Abgefangene US-Drohne: So wertvoll ist Irans Beutestück

Von

Vom Erzfeind lernen, heißt spionieren lernen: Iran will die Technologien der erbeuteten US-Spionagedrohne RQ-170 analysieren und nachbauen. Nicht möglich, wiegeln die Amerikaner ab - und wirken zugleich höchst dünnhäutig. Wie wertvoll ist die Drohne wirklich?

Iran analysiert US-Drohne: Lernen vom Erzfeind Fotos
REUTERS/ Sepah News

Irgendwo in Iran beschäftigen sich seit Tagen Technikexperten und Wissenschaftler rund um die Uhr mit der erbeuteten US-Spionagedrohne vom Typ RQ-170. Iran kündigte an, die Technologien mit Methoden des sogenannten Reverse Engineering erst analysieren, dann kopieren zu wollen. Eine realistische Drohung?

Eine Spionagedrohne ist kein bloßes Fernlenkflugzeug: Sie fußt auf zahlreichen verschiedenen Technologien, die sie zu einem effektiven Werkzeug machen. Die besonders wertvollen Kerntechnologien umfassen folgende Bereiche:

  • Tarntechnik: Methoden und Materialien, um den Flugkörper für Radargeräte und andere Detektionstechniken schwerer erfassbar zu machen;
  • Avionik: Flug- und Steuerungselektronik für die notorisch schwierig zu fliegenden und zu kontrollierenden Drohnen;
  • Sensorik: Kameras, Lauschapparate, Messgeräte für verschiedene Zwecke wie Strahlungs- oder Chemikaliendetektion, hochentwickeltes Radar etc.;
  • Kommunikationstechnik inklusive Datenverschlüsselung.

Einiges von diesem Know-how ist höchst wertvoll, anderes weniger. Aus iranischer Perspektive bemisst sich der Wert des Beutestücks zudem an verschiedenen Nutzen, die Teheran daraus - abgesehen von propagandistischen Effekten - prinzipiell ziehen könnte:

  • Abwehrmethoden: Könnte eine Analyse der Tarntechnik dazu beitragen, diese Tarntechniken auszuhebeln?
  • Aufrüstung: Erkenntnisgewinn, der zum Bau eigener Tarndrohnen genutzt werden könnte.

Umstritten ist, welche Technologien die Iraner mit oder ohne externe Hilfe analysieren und dann auch nutzen können - und was für einen Wert sie tatsächlich hätten.

In den US-Medien meldeten sich bisher vor allem Vertreter regierungsnaher Think-Tanks zu Wort, die Iran entweder die Möglichkeit absprechen, Analyse und Kopie der Drohnen-Technik zu beherrschen oder den Wert der Drohnen-Technologie prinzipiell in Zweifel ziehen. Beides stimmt so pauschal wohl nicht.

Die USA selbst haben den Wert ihrer Drohnen und ihren Vorsprung vor den Technologien anderer Länder dadurch dokumentiert, dass sie diese Technologien bisher nicht einmal mit ihren Verbündeten teilten. Mit Ausnahme Großbritanniens gestand man noch keinem Bündnispartner die Nutzung moderner US-Stealth- und Kampfdrohnentechnik zu.

Die RQ-170, deren Entwicklung um 2004 begonnen haben mag und deren Existenz erst seit Ende 2009 bestätigt ist, dürfte auf dem neuesten Stand sein. Was sie genau leistet, ist nicht bekannt. Trotzdem lassen sich zu Wert und Verwertbarkeit der erbeuteten Technologien zumindest begründete Vermutungen anstellen.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 61 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. sieht doch
flower power 16.12.2011
klasse aus. Scheint auch alles Technische noch intakt zu sein. So hätte man die Drohne ja gleich mit LC liefern können.
2. Iran
kosmohuman 16.12.2011
Zitat von sysopVom Erzfeind lernen, heißt spionieren lernen: Iran will die Technologien der erbeuteten US-Spionagedrohne RQ-170 analysieren und nachbauen. Nicht möglich, wiegeln die Amerikaner ab - und*wirken*zugleich höchst dünnhäutig.*Wie wertvoll ist die Drohne wirklich? Abgefangene US-Drohne: So*wertvoll ist Irans Beutestück - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,803854,00.html)
hat die Technik noch nicht, die Drohne nachzubauen! Sie sind nicht mal in der Lage, Teile für die 40 Jahre alten Passagierflugzeuge nachzubauen, geschweige von modernsten Drohnen! Es wird ein Deal geben, zwischen USA und IRAN, Drohne gegen Flugzeugteile! Darauf pochen die Mullahs. Die Russen und Chinesen sind auch interessiert, werden aber leer ausgehen!
3. Teile der Software
hmueller0 16.12.2011
Zitat von sysopWenig wahrscheinlich ist auch, dass all die Technologien, die in der Drohne verbaut sind, auch von ihrer Software-Seite analysierbar sein werden. Über die Hardware zu verfügen bedeutet nicht, sie auch nutzen zu können - dafür braucht es die entsprechende Software. Die aber haben die Iraner nicht oder nur in Teilen/0,1518,803854,00.html[/url]
Ich würde sagen das kommt darauf an. Es könnte durchaus sehr interessant sein zu analysieren, wie die Kommunikation der Drohne mit der Zentrale/Leitstand funktioniert und ggf. welche Commandos es gibt, wie/welche Daten übertragen werden etc. Hier ist natürlich die Frage, ob bei der Entwicklung der Drohne, so wie es eigentlich zu erwarten wäre, alle modernen Methoden der Authentifizierung und Verschlüsselung verwendet wurden oder statt dessen irgendwas "Selbstgestricktes" verwendet wurde.
4. Die Avionik
felisconcolor 16.12.2011
Zitat von kosmohumanhat die Technik noch nicht, die Drohne nachzubauen! Sie sind nicht mal in der Lage, Teile für die 40 Jahre alten Passagierflugzeuge nachzubauen, geschweige von modernsten Drohnen! Es wird ein Deal geben, zwischen USA und IRAN, Drohne gegen Flugzeugteile! Darauf pochen die Mullahs. Die Russen und Chinesen sind auch interessiert, werden aber leer ausgehen!
gibt es für rund 30 Euro bei ebay zu kaufen. ist zwar in der Größe nur für Kleinflieger und Copter zu gebrauchen aber das Prinzip ist im Grunde das Gleiche. Also auch wirklich nichts neues und vor allen Dingen schon lange Open Source. Also who cares Ach so im Iran hat man nur beschränkten Zugriff auf das Internet das wird das eigentliche Problem sein ;-)
5. Die Behauptung Irans, die Drohne unter ihre Kontrolle gebracht zu haben
karmamarga 16.12.2011
um sie dann zu landen ist wohl ziemlich hoch gegriffen. Dazu hätten die erstens um als erstes um die Existenz dieser Drohne wissen und zweitens das elektronische Fenster für die Avionik kennen müssen. Jetzt allerdings ist anzunehmen, dass die das mit der Hilfe der Chinesen rauskriegen. Die Sicherheit ist dann wohl für diese Technik dahin. Iran ist da kein Entwicklungsland und gibt auch gerne weiter ISN 2006/09: [ISN] Hezbollah cracked the code (http://lists.jammed.com/ISN/2006/09/0085.html)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Technik
RSS
alles zum Thema Drohnen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 61 Kommentare
  • Zur Startseite

Fotostrecke
Drohnen im Einsatz: Krieg per Mausklick
Fotostrecke
Drohnenkrieg der CIA: Prominente Opfer

Fotostrecke
Grafiken: US-Drohnen
Die wichtigsten Drohnentypen
"MQ-1 Predator"
Die "MQ-1 Predator" war im Jahr 1995 die erste Drohne, die bei der US-Luftwaffe zum Einsatz kam.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: rund 4.5 Millionen Dollar
Bewaffnung: zwei Luft-Boden-Raketen "AGM-114 Hellfire"
Maße: 8,23 m lang, 14,84 m Flügelspannweite
Reichweite: 3704 km
Flughöhe: max. 7620 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"MQ-9 Reaper"
Die "MQ-9 Reaper"(früher "Predator B") basiert technisch gesehen auf der "MQ-1 Predator". Sie ist aber für den Angriff optimiert, da sie die zehnfache Waffenlast im Vergleich zum Ursprungsmodell befördern kann. Eingesetzt wird sie von der US-Marine und Luftwaffe.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: 10,5 Millionen Dollar
Bewaffnung: bis zu 1361 kg
(z.B. Raketen der Typen "AGM-114 Hellfire" und "AIM-9 Sidewinder" oder Bomben der Typen "GBU-12 Paveway II" und "GBU-38 DAM")
Maße: 10,97 m lang, 20,12 m Flügelspannweite
Reichweite: 5926 km
Flughöhe: max. 15.400 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"RQ-7 Shadow 200"
Die "RQ-7 Shadow 200" dient bei der US Army und dem US Marine Corps zur Aufklärung. Sie ist seit 2003 im Einsatz und kann keine Ziele angreifen.

Hersteller: AAI Corporation
Stückpreis: 275.000 Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 3,4 m lang, 3,9 m Flügelspannweite
Reichweite: 125 km
Flughöhe: max. 4600 m
Steuerung: autonom, mit GPS
"RQ-4 Global Hawk" / "Euro Hawk"
Die "RQ-7 Global Hawk" wird als Langstrecken-Aufklärungsdrohne eingesetzt. Sie existiert in zwei Versionen. Die spätere (RQ-4B) wurde auch von der Bundeswehr als "Euro Hawk" eingeführt, ausgestattet mit Sensoren der deutschen EADS. Die Drohne ist wesentlich größer als "Predator", "Reaper" und "Shadow" und mit einem Strahltriebwerk ausgestattet.

Hersteller: Northrop Grumman
Stückpreis: 35 Millionen Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 13,53 m lang, 35,42 m Flügelspannweite (RQ-4A) bzw. 14,50 m lang, 39,89 m Flügelspannweite (RQ-4B)
Reichweite: 25.000 km (RQ-4A) bzw. 22.780 km (RQ-4B)
Flughöhe: max. 19.800 m
Steuerung: autonom, mit GPS