• Drucken
  • Senden
  • Feedback
23.10.2009
 

Wrack in der Ostsee

Expedition entdeckt U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg

Foto: Deep Sea Production

Vor fast hundert Jahren schickte Winston Churchill die "HMS E18" in den Ersten Weltkrieg - die 31 Seeleute an Bord kehrten nie zurück, das U-Boot blieb verschollen. Jetzt haben ein Suchschiff und ein Tauchroboter das Wrack auf dem Grund der Ostsee geortet. Es ist erstaunlich gut erhalten.

Es waren die Kindertage der Unterwasser-Kriegführung: Im Ersten Weltkrieg schickte Großbritannien einige U-Boote in die Ostsee, um die Eisenlieferungen von Schweden nach Deutschland zu stören und die russische Marine zu unterstützen. Winston Churchill, der später im Zweiten Weltkrieg als britischer Premierminister und Hauptgegner Adolf Hitlers berühmt werden sollte, zeichnete für den Einsatz verantwortlich - er war 1916 der Erste Lord der britischen Admiralität und damit Marineminister der Regierung.

Unter den britischen Booten befand sich auch die "E18", deren Wrack jetzt - fast ein Jahrhundert nach ihrem Untergang - entdeckt wurde, wie die BBC auf ihrer Website berichtet. Das U-Boot brach demnach am 25. Mai 1916 vom Hafen Reval - heute die estnische Hauptstadt Tallinn - zu seiner letzten Fahrt auf. Am folgenden Tag torpedierte "E18" den deutschen Zerstörer "V 100" und beschädigte ihn schwer, ohne ihn jedoch zu versenken.


Kurz darauf ereilte das U-Boot sein eigenes Schicksal: Vermutlich lief es am 2. Juni auf eine Mine und sank. Andere Berichte besagen, dass "E18" von einem als Handelsschiff getarnten deutschen Kriegsschiff versenkt wurde. Sicher ist nur: Weder das U-Boot noch eines seiner 31 Besatzungsmitglieder kehrten von dem Einsatz zurück; die genaue Lage des Wracks blieb unbekannt. Russlands Zar Nikolaus II. verlieh der Mannschaft postum Orden.

Jetzt hat die schwedische Meereserkundungsfirma MMT das Wrack von "E18" nahe der estnischen Insel Hiiumaa gefunden. Die entscheidende Hinweise kamen nach Angaben der BBC von einem Nachkommen eines Besatzungsmitglieds von "E18". Albert Robinson hatte wegen einer Blinddarmentzündung nicht an der letzten Fahrt des U-Boots teilgenommen - und deshalb überlebt. Sein Urgroßenkel Darren Brown, ein Luftfahrtingenieur aus dem australischen Melbourne, habe jahrelange Recherchen über den Verbleib von "E18" angestellt.

Das Forschungsschiff "MV Triad" hat das Wrack des U-Boots mit Hilfe von Sonarbildern und eines Tauchroboters aufgespürt. "Es handelt sich ohne jeden Zweifel um ein U-Boot der E-Klasse", sagte der Experte David Hill der BBC. "Und gewisse Details deuten darauf hin, dass es sich wahrscheinlich um 'E18' handelt."

Dank des kalten, sauerstoffarmen Wassers der Ostsee und geringen Strömungen an der Fundstelle sei das U-Boot in außergewöhnlich gutem Zustand. "E18" war knapp 55 Meter lang, verfügte über fünf Torpedorohre und schaffte eine Höchstgeschwindigkeit von 15 Knoten über und zehn Knoten unter Wasser. Warum genau das U-Boot sank, ist weiterhin offen. MMT-Inhaber Carl Douglas kündigte an, durch weitere Untersuchungen die Umstände des Endes von "E18" herauszufinden.

In diesem Jahr sind bereits zwei U-Boote aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gefunden worden: Im Juni haben Taucher vor der Küste Montenegros das Wrack des deutschen "U-72" gefunden. Nur wenige Wochen zuvor waren finnische Taucher in der Ostsee auf das 1940 gesunkene sowjetische "S-2" gestoßen.

mbe

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 10 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
24.10.2009 von azapf1972: Soldatengräber & Plünderungen

In der Sache Richtig, im Kontext unakzeptabel: Wäre diese Aussage auf einen Artikel zum Thema Umweltverseuchung durch Altmunition / Gefahrgut erfolgt, würde ich dem zustimmen. Hier bezieht sie sich aber auf die Totenruhe und der [...] mehr...

24.10.2009 von Lethal Weapon: Rest in peace under the surface of the mysterios sea

Dann müsste man Ihrer Meinung nach auch die Titanic heben. Körperreste von Verblichenen in den Booten und Schiffen findet man nach fast hundert Jahren und sowie nach etwa 70 Jahren (Ende 2WK) nicht mehr. Zudem scheinen sie zu [...] mehr...

24.10.2009 von 3-plus-1: Bergungsverbot ist absurd

Ich verstehe diese Einstellung absolut nicht. Wo der Mensch Müll hinterlässt sollte er ihn nach Möglichkeit auch wieder beseitigen. Man stelle sich mal eine ähnlich empörte Meinung vor, wenn sie auf den Straßenverkehr gemünzt [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Technik
alles zum Thema Unterwasserarchäologie

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP