Von Markus Becker
Die Zwischenfälle im Kernkraftwerk Krümmel und ein teils ungeschicktes Krisenmanagement haben dem Energiekonzern Vattenfall in den vergangenen Monaten scharfe Kritik eingebracht. Jetzt hat die Bundestagsfraktion von Bündnis 90 und den Grünen ein neues Gutachten über die Versäumnisse im AKW Krümmel in Auftrag gegeben. Die Untersuchung, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, lässt kaum ein gutes Haar an Vattenfall.
Vattenfall setze in Krümmel Wirtschaftlichkeit vor Sicherheit, lautet einer der zentralen Vorwürfe der Hannoveraner Atomexpertin und Physikerin Oda Becker, die das Gutachten angefertigt hat. Das sei schon daran erkennbar, dass es im AKW Krümmel bis zum 31. März zu 314 meldepflichtigen Ereignissen gekommen sei. Damit gehöre der Reaktor zu den störanfälligsten Deutschlands.
Zudem habe Vattenfall gegen diverse Auflagen der Atomaufsicht verstoßen, heißt es in dem Gutachten. So gebe es noch immer keine Audio-Aufzeichnung in der Leitwarte - obwohl dies nach dem Brand und der Abschaltung des AKW Krümmel im Juni 2007 vorgesehen gewesen sei. Auch die Schulung und Qualifizierung des Personals werde weiter vernachlässigt.
Bis heute habe Vattenfall aus dem Unfall von 2007 nichts gelernt, heißt es in dem Gutachten. Das zeige sich etwa daran, dass es zwischen dem Wiederanfahren des Reaktors am 19. Juni 2009 und der erneuten Schnellabschaltung am 4. Juli zu einer ganzen Serie von Pannen gekommen sei:
Zudem wurde erst vergangene Woche bekannt, dass die schleswig-holsteinische Atomaufsicht das Wiederanfahren des Reaktors am 19. Juni genehmigt hatte, obwohl ihr Sicherheitsprobleme bekannt waren.
Beckers Fazit fällt vernichtend aus: "Vattenfall vernachlässigt insgesamt den Bereich der Schadensvorsorge erheblich", so die Physikerin. Das Alterungsmanagement in Krümmel sei unzureichend, die Ursachen der "überproportional häufig auftretenden meldepflichtigen Ereignisse" blieben ungeklärt, Sicherheitsprüfungen erfolgen erst nach Aufforderung durch die Atomaufsicht. Krümmel sei insgesamt "in einem sicherheitstechnisch bedenklichen Zustand", so die Physikerin. "Vattenfall nimmt das Risiko, dass dadurch von seiner Anlage ausgeht, in Kauf."
Zweifel an Zuverlässigkeit und Fachkunde Vattenfalls
Das AKW Krümmel könne "wenn überhaupt nur mit einem extrem hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand wieder auf ein vertretbares Sicherheitsniveau gebracht werden". Doch die entsprechende Bereitschaft sei bei Vattenfall nicht erkennbar. Das zeige sich insbesondere daran, dass der Energiekonzern die gleichen Fehler immer wieder begehe. Das ist nach Beckers Meinung der Hauptgrund für "Zweifel an der erforderlichen Zuverlässigkeit und Fachkunde" Vattenfalls für den Betrieb einer Atomanlage.
In Zukunft sei deshalb mit weiteren, möglicherweise noch schlimmeren Unfällen zu rechnen. "Es besteht in Krümmel, verursacht durch die mangelhafte Sicherheitskultur des Betreibers, die erhöhte Gefahr, dass eine Kombination aus Bedienungsfehlern und technischen Fehlern zu einem schweren Unfall führt", schreibt Becker. "Zum Schutze der Bevölkerung ist daher von einer erneuten Inbetriebnahme abzuraten."
Bei Vattenfall Europe hält man die Vorwürfe für "haltlos", die Sicherheit der Kraftwerke habe für den Konzern die "oberste Priorität". Krümmel sei nach dem rund zweijährigen Stillstand "nach sorgfältiger Prüfung, auch durch die atomrechtliche Aufsichtsbehörde und deren Gutachter und Sachverständige, wieder in Betrieb gegangen", sagte Vattenfall-Sprecher Ivo Banek auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Bei der Schnellabschaltung am 4. Juli nach dem Kurzschluss in einem Maschinentransformator hätten alle Sicherheitssystem "wie vorgesehen funktioniert". Allerdings räumte Banek ein: Dabei habe es "Fehler und Versäumnisse gegeben, aus denen bereits Konsequenzen gezogen worden sind".
Grüne fordern Entzug der Betriebserlaubnis
Die Grünen üben erneut scharfe Kritik an Vattenfall: Anstatt angesichts der bisherigen Vorfälle in Krümmel besondere Vorsicht walten zu lassen, treibe der Konzern den Reaktor bis an die Leistungsgrenze, "um den Profit zu maximieren". "Vattenfall muss die Erlaubnis für den Betrieb von AKWs entzogen werden", meint Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. "Das Unternehmen hat aus dem Trafobrand in Krümmel 2007 überhaupt nichts gelernt, die Sicherheitskultur ist immer noch katastrophal." Es sei zudem "unverantwortlich", dass CDU und FDP alte und unsichere Meiler länger laufen lassen wollten. "Schwarz-Gelb will radioaktive Gelddruckmaschinen sichern", so Künast.
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Ich habe nirgends ausgeschlossen, dass es auch noch andere Bereiche gibt, die diesen fixen Begriff verwenden. Ihre billigen Rechtfertigungsversuche wirken in meinen Augen allerdings recht erheiternd... vor allem dass [...] mehr...
http://www.n-tv.de/panorama/93-000-statt-4-000-Tote-article179005.html Wem glaubt man? Die Zahl von 47 ist natürlich Unfug, bezieht sie sich doch nur auf die faktisch sofort Verstorbenen. mehr...
Was konkret bezeichnen Sie als Unsinn? Seltsame Message. Verstehe ich nicht. mehr...
Unsinn. Fertigung, Betrieb und Entsorgung sind sehr viel berechenbarer als der Betrieb von Kernkraftwerken. Von Photovoltaikanlagen ganz zu schweigen. Sie betreiben gefährlich unsinnig-dumme Verharmlosung und Desinformation, [...] mehr...
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