Von Holger Dambeck
Achtelfinale der Fußballweltmeisterschaft: Frank Lampard zieht aus 17 Metern ab, der Ball knallt an die Unterkante der Querlatte und von dort eindeutig hinter die Linie auf den Rasen. Anschließend springt er wieder aus dem Tor. Der uruguayische Schiedsrichter Jorge Larrionda lässt weiterspielen - seitdem diskutiert nicht nur ganz England über das geklaute Tor.
Dass Lattenknaller hinter der Linie auf den Boden treffen und wieder aus dem Tor herausspringen, ist nicht einmal ungewöhnlich. Wenn ein Ball mit großer Wucht auf einer nahezu waagerechten Flugbahn gegen die Lattenunterkannte fliegt, bekommt er einen Drall. Denn der Ball ist weich, er wird beim Aufprall etwas eingedrückt und rollt ein kleines Stück um die Querlatte nach unten, bis er sich wieder von ihr löst. Die Kugel rotiert dann wie ein angeschnittener Tischtennisball und springt auf verblüffende Weise aus dem Tor heraus.
Von der Tribüne aus war das Tor der Engländer leicht zu erkennen, vor allem wenn man in Höhe der Grundlinie saß. Für die Unparteiischen ist die Entscheidung schwerer, denn ihre Perspektive ist nicht die beste. Der Linienrichter steht fast 40 Meter von der Tormitte entfernt - und nur selten genau auf der Grundlinie. Auch der Schiedsrichter blickt aus relativ spitzem Winkel auf die Torlinie - er hat nicht so eine gute Draufsicht wie die meisten Stadionbesucher. Weil der Aufprall eines Fußballs auf dem Rasen nicht einmal eine Hundertstelsekunde dauert, kann auch er sich täuschen.
Die Entscheidung wirkt aus heutiger Perspektive geradezu absurd. "Wir sind alle der Meinung, dass die Technologie aus dem Spiel herausgehalten werden muss", erklärte Valcke. "Das Einzigartige sind die Menschen." Fehler werde es immer geben, "aber lasst uns den Fußball so erhalten, wie er ist". Jonathan Ford vom Waliser Verband ergänzte damals: "Strittige Entscheidungen sind doch gerade das Schöne an diesem Sport."
Krasse Fehlentscheidungen sind freilich alles andere als schön - das hat nun offenbar auch Fifa-Präsident Sepp Blatter eingesehen: Er kündigte an, über technische Hilfsmittel nun zumindest debattieren zu wollen.
SPIEGEL ONLINE stellt Technologien vor, mit denen sich Fehlentscheidungen vermeiden lassen:
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Es gibt Szenen, die trotz Videoanalyse einfach nicht aufzuklären sind. Bei Abseitsentscheidungen ist der Moment der Ballabgabe meist mehr oder weniger geschätzt und auch bei Foulspiel wird oft genug gestritten ob es eins war [...] mehr...
Dass sich hier ein Schiedsrichter und mit ihm eine Weltorganisation namens FIFA durch eine derart krasse Fehlentscheidung bloßstellt, ist höchst peinlich. Wer sich als "Fußball-Romantiker" solche Fehlentscheidungen [...] mehr...
Völlig richtig und durchschaubar. Der einzige Mensch der auf dem Spielfeld wirklich stört, ist der Schiri. Wer braucht diese Pfeife, die durch Bestechung oder Willkür ein Spiel entscheidet? mehr...
Ich kann diese Antiphatie gegen die Technik nachvollziehen, aber wie wäre es mit einem fünften Unparteischen, der die Live-Fernsehbilder (aller Kameras) verfolgt und nur eine rein beratene Funktion des Hauptverantwortlichen hat [...] mehr...
die Frage ist doch eher die, was daran zu verdienen ist.... sein es von Seiten der Schiedsrichter oder der FIFA.... Der Herr B. hat doch in all dieser Zeit eine Nebenwelt aufgebaut, die ihm und all seinen Mitpsielern nur eines [...] mehr...
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