Hamburg - Es läuft und läuft und läuft. Seit 1988 plätschert an mehreren Stellen Salzlösung ins marode Atomlager Asse - mit verheerenden Folgen für die Standsicherheit des Bergwerkes. Zunächst war die Herkunft der Flüssigkeit unklar. Nach SPIEGEL-Informationen erbrachten interne Untersuchungen von zwei Wissenschaftlern aber spätestens 1995 den Beweis, dass die Flüssigkeit von außen in das Bergwerk eindringt.
Damit war klar, dass die Müllkippe abzusaufen droht. Als einer der Experten seine Kenntnisse 1996 in einer Habilitationsschrift veröffentlichen wollte, verlangten Mitarbeiter des staatlichen Betreibers und des Bundesforschungsministeriums aber, alle Hinweise auf die Asse zu "überarbeiten".
In der Druckfassung der Arbeit ist nur noch von Gefahren in einem "Salzbergwerk in Norddeutschland" zu lesen. Außerdem verhinderten Asse-Betreiber und Bonner Ministeriale Ende 1995, dass das Land Niedersachsen einen Bericht zur "Gefahrenabschätzung für die Schachtanlage Asse" veröffentlichte, in dem ebenfalls von dem Zufluss die Rede ist: Das Papier würde "unseren Gegnern von den 'Asse Gegeninitiativen' ohne Not" Argumente gegen eine Einlagerung im Salz liefern.
Selbst in Besucherführungen in der Asse sahen die Beamten offenbar die Gefahr, dass das Geheimnis auffliegen könnte: Es müsse "eine öffentliche Diskussion der Laugenzutritte vermieden werden", warnte 1997 ein Abteilungsleiter in einem Vermerk an den damaligen Staatssekretär Helmut Stahl. Erst 1998 machte Niedersachsen auf die Gefahr für die Grube aufmerksam.
In dem Untersuchungsausschuss hatte der frühere Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zuletzt Politikern von CDU, CSU und FDP schwere Versäumnisse vorgeworfen. Das niedersächsische Umweltministerium unter Minister Hans-Heinrich Sander (FDP) und das von der CDU geführte Bundesforschungsministerium hätten sich bis 2008 dagegen gesträubt, das Bergwerk unter das Atomrecht zu stellen, sagte Gabriel. Von der CDU in Niedersachsen sei dieser Schritt ebenfalls verzögert worden.
In der Asse wurden bis 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall eingelagert - dabei galt die Anlage offiziell als Forschungsbergwerk. Vor wenigen Wochen empfahl das mittlerweile zuständige Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das unterirdische Lager in einem weltweit bislang einmaligen Vorgang zu räumen. Die Kosten dafür sollen bei rund 3,7 Milliarden Euro liegen.
Eine endgültige Entscheidung könne aber erst getroffen werden, wenn mehr Informationen über den Zustand der Abfälle vorlägen, erklärte das BfS. Deswegen sollen nun zunächst zwei Kammern im Atommülllager geöffnet werden, um den Zustand der radioaktiven Abfälle zu testen.
Nach einem Bericht der Asse-II-Begleitgruppe will das BfS zunächst etwa 600 Gebinde untersuchen. In den beiden ausgewählten Kammern seien die Fässer auf unterschiedliche Weise eingelagert worden. In einem Hohlraum seien sie gestapelt, im anderen abgekippt worden. Die Asse-II-Begleitgruppe, in der Kommunen, Verbände und Bürgerinitiativen mitarbeiten, begleitet den Prozess der Stilllegung des Atommülllagers.
chs/ddp
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@The Independent: nun haben Sie deutlich gemacht, dass Sie technisch-naturwissenschaftlich nicht ausreichend informiert sind: Das chemische Verhalten radioaktiver und nicht-radioaktiver Stoffe des gleichen Elementes, z.B. [...] mehr...
Gerade die Barrierefunktion des Salzstocks wird heute (10 Jahre später) von vielen Experten als unzureichend bezeichnet. Zusätzlich ist das Deckgestein in Gorleben so unterschiedlich beschaffen, dass im Falle des Wassereintritts [...] mehr...
In der „Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen vom 14. Juni 2000“ wurde in Anlage 4 folgendes festgehalten: „... Die analytisch bestimmten Hebungsraten des Salzstockes lassen erwarten, [...] mehr...
Die den Salzstock umgeb. Deckgesteine sind aber so unterschiedl. ausgeprägt, dass v. Experten bereits eine Eignung als Endlager verneinten, übr. VOR dem "Abschluss" der Erkundung. Zusammenf. d. BMU: [...] mehr...
@The Independent Ich zitiere einen Entwurf des BMU unter Herrn Gabriel (und zwar den vollständigen Absatz): Bereits im Jahr 1977 war im Beschluss des Bundeskabinetts vom 05.07.1977 die Er* kundung anderer Standorte vorgesehen [...] mehr...
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