winzig, augenlos und bleich: In einer Kalksteinhöhle unweit des Schwarzen Meeres haben Forscher sogenannte Springschwänze entdeckt, die tiefer unter der Erdoberfläche leben als jedes andere bekannte Insekt. Auch woanders scheut das Leben die extreme Tiefe nicht.

Springschwanz unter dem Mikroskop: Leben tief im Kalkstein Zur Großansicht
DPA / Enrico Baquero

Springschwanz unter dem Mikroskop: Leben tief im Kalkstein

Leiden - Die Krubera-Woronja-Höhle liegt in geopolitisch höchst sensiblem Gebiet. Die Kalksteinhöhle befindet sich in der Republik Abchasien. Die georgische Regierung geht davon aus, dass das Areal zu ihrem Staatsgebiet gehört - hat aber de facto seit Anfang der neunziger Jahre keine Kontrolle über die Region. Russische Truppen sichern die selbsterklärte Unabhängigkeit Abchasiens. Und für die Uno ist das Gebiet eine "autonome Republik" im Staat Georgien, auch wenn einige Staaten - allen voran Russland - auch offiziell die Unabhängigkeit anerkannt haben.

Die Krubera-Woronja-Höhle befindet sich im Nordwesten Abchasiens im Kaukasus, unweit des Schwarzen Meeres. Mit einer Tiefe von mindestens 2191 Metern gilt sie als tiefste natürliche Höhle der Welt. Forscher gehen außerdem davon aus, dass sie noch um einiges tiefer ist als bisher bekannt - Jahr für Jahr tasten sie sich weiter ins Innere des Kalksteinmassivs vor.

Tief im Fels haben Wissenschaftler bereits im Sommer 2010 auch die bislang am tiefsten lebenden Insekten der Welt gefunden. Rafael Jordana und Enrique Baquero von der Universität von Navarra im spanischen Pamplona präsentieren die Tiere aber erst jetzt im Fachjournal "Terrestrial Arthropod Reviews". Ein russisch-spanisches Team hatte kleine, bleiche Springschwänze identifizieren können - und zwar gleich vier neue Arten.

Daheim in fast zwei Kilometern Tiefe

Die Springschwänze zeigen besondere Anpassungen an die dunkle, nährstoffarme Tiefe: So sind sie augenlos und haben einen extrem gut entwickelten chemischen Sinn. Eine der neuen Arten mit dem wissenschaftlichen Namen Plutomurus ortobalaganensis fand sich in einer Tiefe von 1980 Metern. Damit ist das Tier das am tiefsten lebende Insekt das bisher bekannt wurde.

Forscher sind immer wieder fasziniert, unter welch extremen Bedingungen auf der Erde das Leben gedeiht. In der Tiefsee finden sich ständig neue Arten, die kilometerweit unter der Wasseroberfläche ihr Zuhause haben. Und Würmer und Bakterien fühlen sich tief im Inneren der Erde wohl: In den vergangenen Jahren fanden Forscher im Bohrwasser aus südafrikanischen Goldminen bereits Bakterien und winzige Fadenwürmer in mehr als drei Kilometern Tiefe. Sie tummelten sich in jahrtausendealtem eingeschlossenem Wasser.

Das Alter des Wassers geben die Wissenschaftler mit 3000 bis 12.000 Jahren an. Die Fadenwürmer vermehren sich asexuell, können hohe Temperaturen um fast 50 Grad Celsius tolerieren und ernähren sich von Bakterien. Aber auch die extreme Kälte könnte interessanten Lebensformen eine Heimat bieten. Russische Forscher haben gerade einen See unter der Antarktis angebohrt und hoffen dort auf einfache, widerstandsfähige Lebensformen.

chs/dpa

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