ThemaLithium-Ionen-AkkuRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Rares Element Lithium-Mangel bedroht die Auto-Revolution

Salzseen in Südamerika: Fundort des seltenen Lithiums
Fotos
Julia Schmitt

2. Teil: Engpass in der Atacama-Wüste

Alle Hoffnung ruht deswegen auf den Salzseen in Südamerika. Doch günstig ist dank eines idealen Wechselspiels von Höhe, Sonneneinstrahlung und Winden derzeit nur die Lithium-Gewinnung im Salar de Atacama Chiles. Nirgendwo auf der Welt ist die Salzlake ähnlich stark mit Lithium gesättigt, und in keinem Salzsee, aus dem man sie herauspumpt, verdampft sie so leicht. Dafür sorgen das grelle Licht der Andensonne, trockene Luft und die vergleichsweise niedrige Höhenlage des Salzsees mit 2300 Metern.

Im Salar de Atacama hat die chilenische Bergwerksgesellschaft Sociedad Química y Minera Becken angelegt, in denen die Lauge allmählich verdampft. Nacheinander setzen sich dabei die einzelnen Salze ab. Übrig bleibt eine olivgrüne Lösung, in der sich das Lithium befindet. Die Flüssigkeit wird per Tankwagen nach Antofagasta am Pazifik gekarrt, in einer Fabrik mit Soda vermengt und dabei in Pulver verwandelt: in schneeweißes Lithiumsalz, auch Lithiumkarbonat genannt, der Grundstoff für die späteren Akku-Elemente.

Doch schon in der Atacama-Wüste droht ein Engpass, haben die französischen Lithium-Analytiker beobachtet. Aus dem Inhalt der Lake-Becken werden gegenwärtig 45.000 Tonnen Lithiumsalz jährlich destilliert - das ist knapp die Hälfte der Weltproduktion.

Vom Südrand des Salzsees aber, wo sich das Lithium am stärksten konzentriert, ist bereits ein Fünftel der besten Vorräte gefördert worden. Deshalb müssten neue Bohrstellen, Pumpen und Pipelines in anderen Gebieten des Salar de Atacama eingerichtet werden, und selbst dann sei von dem chilenischen Lithium-Gesamtvorrat nur eine Million Tonnen verwendbar, konstatieren die Experten. Der Preis dafür aber wäre hoch und bringe "die massive Zerstörung des Salzsees" mit sich, heißt es pessimistisch in dem französischen Report.

Im ebenso fragilen wie dramatisch schönen Salzsee Salar de Uyuni hat die Förderung von Lithium noch gar nicht begonnen. Boliviens staatliche Bergbaugesellschaft Comibol hat erst die Gebäude einer Pilotfabrik nahe des Dorfs Río Grande hochgezogen. Und Marcelo Castro, der die Anlage leiten soll, erläutert die Schwierigkeiten: "Die Probleme, mit denen wir zu tun haben, sind den Bolivianern wohlbekannt. Es gibt kein sauberes Wasser, keinen Strom, kein Internet und nicht einmal ein Telefon, ja nicht mal einen Fernschreiber. Und die Straßen sind ein Desaster."

Skurril anmutende Problemlösung aus Deutschland

Nach einer Zeitenwende jedenfalls sieht es im Altiplano, dem Hochland Boliviens, nicht aus, obwohl kein Geringerer als Staatschef Evo Morales im März vorigen Jahres den Bau der Versuchsanlage angeordnet hat. Wenig später erschien er zur Grundsteinlegung, und auch ein Generaldirektorat für Eindampfungsressourcen hat er mittlerweile installiert.

Vor Ort aber haben Arbeiter erst einige Gebäude errichtet und ein Versuchsbecken angelegt. Und leicht wird es nicht sein, darin den gesuchten Grundstoff abzuscheiden. Denn die Lake im Salar de Uyuni enthält einen hohen Anteil von Magnesiumsalzen, die das Lithium verunreinigen könnten. Zum späteren Verarbeiten in Akkus ist aber ein Reinheitsgrad von 99,95 Prozent notwendig.

Für die industrielle Erzeugung von Lithiumsalz braucht es zudem kilometerlange Becken, und als Nachteil kommen auf dem Altiplano Sommerregen hinzu, die in die Becken hineinregnen und die Lake verdünnen würden. In der extrem trockenen Atacama-Wüste, die im Regenschatten der Anden liegt, stellt sich dieses Problem nicht.

Boliviens Schwierigkeiten mit dem Lithium könnte aber ein Team deutscher Experten begegnen - mit einer fast skurril anmutenden Art der Problemlösung. Die Deutschen wollen die Lake nicht etwa in Becken eindampfen, sondern auf Kegeln, die aussehen wie die Salzberge der Salzbauern im Salar de Uyuni. Auf die Idee ist Wolfgang Voigt von der Technischen Universität Freiberg bei Dresden gekommen, wo man seit DDR-Zeiten engen Kontakt zur Hochschule von Potosí hält, der Silberhauptstadt von Bolivien. Potosí liegt sechs holprige Fahrstunden vom Salar de Uyuni entfernt.

Die Kegel der Forscher aus Sachsen bestehen aus einem Gerüst, auf das Kunststoffplanen mit einer aufgerauten Oberfläche gespannt werden. Dann sollen die Kegel mit Salzlake übergossen werden, wobei sich auch hier das Steinsalz, das Kalisalz und das Magnesiumsalz ablagern. Die übriggebliebene Lauge mit dem Lithium würde anschließend, wie in Antofagasta, in Lithiumsalz umgewandelt.

Der Freiberger Kegel

Wolfgang Voigt denkt daran, einen ganzen Lake-Kreislauf einzurichten - mit Farmen von Kegeln, die sich beliebig vergrößern ließen und mit der Lithium-Nachfrage wachsen könnten. Die Forscher aus Freiberg haben all das mit Testkegeln in Bolivien bereits erprobt. Sie haben die Gerüste auch mit Jutesäcken und selbst Lamafellen bespannt, die eine besonders raue Oberfläche zum Einfangen der Salze besitzen. Die Energie zu alldem sollen Solarspiegel liefern.

Die Kegelmethode hat aber noch einen weiteren Vorteil. "Durch die Bewegung der Lake im Freien und im vollen Licht der Sonne kann sie auch schneller verdampfen," erläutert der Lithium-Jäger Voigt. "In großen Becken würde das ein halbes Jahr dauern."

Voigt hat die Idee mit den Kegeln auch in La Paz im Hauptquartier von Comibol vorgetragen, wo man sie "wohlwollend zur Kenntnis nahm", berichtet er.

Die Regierung von Evo Morales hält sich bedeckt, wenn es um den Lithiumschatz im Hochland geht. Der Präsident will ausländischen Konzernen keine exklusiven Förderrechte einräumen, wohl aber die indianische Bevölkerung beteiligen, wie es in der neuen Verfassung vorgeschrieben ist. Bei der nächsten Präsidentenwahl Anfang Dezember tritt Morales wieder an, und im Wahlkampf wird das Lithium ein großes Thema sein.

Doch die Zeit drängt, weil das Lithium mehr denn je gebraucht wird in der Welt. Ausgerechnet die Kegel aus Freiberg könnten die Lithium-Lücke womöglich schließen. "Wir sind überzeugt", sagt Wolfgang Voigt, "dass wir uns durchsetzen werden."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 141 Beiträge
trunkenpolz 18.09.2009
... die Autoindustrie welche die "Elektrorevolution" propagiert, es sind von Fachkenntnissen unbelastete Politiker, und eine Energiewirtschaft die einen neuen, monopolistischen Absatzmarkt schaffen will. Durch die [...]
... die Autoindustrie welche die "Elektrorevolution" propagiert, es sind von Fachkenntnissen unbelastete Politiker, und eine Energiewirtschaft die einen neuen, monopolistischen Absatzmarkt schaffen will. Durch die einseitige Festlegung der Politik auf eine schon jetzt absehbar an Kapazitätsprobleme stoßende Technik rücken deutlich erfolgversprechende Projekte in den Hintergrund. Leider wird es zu lange dauern bis jemand endlich sagt "aber der Kaiser ist ja nackt..."
gsm900 18.09.2009
wie manche Journalisten locker flockig schreiben. Setzen, sechs.
Zitat von sysopAutobauer beschwören den Elektroantrieb als Technik der Zukunft. Doch ebenso wie Regierungen und Rohstoffkonzerne übersehen die Hersteller ein Problem: Es gibt auf der Erde zu wenig Lithium, um die geplanten Flotten von Hybrid- und Elektroautos anzutreiben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,649579,00.html
wie manche Journalisten locker flockig schreiben. Setzen, sechs.
specchio 18.09.2009
Ach was, wenn es nach diesen Miesepetern ginge, wäre auch das Benzin schon längst alle. Wenn erst mal so richtig Elektroautos gebaut werden, wird's schon klappen, basta. Wir haben Physiker in den höchsten Regierungskreisen und die [...]
Ach was, wenn es nach diesen Miesepetern ginge, wäre auch das Benzin schon längst alle. Wenn erst mal so richtig Elektroautos gebaut werden, wird's schon klappen, basta. Wir haben Physiker in den höchsten Regierungskreisen und die kennen sich mit sowas. Ich meine das natürlich nicht ernst und ich fühle mich verarscht von diesem Elektroautogefasel.
Galaxia 18.09.2009
*500,000 Electric Cars Would Take 10% of World Lithium. Only.* ---Zitat--- GLG crunched the numbers following Nissan's announcement that the 24kWh battery pack in its coming zero-emission, all-electric LEAF – unveiled on [...]
Zitat von sysopAutobauer beschwören den Elektroantrieb als Technik der Zukunft. Doch ebenso wie Regierungen und Rohstoffkonzerne übersehen die Hersteller ein Problem: Es gibt auf der Erde zu wenig Lithium, um die geplanten Flotten von Hybrid- und Elektroautos anzutreiben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,649579,00.html
*500,000 Electric Cars Would Take 10% of World Lithium. Only.* ---Zitat--- GLG crunched the numbers following Nissan's announcement that the 24kWh battery pack in its coming zero-emission, all-electric LEAF – unveiled on August 2 – would contain 4 kilograms of lithium. Prior to the announcement, the automaker (along with just about every other electric-auto outfit) had been hush-hush on the projected lithium footprint of its coming electric fleet. The silence led some analysts to question whether there would be enough of the vital battery material to support a near-term electric car boom. Nissan's disclosure finally provides a window into what carmakers are actually planning. According to GLG, if the average electric vehicle has a similar 24kWh battery – and if car demand gets to a half a million – then lithium demand would reach around 2,000 metric tons. Current production is at 20,000 metric tons per year. ---Zitatende--- http://solveclimate.com/blog/20090902/500-000-electric-cars-would-take-10-world-lithium-only Also angeblich soll es locker reichen ...
Hermes75 18.09.2009
Der Artikel geht von der vereinfachenden Annahme aus,dass Elektro-Autos ausschließlich auf Basis der Li-Ionen Akku Technologie betrieben werden könnten. Strom kann jedoch mit ganz unterschiedlichen Technologien gespeichert [...]
Zitat von sysopAutobauer beschwören den Elektroantrieb als Technik der Zukunft. Doch ebenso wie Regierungen und Rohstoffkonzerne übersehen die Hersteller ein Problem: Es gibt auf der Erde zu wenig Lithium, um die geplanten Flotten von Hybrid- und Elektroautos anzutreiben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,649579,00.html
Der Artikel geht von der vereinfachenden Annahme aus,dass Elektro-Autos ausschließlich auf Basis der Li-Ionen Akku Technologie betrieben werden könnten. Strom kann jedoch mit ganz unterschiedlichen Technologien gespeichert werden, die keineswegs alle Lithium brauchen. Die Erdölvorräte werden gewiss auch nicht länger halten, nur weil der Autor feststellt, dass Lithium knapp ist. Elektroantriebe sind eine mögliche Alternative zum Verbrennungsmotor. Wenn Li-Ionen-Akkus nicht in hinreichender Menge gebaut werden können, wird man andere Lösungen finden (müssen), denn eines ist ganz sicher: Das Ende des Öls wird kommen. Und während Öl durch seine Nutzung unwiederbringlich verbraucht wird, kann Lithium aus alten Akkus zurückgewonnen werden. Wenn Lithium aber wirklich so knapp ist, wie der Artikel behauptet, dann müsste man sich aber ohnehin viel mehr Sorgen um die Entwicklung der Fusionstechnologie machen. Diese benötigt nämlich auch Lithium und dort lässt es sich nicht so einfach substituieren wie bei Akkus.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Technik
alles zum Thema Lithium-Ionen-Akku

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP