Von Markus Becker und Yassin Musharbash
Berlin/Hamburg - Das iranische Nuklearprogramm gibt westlichen Geheimdiensten nach wie vor Rätsel auf. Wer über das mythenumrankte, streng abgeschirmte Programm etwas Handfestes in Erfahrung bringt, wird von den Regierungen, denen er zuarbeitet, gelobt und hofiert. Denn diese - allen voran die USA - müssen stets aufs Neue entscheiden, ob Iran möglicherweise den "point of no return" erreicht hat - den Punkt, ab dem Teheran nur noch mit Gewalt daran gehindert werden kann, eine Atombombe zu bauen. Genauso wichtig ist es zu wissen, wie lange Iran dafür bräuchte.
Wie groß die Unsicherheiten sind, hat diese Woche der Koordinator der US-Geheimdienste höchstselbst zu Protokoll gegeben. In seinem Jahresbericht über die Bedrohungslage gegen die USA ( "Annual Threat Assessment") hat Dennis Blair den Kongress in Washington wissen lassen, dass er nichts weiß - zumindest nichts wirklich Neues. "Wir sind weiterhin der Meinung, dass Iran sich die Option offenhält, Nuklearwaffen zu entwickeln", heißt es in dem Bericht. Teheran arbeite an "verschiedenen atomaren Fähigkeiten", die das Land der Atombombe näher bringen könnten. "Wir wissen allerdings nicht, ob sich Iran dazu entscheiden wird, Atomwaffen zu bauen", räumte Blair ein.
US-Geheimdienste waren möglicherweise zu optimistisch
Damit hat der Geheimdienstchef bekräftigt, was schon 2007 im umstrittenen "National Intelligence Estimate" (NIE) stand. Darin hatten die US-Geheimdienste der iranischen Regierung bescheinigt, das Streben nach der Atombombe 2003 eingestellt zu haben - was viele Beobachter als schwere Niederlage für die Regierung von US-Präsident George W. Bush werteten. Der wichtigste Satz befand sich jedoch nicht am Anfang, sondern am Ende des Papiers: Iran könnte das Atomwaffenprogramm jederzeit wieder starten, sofern der politische Wille besteht.
Der aber ist von außen schwer zu ergründen. Zwar hat Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu Wochenbeginn angedeutet, künftig eine bessere internationale Kontrolle seines Atomprogramms zu ermöglichen. Auch lässt er am Wochenende seinen Außenminister Manutschehr Mottaki an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnehmen. Doch in den vergangenen Jahren hat Teheran des Öfteren Entspannungssignale geschickt, um wenig später wieder die Eskalation zu suchen.
Interessant ist deshalb, was nicht in Blairs Bericht für den US-Kongress steht. Kein Wort etwa findet sich mehr darüber, dass Iran sein Atomwaffenprogramm 2003 eingestellt habe. Hohe Berater von US-Präsident Barack Obama sollen die Entwarnung im NIE von 2007 inzwischen für falsch halten, berichtete die "New York Times" im Januar. Auch das Magazin "Newsweek" meldete kürzlich, dass die amerikanischen Geheimdienstler in dieser Hinsicht auf die weniger optimistische Linie ihrer Kollegen aus anderen westlichen Staaten umgeschwenkt seien.
Iran besitzt alle Voraussetzungen für Atombombenherstellung
In dieses Bild passt, was in Blairs "Annual Threat Assessment" über die iranische Uran-Anreicherungsanlage in Ghom zu lesen ist, deren Enthüllung im Spätsommer 2009 weltweit für Aufregung gesorgt hat. Die Anlage sei zu klein, um einen zivilen Atomreaktor kontinuierlich mit Brennstoff zu versorgen, so Blair. "Aber sie ist groß genug für Waffenzwecke, sollte Iran sich dazu entscheiden, sie auf die Produktion hoch angereicherten Urans umzustellen." Man bleibe bei der Einschätzung, dass Iran die wissenschaftlichen, technischen und industriellen Kapazitäten zur Produktion von Nuklearwaffen besitze.
Allerdings ist für eine Atomwaffe nicht nur hoch angereichertes Uran, sondern auch ein funktionierender Sprengkopf notwendig. Im Westen hatte man sich lange damit beruhigt, dass Iran zwar bald genügend Uran für eine Bombe haben könnte, aber noch weit davon entfernt sei, einen funktionsfähigen Sprengkopf zu besitzen - geschweige denn einen, der kompakt genug für den Einbau in eine Rakete wäre.
Im vergangenen Herbst aber wurde bekannt, dass Iran an einem Design für einen Sprengkopf gebastelt haben könnte, das auf der sogenannten two-point implosion basiert. Sie erlaubt wesentlich kleinere und kompaktere Sprengköpfe als etwa das Kanonenprinzip der Hiroshima-Bombe, bei dem zwei Uranladungen in einem Rohr aufeinander geschossen werden. "Das könnte den Zeitbedarf bis zu einer iranischen Atombombe stark verkürzen", sagte Otfried Nassauer vom Berliner Zentrum für transatlantische Sicherheit SPIEGEL ONLINE.
Außerdem hat Teheran bereits eingeräumt, Tests mit Technologien durchgeführt zu haben, die es erlauben, Explosionen von Sprengladungen auf die Mikrosekunde genau zu synchronisieren. Für die Entwicklung von Atomwaffen ist das von zentraler Bedeutung.
Wer ist der russische Wissenschaftler?
Jetzt sieht es so aus, als sei ein weiteres Puzzleteil bekannt geworden, das die Berechnungsgrundlage beeinflussen könnte. Am Freitag berichtete die "Süddeutsche Zeitung", dass Teheran sich der Dienste eines Wissenschaftlers bedient hat, der früher in einem sowjetischen Nuklearlabor gearbeitet hat. Entsprechende Informationen befänden sich in einem vertraulichen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Ohne die Hilfe des nicht namentlich genannten Wissenschaftlers, so die "Süddeutsche", wäre Iran vermutlich nicht in der Lage gewesen, einen kompakten Sprengkopf für eine ballistische Rakete zu entwickeln.
In dem Bericht taucht ein interessantes Detail auf: Der russische Wissenschaftler habe seine Kenntnisse über Sprengstoffe und Gasdynamik zuvor eingesetzt, um eine Firma für die Produktion von Industriediamanten zu gründen. Später habe er gegenüber der IAEA freimütig eingeräumt, für Iran gearbeitet zu haben - allerdings nur im zivilen Bereich. "Die Produktion von Industriediamanten wäre eine solche zivile Aufgabe", sagt Nassauer. "Offen ist, warum der Wissenschaftler diese dann nicht offen benannt hat."
Bisher sind westliche Geheimdienste nicht überzeugt, dass Iran überhaupt den Startschuss gegeben hat, ein Maximum an Ressourcen auf die Entwicklung von Atomwaffen zu verwenden. Entsprechend schwierig sind die Schätzungen, wie lange Teheran unter optimalen Bedingungen bräuchte, die Bombe zu bauen. Wenn es stimmt, dass Iran nun immerhin die Schwierigkeit gemeistert haben könnte, einen ausreichend kleinen Sprengkopf zu bauen, sind deshalb andere Probleme noch lange nicht behoben.
So dürfte es Iran an genügenden Mengen hoch angereicherten Urans mangeln. Und auch die Qualität der Trägerraketen wird angezweifelt. Im schlimmsten Fall, heißt es in westlichen Geheimdienstkreisen, würden mindestens noch drei Jahre vergehen, bis eine iranische Atomwaffe zur Verfügung stehe. Als realistisch gelten mindestens fünf Jahre - wohlgemerkt ab dem Zeitpunkt gerechnet, ab dem Teheran den Startschuss gibt.
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Es geht nicht um den Staat sondern daum das manche Menschen wohl so wenig weitsicht haben, dass sie meinen geödete Unterschiede zwischen sich und ihrem nachbar festzustellen als zwischen zb einem Chinesen und nem Japaner nem [...] mehr...
Es geht nicht um den Staat sondern daum das manche Menschen wohl so wenig weitsicht haben, dass sie meinen geödete Unterschiede zwischen sich und ihrem nachbar festzustellen als zwischen zb einem Chinesen und nem Japaner nem [...] mehr...
Ach so, und sollte Iran dann tatsächlich eines Tages die Atombombe haben, dann sind die Folgen dieser laut Ihrer Aussage irrationalen Regierung und Anhängerschaft besser abschätzbar? mehr...
Nun Spass bei Seite, die Theo-Regierung und ihre Anhängerschaft im Iran ist derart irrational und vom Macht besessen, dass es zur Zeit Abs. Nieman es wagt sie anzugreifen. Nach wie vor sind die Folgen unabschätzbar. Hätte die [...] mehr...
"Darin hatten die US-Geheimdienste der iranischen Regierung bescheinigt, das Streben nach der Atombombe 2003 eingestellt zu haben - was viele Beobachter als schwere Niederlage für die Regierung von US-Präsident George W. Bush [...] mehr...
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