Von Technology-Review-Mitarbeiterin Susanne Donner
Wer künftig aus diesem Grund auf den Zahnarztstuhl muss, kann jedoch auf etwas Entspannung hoffen. Denn neue digitale Techniken machen die Herstellung von Zahnersatz günstiger und schneller. Immer seltener werden Kronen und Brücken in Handarbeit von Zahntechnikern und zunehmend von Automaten gefertigt. Die Schlüsselwörter lauten Computer Aided Design und Computer Aided Manufacturing: Bei diesen Verfahren, die aus der industriellen Serienfertigung kommen, werden Produkte am Monitor entworfen und rollen wenige Stunden später komplett von Maschinen gefertigt vom Band. Inzwischen haben findige Ingenieure dieses Planungs- und Fertigungsprinzip auch an die Zahnarztpraxis adaptiert.
Begründet wurde dieser Trend vom französischen Zahnarzt François Duret vor knapp 40 Jahren. Nach mehr als zehnjähriger Forschungsarbeit stellte er dann 1983 den ersten Prototyp eines Fertigungsautomaten für Zahnersatz vor und ließ damit Zahntechniker um ihren Arbeitsplatz fürchten. Einer von ihnen war Josef Hintersehr. "Ich habe Duret besucht, das Gerät gesehen und mich erschrocken." Doch er beschloss, die Flucht nach vorn zu ergreifen: Als einer der Ersten in Deutschland kaufte Hintersehr einen kommerziellen Zahnersatzautomaten der Schweizer Firma DCS, der nach Durets Prototyp auf den Markt gekommen war, um in das Geschäft von morgen einzusteigen.
Der Traum vom schnellen Geld platzte jedoch, weil der Apparat nicht funktionierte. 170.000 Deutsche Mark Verlust für eine Kiste voller Kinderkrankheiten. "Da hatte ich zwei Möglichkeiten: verrecken oder schwimmen lernen." Er entschied sich für das Schwimmen - und lag diesmal goldrichtig. Heute leitet Hintersehr im hessischen Griesheim die Zahntechniker-Schmiede Hint-ELs mit 14 Mitarbeitern.
Sein Team schraubt nun selbst Fertigungsautomaten zusammen - etwa Fräsmaschinen, die den Zahnersatz mit filigranen Messern aus Keramik und Metall herausraspeln - und schreibt Programme für deren Steuerung. Dass man ihn angesichts dieser Vision einst für verrückt erklärte, ficht den umtriebigen Zahntechniker nicht an: Hint-ELs setzt inzwischen jährlich fünf Millionen Euro um.
Verlockendes Geschäft mit digitaler Zahntechnik
Heute lockt das Geschäft mit der digitalen Zahntechnik immer mehr Unternehmen. Waren es vor zehn Jahren erst acht, die mit solchen Automaten ihr Geld zu verdienen suchten, so zählte Hintersehr auf der diesjährigen Internationalen Dental-Schau in Köln bereits 168 Konkurrenten. Es sind keineswegs nur Spezialisten, die einen Nischenmarkt bedienen. "Nun grasen auch große Gerätebau- und Medizintechnik-Unternehmen den Markt ab, der ihnen vorher nicht lukrativ genug erschien."
Kein Wunder: Mit digitaler Zahnersatz-Fertigung lässt sich gutes Geld verdienen. Rund 5,5 Milliarden Euro geben die deutschen Patienten jedes Jahr für Brücken, Kronen und Implantate aus. Jeder Dritte muss für den Zahnersatz 500 Euro aus eigener Tasche zahlen, ermittelte Stiftung Warentest in einer Umfrage. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nur preiswerte Restaurierungen mit Nicht-Edelmetall-Legierungen. Bei anderen Materialien muss der Patient selbst den Aufpreis löhnen. Bei solchen Randbedingungen schreit der Markt geradezu nach Rationalisierung. Hintersehr rechnet damit, dass die Produktion von Zahnersatz eine massive Industrialisierung erfahren wird.
Schon heute summen an vielen Orten in Deutschland, ob bei DeguDent in Hanau-Wolfgang oder bei der Bego Bremer Goldschlägerei PC-gesteuerte Maschinen und formen in den Fertigungszentren passgenaue Kronen und Brücken. Etwa hundert Stück werfen die Automaten täglich aus. Ein geschickter Zahntechniker gießt in derselben Zeit allenfalls zwanzig aus Metall. "Die Steigerungsraten sind enorm. In zehn Jahren wird die digitale Technik gegenüber der Handarbeit dominieren und sie vielleicht sogar ablösen", prophezeit Frank Rübeling, Inhaber der Firma Rübeling Dental Labor in Bremerhaven.
Nicht nur kommerzielle Zahntechnik-Betriebe haben bereits auf die industrielle Produktion umgesattelt. Experten schätzen, dass sich etwa acht Prozent der deutschen Zahnarztpraxen digitale Fertigungsgeräte im Wert von bis zu 300.000 Euro zugelegt haben. So griffen auch Holger Frohme und Thorsten Kleinert in Berlin vor einigen Jahren tief in die Tasche und investierten einige Zehntausend Euro für eine Fräsmaschine. "Langfristig lohnt sich das", meint Kleinert. Weil die meisten Kronen und Brücken nun in der Praxis gefertigt werden und nicht in einem Dentallabor oder Fräszentrum, seien die laufenden Kosten gesunken.
Welche Ersparnis das für den Preis eines einzelnen Zahnersatzes bedeutet, dazu will sich der Arzt nicht äußern. Doch der finanzielle Vorteil lässt sich durchaus beziffern: Albert Mehl von der Station für computergestützte restaurative Zahnheilkunde an der Universität Zürich kalkulierte in der Zeitschrift "Dental Tribune", dass maschinell hergestellter Zahnersatz bis zu 20 Prozent preiswerter sein kann als manuell gefertigter.
Benötigt ein Patient etwa für einen Zahnstumpf eine Krone, nehmen Kleinert und Frohme zunächst einen herkömmlichen Silikonabdruck vom Gebiss. Aus dem daraus gefertigten Gipsmodell sägt Zahntechnikerin Bettina Klose den Zahnstumpf heraus und stellt ihn in ein schwarzes Gerät von der Größe eines Backofens. Es ist ein Scanner, in dem ein Laserstrahl den Stumpf von allen Seiten abtastet. Aus dem zurückgeworfenen Licht berechnet der Computer die Gestalt des Gipsobjekts. Binnen einer Minute taucht eine Punktwolke auf dem Bildschirm auf, in der die Form des Zahnsockels sichtbar ist. Einige Klicks später hat der PC ausgerechnet, wie die passende Krone aussehen muss.
Diese Daten werden auf die Fräsmaschine im Nachbarzimmer übertragen. Darin spannt die Zahntechnikerin einen elfenbeinweißen Keramikblock aus Zirkoniumdioxid von der Größe eines Radiergummis in eine Halterung. Nach dem Starten machen sich hinter Sichtfenstern aus Plexiglas zwei filigrane Fräsköpfe flink ans Werk und raspeln das überflüssige Material vom Rohling. Der dabei entstehende Keramikstaub wird abgesaugt. Kaum eine Viertelstunde später ist das Gerüst der Krone, ein zartes Käppchen, fertig. Es ist weich wie Kreide und würde schon bei geringem Druck zwischen den Fingern zerbrechen. Entsprechend behutsam hebt Klose das Werkstück heraus. Erst nach dem Brennen im Ofen bei 1350 Grad Celsius wird der Zahnersatz stabil. Danach überzieht die Zahntechnikerin die Krone von Hand mit einer speziellen Keramikschicht, die farblich exakt zu den Zähnen des Patienten passt. Im letzten Schritt schließlich klebt der Zahnarzt die Krone am echten Zahnstumpf fest.
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Natürlich gibt es solche und solche Zahnärzte, ich denke, dass die Qualität eben einer Normalverteilung folgen wird, eben wie im richtigen Leben. Die Idee, Zähne zu züchten klingt ja gut, setzt aber wieder am falschen Ende an, [...] mehr...
Vieles von dem, was sie benennen, ist mir bekannt. Das Zahnfleischentzündungen z.B. das Risiko für koronare Herzkrankheit erhöhen, weil die Entzündungsstoffe sich im Blut verteilen und die Arterienwände angreifen. Ich frage mich [...] mehr...
Sie haben natürlich Recht. Aber der Forist mit dem Vorwurf der zusammengestoppelten Doktorarbeit auch. Die gibt es - und ich selbst habe einige dieser "Güte" gelesen. Da hätte nicht mal ein Geisteswissenschaftler [...] mehr...
Suchen Sie einen zweiten Arzt auf! mehr...
Naturwissenschaftler ? Und dann einen so begrenzten Horizont ? Zur Info: Zähne sind nicht nur das, was aus dem Zahnfleisch herausschaut und Zahnärzte befassen sich eben nicht nur mit diesem Teil des Zahnes. Sie könnten sich ja [...] mehr...
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