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06.01.2010
 

Walschützer Paul Watson

007 der Meere

Von Christoph Seidler

Sea Shepherd gegen Walfänger: Walkrieg in der Antarktis
Fotos
AP

Er gehörte zu den Greenpeace-Mitgliedern der ersten Stunde - und fand die Organisation schon bald nicht mehr radikal genug: Der Kanadier Paul Watson kämpft militant für den Schutz der Wale. Nun gab es einen dramatischen Zwischenfall in der Antarktis, sein Hightech-Boot "Ady Gil" wurde gerammt.

Irgendwann sind ihm seine einstigen Kollegen zu lasch geworden. Seit 1977 arbeitet Paul Watson, 59, Greenpeace-Mitglied der frühen Stunde mit Karteinummer 007, auf eigene Faust. "Ich bin nicht da, um zuzuschauen, wie sie Wale töten. Ich bin da, um sie zu stoppen", lautet das Credo des wuchtigen, weißhaarigen Kanadiers. Seine Umweltschutzorganisation Sea Shepherd ist für ihre rüden Methoden bekannt - allerdings bestreitet Watson, dass bei den Einsätzen seiner Aktivisten jemals Menschen mutwillig verletzt wurden.

"Waltzing Mathilda" nennt Sea Shepherd die aktuelle Aktion gegen die japanische Walfangflotte in der Antarktis. Nun hat der schon in der Vergangenheit mit harten Bandagen geführte Kampf zwischen Watsons Mannen und den Fangschiffen aus Fernost einen neuen Höhepunkt erreicht: Das japanische Walfangschiff "Shonan Maru 2" rammte ein schnittiges Hightech-Schiff der Umweltschützer. Von dem biodieselbetriebenen Hightech-Flitzer "Ady Gil", der angeblich zwei Millionen Euro kostete und einst unter dem Namen "Earthrace" so schnell wie kein anderes Wasserfahrzeug die Erde umrundete, ist kaum mehr als Schrott übrig. Die sechs Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden - und Watson konnte sich zumindest der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit sicher sein.

Auch in diesem Südsommer ist Japans Walfangflotte wieder auf der Jagd, unter dem Vorwand der Forschung sollen in den eiskalten Wassern des Südozeans mehr als 900 Zwerg-, bis zu 50 Finn- und 50 Buckelwale getötet werden. Und wieder, wie in den vergangenen Jahren, will Watson Tokios Walfängern mit beinahe allen Mitteln die Stirn bieten. Mehr als 30 Jahre lang kämpft er schon gegen die Tötung der Meeressäuger. Obwohl ein internationales Moratorium seit 1986 dies de facto verbietet, töten außer den Japanern auch Grönländer, Norweger und Isländer die Tiere weiterhin.

"Aggressive Nichtgewalt" nennt der rauschebärtige Watson die nicht unumstrittene Strategie von Sea Shepherd: Die Aktivisten werfen unter anderem von ihren Schiffen - die Organisation spricht gern von "Neptuns Marine" - Flaschen stinkender Buttersäure auf die Walfänger. Die Japaner sprechen hingegen von "terroristischen Angriffen" und wehren sich unter anderem mit Wasserstrahlrohren, Leuchtmunition und Schallkanonen. Watson behauptete im Jahr 2008 sogar, von einem japanischen Walfänger beschossen worden zu sein. Einen definitiven Beweis dafür gibt es allerdings nicht. Im gleichen Jahr enterten zwei seiner Mitstreiter den japanischen Walfänger "Yushin Maru 2" - und wurden dort prompt festgesetzt.

"Wenn Leute uns Terroristen nennen, dann ist das eine Beschimpfung"

"Wir sind keine Terroristen und keine Kriminellen. Wir haben nie jemanden verletzt, wir haben nie jemanden getötet. Wenn Leute uns Terroristen nennen, dann ist das eine Beschimpfung", sagte Watson dem Magazin "Neon". Trotzdem spielt er gern den Martialischen, lässt seine Schiffe wie die "Steve Irvin" komplett schwarz anstreichen und hisst darauf die Piratenflagge.

Aktivisten der Organisation rühmen sich damit, über die Jahre zahlreiche Schiffe versenkt zu haben - so unter anderem in Island (1986) und Norwegen (1992). Für letztere Aktion wurde Watson von einem Gericht auf den Lofoten in Abwesenheit verurteilt. Er musste seine 120-tägige Gefängnisstrafe aber nicht vor Ort absitzen. Die Niederlande weigerten sich, Watson auszuliefern - und behielten ihn gleichzeitig insgesamt 80 Tage in Gewahrsam.

Im Gebiet der Grand Banks vor der kanadischen Küste gingen Watson und seine Mannen rüde gegen spanische und kubanische Schleppnetzfischer vor. Die Umweltschützer protestierten auch gegen die aus ihrer Sicht problematische Robbenjagd in Kanada. Im April 2008 beschlagnahmten Polizei und Küstenwache Kanadas ein Schiff von Sea Shepherd in der Cabot Strait zwischen Cape-Breton-Halbinsel und Neufundland. Der Vorwurf: Die "Farley Mowat" habe sich den Robbenjägern unerlaubt genähert. Die Umweltschützer konterten, das Schiff habe sich in internationalen Gewässern befunden, hätte also gar nicht geentert werden dürfen.

Für manche ist Watson ein Held - zu seinen Unterstützern zählen unter anderem Hollywood-Stars wie Pierce Brosnan und Daryl Hannah -, für manche ist er ein rücksichtsloser Egozentriker. Aus der Greenpeace-Führung wurde er 1977 mit elf zu einer - seiner eigenen - Stimme ausgeschlossen. Seitdem liegt man im Clinch. Im Jahr 1991 soll Watson eine Art Stillhaltepakt mit den früheren Kollegen geschlossen haben. Niemand, so stellt es jedenfalls Greenpeace dar, werde in Zukunft schlecht über den anderen sprechen.

"Wir unterscheiden uns von Paul Watson im Bezug auf die Gewalt"

Genützt hat der Deal freilich nicht viel. Wo überhaupt der Unterschied liege zwischen dem Ölkonzern Exxon und Greenpeace, stichelte Watson bereits im Jahr 1996: "Die verkaufen den Menschen Öl, um Geld zu machen. Greenpeace verkauft ihnen ein gutes Gewissen gegen Spendenbescheinigung. Das ist reiner Ablasshandel." Die derart gescholtenen kommentieren die Mehrzahl der Aktionen Watsons bewusst nicht, stellen in einem eigens angefertigten Statement jedoch eines klar: "Wir unterscheiden uns von Paul Watson im Bezug auf die Gewalt."

Nach dem folgenschweren "Ady Gil"-Crash spricht der inzwischen sogar von einem "echten Walkrieg". Und setzt dann trotzig nach: "Die Wale sind uns mehr wert als Schiffe, wir machen deshalb weiter."

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insgesamt 189 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
22.06.2010 von mrakopolis: Falscher Film?!

mal ganz ernsthaft dein film zeigt die perspektive der ganz normalen walfänger, weil der andere zu brutal ehrlich für zart besaitete ist, jede wette. wie um alles in der welt kommt man zu diesem schluss wenn es einen zweiten [...] mehr...

12.01.2010 von totti959: Auch besonderen Wunsch...

Hier: "Die International Convention on the Regulation of Whaling (ICRW) ist eines der ältesten internationalen Umweltabkommen. Sie wurde 1946 gegründet. Die Internationale Walfangkommission (International Whaling [...] mehr...

11.01.2010 von JEW-T: Na schön...

..., wenn man das jetzt noch nachhaltige Bewirtschaftung nennt, ist Konsens hergestellt. Dann wird nämlich auch klarer, daß der Käseglocken-Naturschutz der 70er nicht funktioniert, weil er eben lediglich Naturromantik westlicher [...] mehr...

09.01.2010 von Nobbi: Erst mal vor der eigenen Türe kehren, mein Herr

nehmen Sie den Mund mal nicht so voll. Jmd der kritiklos allen NGOs glaubt wie Sie ist auch nicht besser mehr...

09.01.2010 von toledo: Haben Sie denn noch

Ihre Empfehlungen benötige ich nicht! Haben Sie denn noch etwas zum Thema 'Walschützer Paul Watson: 007 der Meere will weiterkämpfen' beizutragen? In lesbarer Form? mehr...

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