Berlin - Man kennt das Zeug vom letzten Besuch im China-Restaurant: Klebriger Reis ist zwar nicht jedermanns Sache - vereinfacht das Essen mit Stäbchen aber ungemein. Weil die einzelnen Körner so fest zusammenhalten, lassen sich ganze Brocken von ihnen auf einmal greifen. Für chinesische Baumeister war der ganz spezielle Reis indes lange Zeit mehr als ein Nationalgericht: Er half ihnen schon vor 1500 Jahren beim Anfertigen besonderer Mörtelmischungen.
Wissenschaftler haben nun erstmals den chemischen Mechanismus der ungewöhnlichen Kombination entschlüsseln können. Im Fachmagazin "Accounts of Chemical Research" berichten Bingjian Zhang von der Zhejiang University im chinesischen Hangzhou und zwei Kollegen, dass der bei Bauarbeiten verwendete gelöschte Kalk mit Reissuppe versetzt wurde. Das habe die Mischung fester und widerstandsfähiger gemacht. Der Kombi-Werkstoff sei für Gräber, Pagoden und Stadtmauern eingesetzt worden, berichten die Forscher. Einige der Bauten stünden noch heute - darunter offenbar auch Abschnitte der chinesischen Mauer.
Entscheidend sei ein Stoff namens Amylopectin gewesen, der in der Reissuppe vorkomme, berichten Zhang und seine Kollegen. Dieses Polysaccharid habe dem Mörtel zu seiner legendären Festigkeit verholfen. Außerdem habe die Substanz das Wachstum der Kalziumkarbonat-Kristalle angeregt.
Die Wissenschaftler testeten ihre Ergebnisse auch in der Praxis - und mischten verschiedene Mengen von Reis in Mörtelproben. Dabei fanden sie heraus, dass sich Standfestigkeit und Widerstandsfähigkeit von Gebäuden auf diese Weise tatsächlich erhöhen lassen. Sie empfehlen deswegen den Einsatz der ungewöhnlichen Mischung für die Restaurierung alter Bauten.
chs
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