Den Traum vom Hyperschall träumen US-Generäle schon länger. Mit mehr als fünffacher Schallgeschwindigkeit (Mach 5) durch die Lüfte zu donnern, erwies sich jedoch als technisch nur schwer lösbare Aufgabe. Das schnellste halbwegs alltagstaugliche Fluggerät, das das US-Militär bisher aufbieten konnte, war das legendäre Spionageflugzeug SR-71 "Blackbird". Es erreichte Mach 3 - und ist längst ausgemustert.
Bei der Darpa, der Forschungsabteilung des Pentagon, wird jedoch trotz aller früheren Fehlschläge weiter an Hyperschallflugkörpern geforscht. Im April soll ein Prototyp mit dem Namen Hypersonic Technology Vehicle 2 (HTV-2) von der kalifornischen Vandenberg Air Force Base gestartet werden. HTV-2 verfügt über keinen eigenen Antrieb, vielmehr wird es mit Hilfe einer Rakete vom Typ Minotaur IV in den Himmel geschossen.
Nach der Trennung von der Rakete soll HTV-2 mit Hyperschallgeschwindigkeit durch die Atmosphäre gleiten und nahe dem Reagan-Testgelände auf dem Kwajalein-Atoll inmitten des Pazifik zu Boden gehen. Dabei wird der unbemannte Flugkörper fast 8000 Kilometer zurücklegen. Mit dem Flug möchte die Darpa die lange Haltbarkeit der thermischen Isolierung und die aerodynamischen Steuermöglichkeiten demonstrieren.
HTV-2 ist Teil des Darpa-Programs Falcon, mit dem ein Hyperschallflugkörper entwickelt werden soll, der in kürzester Zeit Ziele weltweit erreichen kann. Laut Darpa soll das Hypersonic Technology Vehicle fünf Tonnen Nutzlast in nicht einmal zwei Stunden knapp 17.000 Kilometer weit transportieren können. Das entspricht beinahe dem halben Erdumfang. Interkontinentalraketen haben eine Reichweite zwischen 5500 und etwa 15.000 Kilometern.
Das keilförmige schwarze Flugobjekt HTV-2 ist der Rest des ursprünglich deutlich ambitionierteren Hyperschallprogramms der Darpa. Im Jahr 2008 war auch die Entwicklung des kampfflugzeugähnlichen HTV-3 geplant - Codename Blackswift. In einem Video (siehe unten) feierte die Darpa bereits die "unvergleichlichen Fähigkeiten" des Hyperschallfliegers, der 2012 abheben sollte. Allerdings kürzte der Kongress im Jahr 2009 den Blackswift-Etat drastisch, so dass die Darpa das Projekt beerdigte.
HTV-3 sollte mit zwei Turbojet-Triebwerken für geringe und mit einem sogenannten Scramjet-Antrieb für Hyperschallgeschwindigkeiten bestückt werden. Bei einem solchen Staustrahltriebwerk wird die Luft vor der Verbrennung des Treibstoffs allein durch die hohe Strömungsgeschwindigkeit komprimiert. Auf die sechsfache Schallgeschwindigkeit sollte es der HTV-3 so bringen. Ein Testflugzeug der Nasa schaffte 2004 dank Scramjet-Triebwerk die zehnfache Schallgeschwindigkeit.
Die bisher kaum zu beherrschende Hyperschalltechnik könnte eines Tages auch für zivile Nutzungen interessant sein. Britische Ingenieure wollen ein Flugzeug entwickeln, das in fünf Stunden von Europa nach Australien fliegt. Der fensterlose Jet soll mehr als 6000 Kilometer pro Stunde schnell sein und Platz für 300 Passagiere bieten.
hda
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