Man kann dem "Bloodhound Supersonic Car" (SSC) nur wünschen, dass es sich eines Tages schneller fortbewegen wird, als es seine Entwicklung tut. Bereits 2008 wurden erste Computerbilder des Autos veröffentlicht, das eine Geschwindigkeit von mehr als 1000 Meilen pro Stunde erreichen soll. Das entspräche etwa 1600 km/h und läge deutlich über der Schallgeschwindigkeit, die auf Meereshöhe etwa 1200 km/h beträgt. Als Fahrer wurden Andy Green auserkoren. Er war 1997 der Erste, der mit einem Landfahrzeug die Schallmauer durchbrach: Im "Thrust Supersonic Car" erreichte er ein Tempo von 1228 km/h.
Jetzt wurde auf der internationalen Flugshow im britischen Farnborough das neue raketengetriebene Geschoss erstmals in seiner endgültigen Form vorgestellt. Drei Jahre lang habe man an der Aerodynamik des knapp 13 Meter langen Gefährts gearbeitet, sagte Mark Chapman, Chefingenieur des Projekts. "Wir haben außerdem einen Plan zur Herstellung des Autos", sagte er.
Das Luftfahrtunternehmen Hampson Industries werde im ersten Quartal 2011 beginnen, das Heckteil des Fahrzeugs zu bauen. Ein Vertrag mit einer weiteren Firma zur Herstellung der Front sei kurz vor dem Abschluss. "Wir hoffen, dass wir das Fahrzeug Ende 2011 oder Anfang 2012 in Großbritannien auf die Piste bringen können", sagte Chapman der BBC.
Sollten bei diesen Versuchen nichts schiefgehen, werde man das Überschallauto direkt nach Südafrika verschiffen. In einem ausgetrockneten See, dem Hakskeen Pan, soll dann der Angriff auf den Weltrekord für Landgeschwindigkeiten stattfinden. Den hält derzeit Andy Green.
Elf Tonnen Auftrieb
Sollte das "Bloodhound SSC" eines Tages fertiggestellt sein, soll es rund sechs Tonnen wiegen. Für den nötigen Schub sorgen zwei übereinanderliegende Motoren: Das aus dem Eurofighter stammende Turobofan-Triebwerk EJ 200 und ein zusätzliches Raketentriebwerk. An dieser Stelle ist auch die auffälligste Veränderung gegenüber früheren Entwürfen erkennbar: Während der Raketenmotor anfangs oben war, sitzt er nun unterhalb des EJ 200. Zusammen sollen die beiden Triebwerke rund 135.000 PS leisten.
Eine der größten Sorgen bei der Konstruktion von Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen ist, dass das Vehikel bei hohem Tempo abhebt. Das hätte bei der "Bloodhound SSC" vermutlich den Tod des Piloten zur Folge. Tatsächlich soll das Design in den ersten Simulationen gefährlich hohen Auftrieb erzeugt haben, berichtet die BBC. Das Problem habe man aber inzwischen in den Griff bekommen, wie die Verantwortlichen des "Bloodhound"-Projekts betonen.
Durch Veränderungen am Heck werde die Schockwelle, die bei hohen Geschwindigkeiten entsteht, nun um das Fahrzeug herumgeführt. "Zwischen November und März ist es uns gelungen, die elf Tonnen Auftrieb auf Null zu reduzieren", sagte Chapman. Die Aerodynamik, die man nun am Modell sehe, sei "sehr stabil".
Inzwischen arbeite man an Systemen wie den Luftbremsen und der Kühlung der Motoren. Bei der enormen Geschwindigkeit, die "Bloodhound SSC" erreichen soll, werden selbst einfach anmutende Bauteile zu Hightech-Produkten - wie etwa die Räder, die bei 1600 km/h etwa 10.000 Umdrehungen pro Minute erreichen sollen. Auf die Felgen wird dann voraussichtlich die 50.000-fache Erdanziehungskraft wirken.
mbe
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Technik | RSS |
| alles zum Thema Kuriose Technik | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH