11 entscheidende Minuten 2011: Tragödie in zwei Akten

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11. März 2011, 14.46 Uhr: Im Pazifik vor der japanischen Küste bebt die Erde. Die folgende Tsunami-Welle reißt bis zu 20.000 Menschen in den Tod, zermalmt ganze Städte - und lässt das AKW Fukushima explodieren. Bis heute tut sich das Land schwer, die Katastrophe aufzuarbeiten.

REUTERS/ NTV

Freitag, 11. März 2011, 14.46 Uhr, 380 Kilometer nordöstlich von Tokio im Pazifischen Ozean: In 60 Kilometern Tiefe unter der Wasseroberfläche entlädt sich in Bruchteilen einer Sekunde eine gewaltige Spannung zwischen zwei Kontinentalplatten. Eine von ihnen, die japanische, macht einen Ruck nach oben und versetzt die Wasseroberfläche in Bewegung.

Die Folgen: Ein Erdbeben der Stärke 9,0 und riesige Wellen, die sich in Richtung der japanischen Küste wälzen. Zu haushohen Monstern aufgetürmt schwappen sie über das Land und richten unverstellbare Verwüstungen an. Sie bringen den Tod: In den Listen der Behörden werden heute rund 20.000 Tote und Vermisste gezählt.

Die japanische Nation steht noch unter Schock, als sich in diesen schmerzlichen Momenten eine zweite Katastrophe anbahnt, die für immer mit der Geschichte des Landes verknüpft sein wird: Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi fällt durch das Beben und den Tsunami - die Welle ist viel höher als die Schutzmauer des AKW - der Strom aus. Um 15.41 Uhr setzen auch die Notstromaggregate aus.

Plötzlich ist ein Alptraum Realität: Die Reaktoren sind ohne Kühlung, der Druck in den Kernen steigt unkontrolliert.

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Katastrophe in Japan: Der Tsunami und der Super-GAU
Alle Bemühungen, den GAU zu verhindern, scheitern: Am 12. März um 15.36 Uhr explodiert Block 1. Die Wasserstoffdetonation zerreißt das Dach, und eine radioaktive Wolke steigt in die Luft. Zwei weitere Explosionen ereignen sich in den nächsten drei Tagen. Was folgt ist eine endlose Kette von fatalen Ereignissen, die über Wochen und Monate das vorherrschende Thema in den Medien werden.

Im Umkreis von 30 Kilometern um das AKW wird eine Sperrzone eingerichtet. Wegen der Radioaktivität müssen mehr als 100.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Sie ziehen zu Verwandten oder Freunden oder wohnen seither in Zwischenbehausungen. Zurückgelassen haben die Geflüchteten ein Areal voller Geisterstädte, die niemand mehr betreten darf. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis das Gebiet wieder bewohnbar sein wird und die Menschen in ihre Heimat zurückkehren können.

Die nukleare Katastrophe stürzte das Land ins Chaos - und sie hat das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung erschüttert, die den Menschen stets versichert hatte, dass es keine Atomunfälle geben werde. Aber der GAU kam doch, und plötzlich übten selbst die sonst zurückhaltenden Japaner Kritik. Der Zorn, gemischt mit einer tiefen Trauer, führte sie zu Tausenden auf die Straße, um gegen Atomkraft zu demonstrieren. Im Vergleich zum Sturm der Entrüstung, der in Deutschland ausbrach und sogar zum Ausstieg aus der Kernenergie führte, waren die Proteste aber immer noch verhalten.

Und es ist fraglich, ob die Anti-AKW-Bewegung in Japan Bestand haben wird, denn die Nation, zu deren Werten insbesondere Disziplin, Zurückhaltung und Ordnung zählen, ist nicht für ihre Protestkultur bekannt. Zudem war Atomkraft schon immer einer der wichtigsten Wirtschaftspfeiler in Japan, der Einfluss der Atomlobby in Regierung und Gesellschaft ist groß. 58 Reaktoren sorgten dafür, dass in Japan nicht die Lichter ausgehen, sie decken 80 Prozent des gesamten Strombedarfs ab.

Der Widerstand ist leiser geworden

Neun Monate sind seit der Katastrophe vergangen. Wo einst in Tokio große Menschentrauben vor der Zentrale des Betreibers Tepco oder vor den Gebäuden der Regierungsbehörden standen, bleiben die Straßen nun leer. Nur noch selten verirren sich vereinzelt Demonstranten dorthin. Große Protestkundgebungen hat es hier schon lange nicht mehr gegeben.

Wie kann eine Nation mit einer Katastrophe dieser Dimension umgehen? Sowohl die Gesellschaft als auch die Regierung wirken unschlüssig und ratlos. Nicht viel anders ist die Lage auf dem havarierten AKW-Gelände Fukushima Daiichi. Seit dem Unfall versucht Tepco, die Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen. Oft wirkten die Bemühungen verzweifelt, vieles nur improvisiert. Wasser ist zum Schreckgespenst der Arbeiter geworden, denn das Nass hat zwei Seiten: Es wird dringend gebraucht, um die überhitzten Reaktorkerne zu kühlen. Weil es aber dabei kontaminiert wird, sammeln sich Tonnen über Tonnen der strahlenden Brühe an. Zudem sickert weiterhin radioaktives Wasser aus Rissen in den Meilern - so gelangt weiterhin Radioaktivität in die Umwelt.

Knapp 20.000 Arbeiter haben seit dem Unfall in der AKW-Ruine gearbeitet und ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt - meistens für wenig Geld. Aber sie haben kaum eine Wahl. In der Gegend gibt es nur noch wenig andere Arbeit.

Und die Gesundheit der Bevölkerung? Kontaminiertes Rindfleisch, belastete Proben von Baby-Milchpulver, erhöhte Radioaktivitätswerte bei Reis. Tag für Tag stehen die Menschen vor der Entscheidung, was man noch essen sollte und was nicht.

Teile der betroffenen Bevölkerung sollen in Zukunft medizinisch beobachtet werden. Doch viele Experten sind sich einig: Am Ende wird man aus den Statistiken keine belastbaren Zahlen ableiten können, die einen gesicherten Zusammenhang zwischen der Atomkatastrophe und möglichen Krebserkrankungen der Japaner beweisen könnten. Aus der Forschung in Hiroshima, Nagasaki und Tschernobyl weiß man, dass es unterhalb einer jährlichen Strahlendosis von 100 Millisievert keinerlei Belege für erhöhte Krebsraten gibt. Die maximal erlaubte Jahresdosis für Einwohner liegt in Japan nunmehr bei 20 Millisievert pro Jahr.

Den Opfern der nuklearen Katastrophe haben der AKW-Betreiber Tepco und die Regierung eine Entschädigung zugesagt. Wie hoch sie sein wird, darüber wird derzeit heftig gestritten. Aber die Ängste der Bevölkerung lassen sich nicht mit Geld aufwiegen - und bisher hat noch niemand auch nur einen Yen gesehen.

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1. Die
chico 76 19.12.2011
Zitat von sysop11. März 2011, 14.46 Uhr: Im Pazifik vor der japanischen Küste bebt die Erde. Die folgende Tsunami-Welle reißt bis zu 20.000 Menschen in den Tod,*zermalmt ganze Städte - und lässt das AKW Fukushima explodieren. Bis heute tut sich das Land schwer, die Katastrophe aufzuarbeiten. 11 Minuten in 2011 - Katastrophe in Japan: Tragödie in zwei Akten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,804258,00.html)
japanische Bevölkerung geht erstaunlich rational mit der Katastrophe um. Das ist richtig so, die Fakten lassen sich nicht rückgängig machen, die Probleme nur eindämmen. Dabei macht man offensichtlich Fortschritte. Jetzt geht es darum, die Schäden so gering wie möglich zu halten und für die Zukunft zu planen. Hut ab vor einer Bevölkerung, die sich nicht der Hysterie hingibt. Bei uns nicht vorstellbar, hier demonstrieren schon ...zigtausende wegen dem Juchtenkäfer, mit Erfolg.
2.
no-panic 19.12.2011
Ja. Den Bewohnern der von Tsunami und Erdbeben betroffenen Gebiete gebührt Respekt. Weiterhin muss man ihnen die Daumen drücken, daß sie in diesem dichtbesiedelten Land ein neues Zuhause finden. So, wie man Japaner kennt, würden die jetzt wahrscheinlich nichts lieber tun, als ihre Häuser wieder aufbauen und ihre Gärten und Felder wieder auf Vordermann bringen, ihr Vieh wieder einsammeln und neu beginnen. Leider bleibt den Meisten dies verwehrt, sie werden ihr Land nie wieder betreten können, vielleicht können die Enkel ihrer Enkel dereinst einmal Ansprüche geltend machen. Diese Katastrophe hat den Japanern wirklich böse mitgespielt, Jahrtausenderdbeben, Tsunami und dann der GAU. Man kann von hier aus nur Kraft und Einsicht wünschen. MfG np
3. Was passierte wirklich - und wo lagen die Mängel?
KlausErmecke 23.12.2011
Zitat von sysop11. März 2011, 14.46 Uhr: Im Pazifik vor der japanischen Küste bebt die Erde. Die folgende Tsunami-Welle reißt bis zu 20.000 Menschen in den Tod,*zermalmt ganze Städte - und lässt das AKW Fukushima explodieren. Bis heute tut sich das Land schwer, die Katastrophe aufzuarbeiten. 11 entscheidende Minuten*2011: Tragödie in zwei Akten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,804258,00.html)
Wir haben etwas länger recherchiert als die Autorin des Artikels und herausgefunden, was an den japanischen Reaktoren tatsächlich "faul" war. Denn es waren gar nicht alle Notstromdiesel ausgefallen. Und selbst wenn sie alle ausgefallen wären, hätte das immer noch nicht zu einer Kernschmelze führen dürfen. Und erst recht nicht zu explosionen. Bei schweizerischen oder deutschen Reaktoren wäre jedenfalls nichts passiert. Unsere Analyse gibt es - wenn die Moderation gestattet - hier: www.ke-research.de/downloads/FukushimaDesaster.pdf
4. .........
Hannovergenuss 23.12.2011
Viele sind doch längst zurückgekehrt! 45.000 sind schon wieder dort. 4500 Leute wurden bisher gescannt, belastet ist niemand und auf dem Schulhof in Minamisoma misst man 0,096 Mikrosievert pro Stunde..... 650 Menschen starben durch den Tsunami. Japans Atomkatastrophe: An der Sperrzone um Fukushima beginnt das Leben neu | Wissen | ZEIT ONLINE (http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-12/minamisoma-japan-sperrzone)
5. Tecpo hat bereits Überbrückungszahlungen geleistet
miluethi 23.12.2011
Zitat von sysop11. März 2011, 14.46 Uhr: Im Pazifik vor der japanischen Küste bebt die Erde. Die folgende Tsunami-Welle reißt bis zu 20.000 Menschen in den Tod,*zermalmt ganze Städte - und lässt das AKW Fukushima explodieren. Bis heute tut sich das Land schwer, die Katastrophe aufzuarbeiten. 11 entscheidende Minuten*2011: Tragödie in zwei Akten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,804258,00.html)
[...] und bisher hat noch niemand auch nur einen Yen gesehen. Dieses Statement ist falsch. Tecpo hat bereits Überbrückungszahlungen in Milliardenhöhe (Euros, nicht Yen!!!) geleistet, davon alleine im Mai 2011 430 Millionen.
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Zur Autorin


Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
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Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.