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26.04.2010
 

Nuklearterror-Abwehr

"Deutschland hinkt noch hinterher"

Testexplosion: Der ultimative AlptraumZur Großansicht
REUTERS

Testexplosion: Der ultimative Alptraum

Anschläge mit einer schmutzigen Bombe sind eine reelle Gefahr - wirksame Gegenmaßnahmen gegen die strahlende Gefahr gibt es kaum. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt der Physiker Tom Bielefeld, warum gerade Deutschland in diesem Bereich noch großen Nachholbedarf hat.

SPIEGEL ONLINE: Die Bundeskanzlerin wertet den deutschen Beitrag zum Washingtoner Atomgipfel als Erfolg. Teilen sie diese Ansicht?

Tom Bielefeld: Nein. Die Deutschen haben der Konferenz keinen guten Dienst erwiesen, weil sie anstelle von Kernwaffen die sogenannten schmutzigen Bomben zu einem großen Thema machen wollten - das sind Bomben, bei denen mit normalem Sprengstoff radioaktives Material verbreitet wird, etwa Kobalt aus Strahlentherapiegeräten.

SPIEGEL ONLINE: Sind die - mit Blick auf terroristische Anschläge - nicht die wahrscheinlichste Bedrohung, weil die dafür notwendigen Substanzen viel leichter zu beschaffen sind als etwa Uran oder Plutonium?

Bielefeld: Sicher stellen schmutzige Bomben eine Gefahr dar. Darum ist es auch richtig, sich dagegen zu wappnen. Es ist nun allerdings nicht so, dass Deutschland in diesem Bereich Vorreiter wäre. Was in Bund und Ländern verbessert wurde, ist vor allem die Einsatzfähigkeit im Notfallschutz. Was aber zum Beispiel die Sicherung von medizinischen Strahlenquellen angeht, hinken wir anderen noch hinterher.

SPIEGEL ONLINE: Wo hat Deutschland noch Nachholbedarf?

Bielefeld: Ich will es mal so formulieren: Ein Krankenhaus in Bulgarien oder sonstwo in Osteuropa, das mit internationaler Hilfe in den letzten Jahren sicherheitstechnisch aufgerüstet wurde, steht heute besser da als manch ein deutsches. Dabei kostet das alles gar nicht so viel - und wenn man vor Terroristen Angst hat, die hierzulande Anschläge planen und ausführen, muss man gerade in diesem Bereich noch nachlegen. Dennoch: Auch der schlimmste denkbare Anschlag mit solch einem radiologischen Sprengsatz würde nicht annähernd so gravierende Auswirkungen haben wie ein Terrorakt mit einer richtigen Atombombe. Diese Gefahr wird noch immer stark unterschätzt - auch und gerade in Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Bielefeld: Viele misstrauen den Amerikanern, besonders seit den Schreckensmeldungen über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen. Nach dem Motto: Die schüren schon wieder Ängste, um unter dem Vorwand "Bekämpfung des Nuklearterrorismus" das nächste Land an den Pranger stellen zu können. Aber Fakt ist, dass Terrorgruppen seit den neunziger Jahren versuchen, Atomwaffen aus staatlichen Arsenalen in ihren Besitz zu bringen und an Spaltmaterial zu kommen, um damit eine eigene Atombombe zu bauen.

SPIEGEL ONLINE: Aber bisher ohne Erfolg. Belegt dies nicht, dass die Sicherheitsmaßnahmen greifen?

Bielefeld: Vor allem in Russland wurden einige US-Milliarden investiert. Auch Deutschland hat sich an solchen Projekten beteiligt. Zwar ist schon etwas erreicht worden, aber fertig ist man dort bei weitem noch nicht. Genauso wenig wie in Dutzenden weiterer Länder, die Spaltmaterial besitzen und teilweise unter völlig unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen lagern. Bisher hatte die Welt Glück, aber darauf darf man sich nicht noch länger verlassen. Wenn man, wie die Deutschen, vor allem über schmutzige Bomben reden will, dann spielt man jenen Staaten in die Hände, die das unangenehmere Thema gern vermeiden würden. Es muss nämlich jetzt und in Zukunft vor allem darum gehen, alles waffenfähige Uran und Plutonium sicher und nachhaltig von Terroristen fernzuhalten. Und zwar das militärische wie auch das aus dem zivilen Brennstoffkreislauf - und das aus Forschungsreaktoren. Eine große und schwierige Aufgabe, aber lösbar - man muss es nur wollen!

Das Interview führte Gunther Latsch

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22.04.2010 von nahal:

Sie können sich das nicht erklären? Das glaube ich Ihnen nicht. :-) mehr...

22.04.2010 von nahal:

Ja. Sind mir. Sind Ihnen die Begriffe "IAEA" und "Bericht" auch geläufig? mehr...

22.04.2010 von rabenkrähe:

...... Vor allem werden immer irgendwelche Schurkenstaaten gesucht und gefunden, statt sich mal klar zu machen, wieviel MVWs es schon jetzt auf dieser, unserer Welt gibt, und vielfach befinden sich diese in Händen von äußerst [...] mehr...

22.04.2010 von Legacy:

Aber den pathologischen Atom-Lügnern z.B. in Israel schenken Sie dann Glauben ? Denn die haben das Ganze schon hinter sich was man dem Iran derzeit gerne verbieten möchte. Wie denken Sie darüber ? Aber bitte nicht mit der [...] mehr...

22.04.2010 von johny walker:

Wer übt Druck auf wem aus? ---Zitat--- Bei der IAEA kann man davon ein Lied singen, el Baradei wurde deshalb von den Bushisten angefeindet, weil er sich weigerte, sich missbrauchen zu lassen. ---Zitatende--- Sie müssen ja [...] mehr...

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Zur Person

Harvard Kennedy School

Tom Bielefeld, 38, ist Physiker und arbeitete an der Universität Bremen über "nukleare Gefahrenabwehr" und "Sicherheit radioaktiver Materialien". Seit 2006 forscht er am Belfer Center for Science and International Affairs der Havard-University zu Themen der Nukleartechnik und Sicherheitspolitik.


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Uran und Atomwaffen

Uran

Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.

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