Absturz von AF 447 Kieler Forscher steigen bei Wrack-Bergung aus

"Zu hohe psychische Belastung": Das Kieler Forschungsinstitut IFM-Geomar beteiligt sich nach SPIEGEL-Informationen nicht an der Bergung des Wracks der abgestürzten Air-France-Maschine im Südatlantik. Ihr Tauchroboter hatte zahlreiche Trümmerteile aufgespürt.

Abtauchen in die Tiefsee: Kieler U-Boot erspähte Wrackteile
DDP/ IFM-GEOMAR

Abtauchen in die Tiefsee: Kieler U-Boot erspähte Wrackteile


Das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-Geomar wird sich nicht an der Bergung von Wrackteilen der im Juni 2009 abgestürzten Air-France-Maschine beteiligen. "Das wäre für die Wissenschaftler psychisch zu belastend", sagte Direktor Peter Herzig dem SPIEGEL. Sein Kieler Institut hatte mit einem Unterwasserroboter an der Suchaktion im Atlantik mitgewirkt.

Das Gefährt funkte zusammen mit zwei ähnlichen Geräten aus den USA mehrere tausend Bilder von dem Trümmerfeld hinauf zu Wissenschaftlern an Bord des Forschungsschiffs "Alucia" - an Bord waren auch zwei Mitarbeiter des Kieler Instituts. Zu erkennen sind auf den Bildern unter anderem Körperteile und Leichen; einige Absturzopfer befinden sich noch immer angeschnallt in ihren Sitzen.

Im kommenden Monat wird unter anderem ein französisches Kriegsschiff damit beginnen, die Wrackstücke vom Meeresgrund zu bergen, allen voran das Heckteil, das auf den Unterwasserfotos deutlich zu sehen ist. Darin vermuten die französischen Unfallermittler die Flugschreiber des Airbus A330.

Der Absturz des Flugs AF 447, bei dem am 1. Juni vor zwei Jahren 228 Menschen ums Leben kamen, ist noch immer nicht aufgeklärt. Hinweise auf die Ursache könnte der Flugschreiber liefern. Noch besteht Hoffnung, das Gerät bergen zu können.

Das IFM-Geomar in Kiel hatte seinen Tauchroboter vor einem Jahr nach Brasilien geschickt, auf Anfrage von Airbus und Air France. Der Roboter kann bis zu 6000 Meter tief tauchen und dabei hochauflösende Kartierungen vornehmen. Selbst Objekte von der Größe eines Schuhkartons entdeckt das Gerät.

Der vier Meter lange und knapp 900 Kilogramm schwere U-Boot-Roboter verfügt über Echolot und Sonar-Systeme, die Schallwellen an den Meeresboden schicken. Das Echo der Wellen gibt Aufschluss über Objekte am Meeresgrund. Zudem verfügt das Mini-U-Boot über Fotokameras, Thermometer, Druck- und Partikelsensoren. Seine Lithiumbatterien ermöglichen 22 Stunden lange Exkursionen.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 116 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
titeroy 16.04.2011
1. Erstaunlich?
Zitat von sysopZu hohe psychische Belastung: Das Kieler Forschungsinstitut IFM-Geomar beteiligt sich nicht an der Bergung des Wracks der abgestürzten Air-France-Maschine im Südatlantik. Ihr Tauchroboter hatte zahlreiche Wrackteile aufgespürt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,757492,00.html
und weiter: Ja was sonst? Sollen die sich nach dem Ableben abschnallen und es sich dann fuer das 'Aprés vie' gemuetlich machen?
RaMaDa 16.04.2011
2. Wehe wir brauchen mal Hilfe!
Gibt es überhaupt noch etwas, wo sich Deutsche beteiligen - außer vielleicht an einer "Dagegenparty"?
Hercules Rockefeller, 16.04.2011
3. Lächerlich
Also langsam wirds albern hoch drei! Welche psychische Belastung denn bitte? Es geht hier schließlich darum, verstorbenen Menschen und ihren Angehörigen ein anständiges Begräbnis zu ermöglichen! Wenn also schon positive Umstände eine psychische Belastung ausmachen, dann sollte man sämtliche Gelder fürs Geomar streichen. Nicht auszudenken, was mit den Forscherlis passieren könnte, wenn sie erfahren, dass im Schlemmerfilet ein toter Fisch steckt? Nachher tun die sich noch was an...
maussuam 16.04.2011
4. Gar nicht lächerlich
Zitat von Hercules RockefellerAlso langsam wirds albern hoch drei! Welche psychische Belastung denn bitte? Es geht hier schließlich darum, verstorbenen Menschen und ihren Angehörigen ein anständiges Begräbnis zu ermöglichen! Wenn also schon positive Umstände eine psychische Belastung ausmachen, dann sollte man sämtliche Gelder fürs Geomar streichen. Nicht auszudenken, was mit den Forscherlis passieren könnte, wenn sie erfahren, dass im Schlemmerfilet ein toter Fisch steckt? Nachher tun die sich noch was an...
Mit wieviel Leichen hatten Sie denn bisher zu tun? Ich täte mich mit z.T. entstellten, angeknabberten, zerfetzten oder verwesesten Leichen zeimlich schwer. Zumindest zwingen sollte man dazu niemanden.
spiegellaser 16.04.2011
5. Bergung
Zitat von Hercules RockefellerAlso langsam wirds albern hoch drei! Welche psychische Belastung denn bitte? Es geht hier schließlich darum, verstorbenen Menschen und ihren Angehörigen ein anständiges Begräbnis zu ermöglichen! Wenn also schon positive Umstände eine psychische Belastung ausmachen, dann sollte man sämtliche Gelder fürs Geomar streichen. Nicht auszudenken, was mit den Forscherlis passieren könnte, wenn sie erfahren, dass im Schlemmerfilet ein toter Fisch steckt? Nachher tun die sich noch was an...
Ganz Ihrer Meinung! Die Verantwortlichen von IFM-Geomar sollten sich mal vorstellen, wie sie empfinden würden, wenn es um ihre Angehörigen gehen würde. Niemand sollte sein Leben riskieren, um einen Toten zu bergen - aber solange das ein Roboter erledigt, sollte man allein wegen der harten Bilder nicht aussteigen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.