Hamburg - Die Lage war verzweifelt. Mitte April hatte der isländische Vulkan Eyjafjallajökull fast den gesamten europäischen Luftverkehr rund eine Woche lang lahmgelegt. Hundert Flughäfen stellten den Betrieb ein, mehr als acht Millionen Reisende saßen fest.
In dieser Situation erlaubten die Aufsichtsbehörden in Deutschland sogenannte Sichtflüge (siehe Kasten links), um wenigstens einen Teil der gestrandeten Passagiere aus ihrer Notlage zu befreien. Doch jetzt zeigt sich: Die Maßnahme war und ist unter Flugzeugführern hoch umstritten.
Der Sicherheitspilot der Lufthansa, Jürgen Steinberg, bedauert in einem internen Aushang gegenüber Kollegen seine Zustimmung zu den Sichtflügen, die deutsche Fluglinien Ende April während des Vulkanasche-Alarms geflogen sind: "Das darf sich nicht wiederholen. Heute würde meine Empfehlung in der gleichen Situation lauten: Don't do it."
In dem Schreiben, das dem SPIEGEL vorliegt, gibt Steinberg zu, dass die Situation von Piloten "als unbefriedigend oder auch als bedrohlich" empfunden wurde. Lufthansa-Bereichsvorstand und -Chefpilot Jürgen Raps distanziert sich gegenüber dem SPIEGEL von seinem Sicherheitspiloten: "Das ist seine rein persönliche Einschätzung, die sich nicht mit der Auffassung des Konzerns deckt."
Im Tiefflug über Norddeutschland
Heikel war die Lage vor allem am Dienstag, dem 20. April, als über Norddeutschland eine Regenfront mit tiefhängenden Wolken die Flugzeuge zwang, weite Strecken in extrem niedrigen Höhen zu fliegen. Der SPIEGEL zeichnet in seiner neuesten Ausgabe anhand von Radardaten drei von insgesamt mehreren Dutzend solcher Flüge nach, unter anderem auch den Flug LH 008 von Frankfurt am Main nach Hamburg: Ab dem Steinhuder Meer sank der Airbus A321 von 1000 Metern bis auf 600 Meter über Grund.
Ein Pilot, der zufällig hinten in der Kabine saß, kritisierte in einem internen Piloten-Forum der Lufthansa: "Die recht groß wirkenden Windräder haben mich etwas an der Mindesthöhe zweifeln lassen." Noch südlich der Elbe beobachtete der Erste Offizier, dessen Name dem SPIEGEL bekannt ist: "Ich war nicht sonderlich erfreut, als ein Kleinflugzeug unter uns auftauchte."
Bedenken gegen die Sichtflüge, von denen Air Berlin 559 und die Lufthansa 395 absolvierte, gab es auch bei der Deutschen Flugsicherung (DFS). Ein Fluglotse gegenüber dem SPIEGEL: "Als wir von der Betriebsanweisung unserer Führung erfuhren, waren viele von uns zunächst fassungslos."
Air Berlin und Lufthansa beteuern, sichere Abstände zu Flugzeugen und Wolken seien jederzeit eingehalten worden. Man habe im Übrigen "das Verfahren im Vorfeld gemeinsam mit dem Verkehrsministerium, dem Luftfahrtbundesamt sowie der DFS erarbeitet und von diesen Behörden genehmigt bekommen", so Lufthansa-Bereichsvorstand Raps gegenüber dem SPIEGEL.
Der Vulkan Eyjafjallajökull stört am Wochenende erneut Europas Flugverkehr: Besonders betroffen ist nun Südwesteuropa. Die Aschewolke weht auf den Kontinent zu - in Richtung Südfrankreich und Norditalien. Der norditalienische Luftraum sei erneut gesperrt worden, teilte das italienische Amt für Flugsicherheit ENAC mit. Alle Flughäfen im Norden des Landes - mit Ausnahme von Venedig, Triest und Rimini - sollten am Sonntag bis 14 Uhr geschlossen bleiben. Man hoffe aber, die betroffenen Airports schon am späten Vormittag wieder öffnen zu können, sagte der italienische Verkehrsminister Altero Matteoli.
Allein am Frankfurter Flughafen wurden 11 Abflüge und 15 Ankünfte gestrichen, teilte der Flughafenbetreiber Fraport am Sonntag mit. Der größte Teil entfiel auf Verbindungen nach Italien.
Am Samstag hatten 19 Flughäfen in Nordspanien schließen müssen. 600 Flüge wurden gestrichen, betroffen waren Zehntausende Passagiere. Am Sonntag entspannte sich die Situation wieder, zahlreiche spanische Airports konnten ihren Betrieb wieder aufnehmen. Der Großflughafen in Barcelona war bereits am Samstagabend nach einer fünfstündigen Schließung wieder geöffnet worden. Laut staatlichem Rundfunk RNE waren am Sonntag nur noch die Flughäfen von La Coruña, Santiago de Compostela und Vigo im Nordwesten Spaniens geschlossen. Die Sperre sollte bis zum Mittag ebenfalls aufgehoben werden.
Auch in Portugal und Südfrankreich gab es Probleme. Seit Samstagabend wurde der Transatlantik-Flugverkehr von Portugal aus eingeschränkt. Viele Flüge mussten umgeleitet werden, was zu längeren Flugzeiten führte. Die stärksten Einschränkungen galten der portugiesischen Luftfahrtbehörde zufolge für die neun Azoren-Inseln. Sie liegen 1500 Kilometer westlich von Portugal. Auch die Airports der nordportugiesischen Hafenstadt Porto sowie in Lissabon und Faro im Süden des Landes meldeten Beeinträchtigungen. Insgesamt wurden 104 Flüge gestrichen.
kgp/AP/dpa
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meine statement zielte aber lediglich auf die artenvielfalt im münchner flughafensperrgebiet hin, wie schädlich daher start und landebahnen sind für umwelt etc. sieht man da ja *fg* in diesem falle ist es sogar positiv gewesen. [...] mehr...
Das ist wohl die römische Dekatdenz die Westerwelle gemeint hat. (innerdeutsche Flüge) Für einen "Normalbürger" (gut mittlerweile gehören die ja auch schon zur Mittelschicht) lohnt sich ein innerdeutscher Flug, wenn [...] mehr...
Genau: it's a dirty job but someone's gotta do it! Oder so ähnlich... ---Zitat--- []...Meine Fresse, was die Technik so alles bietet. ---Zitatende--- Genau. Ihnen auch noch viel Spaß mit Ihrem MS FS! mehr...
Ich bin immer noch nicht so weich wie Sie. Ich würde auch mal etwas tiefer fliegen (unter der Aschewolke), schon allein um meinen Job zu tun. Aber dafür müssten Sie ja die tolle Sonnenbrille abnehmen und mal aufpassen, was der [...] mehr...
Einflugschneisen sind verboten aber nur solange man sich nicht angemeldet hat. Also sind sie ja doch nicht verboten oder? Oh mein Gott ein Widerspruch. mehr...
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