London - Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist einer Untersuchung des Ölkonzerns BP zufolge einer Reihe technischer und menschlicher Fehler geschuldet. Unter anderem hätten BP-Ingenieure die Ergebnisse eines Drucktests falsch bewertet, teilte BP in London mit. Zudem hätten Sicherheitsvorrichtungen versagt. Allerdings weist der britische Energiekonzern die alleinige Verantwortung zurück: Es müssten auch andere Firmen, die an der Ölförderung auf der explodierten Plattform "Deepwater Horizon" des Betreibers Transocean beteiligt waren, Verantwortung für den Unfall und die Umweltkatastrophe tragen. Entscheidungen von "vielen Firmen und Arbeitsgruppen" hätten zu dem Unfall beigetragen.
Ausdrücklich erwähnte BP die Firmen Halliburton, die für die Zementierung des Bohrlochs zuständig war, und Transocean; beide seien an der Tragödie "beteiligt". Halliburton habe bei der Betonierung des Bohrlochs mangelhaft gearbeitet. Transocean-Arbeiter hätten versäumt, das Leck zu erkennen. Transocean habe durch Kostensenkungen ein erhöhtes Unfallrisiko in Kauf genommen. Der Anwalt von Transocean sagte, seine Firma wollte den BP-Report nicht kommentieren. Das Unternehmen kündigte an, eine eigene Untersuchung des Unglücks vorlegen zu wollen. Man warte noch auf entscheidende Daten von BP.
"Wir haben von Anfang an gesagt, dass mehrere Beteiligte Verantwortung für die Explosion auf der 'Deepwater Horizon' tragen", sagte der künftige BP-Chef Bob Dudley. Es handele sich um eine komplexe Verkettung von Umständen, die "technisches Versagen, menschliche Urteile, die Konstruktion" sowie ein Versagen der Kommunikation beträfen. Die vielkritisierte Ölbohrung selbst habe wahrscheinlich nicht zu dem Unfall beigetragen, hieß es in dem am Mittwoch auf der BP-Website veröffentlichten Bericht.
Die Unglücksursache ist dem Bericht zufolge höchst komplex. So habe eine Barriere aus Zement an der Quelle nicht richtig funktioniert. Dadurch seien Gas und Flüssigkeit in ein Produktionsrohr gelangt. Die Transocean-Mannschaft habe 40 Minuten lang den Ernst der Lage verkannt und nichts gegen das Problem unternommen, erklärte BP.
Die Gutachter berichten, dass die Explosion der Bohrinsel von einer Blase Erdgas ausgelöst wurde, die aus der Ölquelle durch das Bohrloch nach oben schoss. Die Gasblase blähte sich auf, zerstörte mehrere Dichtungen und entzündete sich schließlich. Doch unklar bleibt, warum das Gas aus der Ölquelle entkam. Eigentlich hätte das Bohrventil, der sogenannte "Blowout Preventer", den Ausstrom stoppen sollen. Warum das 300 Tonnen schwere und 15 Meter lange Gerät versagte, bleibt unklar. Es hätte nach der Explosion der Ölplattform eigentlich verhindern sollen, dass Öl aus dem Bohrloch austritt.
Erste Alarmzeichen fünf Stunden vor der Explosion
Der erst am vergangenen Wochenende geborgene "Blowout Preventer" soll von der Nasa in New Orleans untersucht werden. Er gilt als wichtiges Beweisstück zur Klärung der Frage, wer für die Umweltkatastrophe haftbar ist. Bislang sind die einzigen Anhaltspunkte Datenaufzeichnungen, wonach das Ventil ein Hydraulikleck aufwies und die Batterie eines Sicherheitsschaltkreises schwach oder leer war.
Zeugen berichteten, dass es bereits fünf Stunden vor der Explosion Anzeichen für Probleme mit dem "Blowout Preventer" gegeben habe. Minuten vor dem Unglück hätten sich Arbeiter über Probleme mit dem Druck an dem Ventil unterhalten.
Für BP hat sich die Ölkatastrophe auch zum wirtschaftlichen Desaster entwickelt. Die BP-Aktie baute nach Veröffentlichung des Berichts ihre Gewinne aus und legte 2,3 Prozent zu.
Die Bohrinsel "Deepwater Horizon" war im April im Golf von Mexiko explodiert. Das Unglück hatte elf Menschen in den Tod gerissen. Bis zum Verschluss des Öllecks waren etwa 780 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko geflossen, da das Leck in der Tiefe nur schleppend repariert werden konnte. Das Unglück gilt als die schwerste Ölkatastrophe in der Geschichte der USA.
Derzeit laufen mehrere Untersuchungen des Unglücks, unter anderem in den USA. Wichtige Informationen zum Hergang der Katastrophe stünden noch aus, erklärt BP.
boj/dpa/rtr/AP/AFP
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