München - Im Atomkraftwerk Isar I gibt es möglicherweise Probleme mit den Brennelementen. Die Betreiberfirma E.on Kernkraft erklärte, der Meiler werde ab Mittwoch für zehn Tage vom Netz genommen. Messungen des Reaktorwassers deuteten auf eine undichte Stelle an einem der insgesamt 592 Brennelemente hin. Der sichere Betrieb der Anlage sei aber nicht gefährdet.
Außerdem gab E.on den Ausfall eines Transformators in dem Kraftwerk bekannt. Der Vorfall habe sich bereits in der vergangenen Woche ereignet und dazu geführt, dass ein Notstromaggregat nicht verfügbar gewesen sei. Auch dadurch sei die Sicherheit des Kraftwerks nicht gefährdet worden.
Der Siedewasserreaktor Isar I in der Nähe von Landshut ist das älteste Atomkraftwerk in Bayern. Eine "so lange Zwangspause" sei "außergewöhnlich", sagte Ludwig Hartmann, energiepolitischer Sprecher der Bayerischen Grünen. Seine Partei hat gerade ein Gutachten vorgestellt, wonach der Meiler erhebliche Sicherheitslücken aufweist. Das Papier wurde von dem Atomenergieexperten Wolfgang Neumann angefertigt, der für das Beratungsunternehmen Intac arbeitet. Neuman moniert darin die Gefahr von Rissbildung in den Rohrleitungen des Kraftwerks und den angeblich unzureichenden Schutz des Meilers vor Flugzeugabstürzen oder Terroranschlägen.
"Gerade alte Reaktoren dieser Generation haben massive Verschleißerscheinungen und sind durch ihre ganze Bauweise nicht auf dem neuesten Stand der Sicherheitstechnik", beklagt Grünen-Politiker Hartmann. Nach bisheriger Rechtslage muss Isar I bis zum kommenden Jahr stillgelegt werden. Die SPD in Bayern hat eine Petition gegen einen möglichen längeren Betrieb gestartet. "Der erneute Defekt im Kernkraftwerk Isar I zeigt: Es ist Zeit, solche alten Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen", sagt SPD-Landesgeschäftsführerin Natascha Kohnen. Das Bayerische Umweltministerium erklärt hingegen, die Atomkraftwerke des Landes seien sicher.
Die Bundesregierung will bis zum Oktober ein Energiekonzept vorlegen, in dem auch die Zukunft der Atomkraft geregelt werden soll. Die großen Energiekonzerne drängen auf längere Laufzeiten: "Wenn wir weiter hohe CO2-Reduktionen anstreben, werden wir die Kernenergie noch lange brauchen", hatte RWE-Chef Jürgen Großmann jüngst im SPIEGEL-ONLINE-Interview gesagt. Die Deutsche Umwelthilfe erklärte dagegen, eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke verstoße gegen das Grundgesetz, weil die Frage der Atommüllentsorgung weiter nicht geklärt sei.
chs
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