Transporter Beluga XL Fliegender Wal hat nun Triebwerke

Das neue Frachtflugzeug Beluga XL soll im Sommer erstmals starten. Jetzt hat Airbus die Triebwerke montiert. Der Jet soll Flugzeugteile in Airbus-Werke transportieren.

AIRBUS S.A.S/ FIXON/ dreamstime

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Im Westen von Hamburg kann man sie täglich bis zu fünf Mal beim Landeanflug beobachten: die an einen Wal erinnernden Transportflugzeuge Beluga ST. In ihrem extrem dicken Rumpf stecken Segmente von Airbus-Flugzeugen, die der Flugzeughersteller zwischen den in Europa verteilten Werken transportiert. Eines davon steht in Hamburg-Finkenwerder, südlich von Blankenese.

Fünf Stück der bauchigen Transporter hat Airbus in den Neunzigern gebaut. Basis dafür war das Modell A300-600. Die fünf Jets sind quasi im Dauereinsatz, sie kommen auf bis zu fünf Flüge an sechs Tagen in der Woche.

Doch schon bald wird eine größere Variante mit dem Namen Beluga XL abheben. Der neue Jet ist sechs Meter länger und einen Meter dicker als die Vorgängerversion. Die Nutzlast ist von 47 auf 53 Tonnen gestiegen. In den Bauch der größeren Version passen zwei Flügel des Airbus A350 - beim Beluga ST ist es nur einer.

Beim Design sind auf den ersten Blick kaum Unterschiede zwischen den beiden Versionen auszumachen. Am auffälligsten ist zweifellos die Lackierung, die Ergebnis einer Umfrage unter den Angestellten des Unternehmens ist. Eine dicke dunkle Kurve und zwei Punkte links und rechts am Rumpf geben dem Jet das scheinbar lächelnde Gesicht eines Delfins.

Im Januar wurde der erste Beluga XL erstmals aus der Produktionshalle gerollt - nun hat die Maschine auch ihre zwei Triebwerke bekommen. Der erste Testflug ist für den Sommer geplant. Im Jahr 2019 soll der Jet den Regelbetrieb aufnehmen. Die fünf Beluga ST sollen dann weiter im Einsatz bleiben, Airbus will mit den neuen XL-Belugas die Transportflotte aufstocken.

Fünfmal so viel Nutzlast

Der Transporter Beluga XL beruht auf dem Airbus A330. Das Unternehmen will in den kommenden Jahren fünf Stück davon bauen. Auch wenn die Maschinen mit ihrem extrem dicken Rumpf viel Eindruck machen, mit den leistungsstärksten Transportflugzeugen der Welt können sie nicht mithalten.

Die Antonow An-225 kann 250 Tonnen laden - fast fünfmal so viel wie die Beluga XL. Von der An-225 wurde allerdings nur zwei Exemplare gebaut. Eines davon fliegt bis heute. Die etwas kleinere Antonow An-124 kommt auf bis zu 150 Tonnen Nutzlast, mehr als 50 Maschinen dieses Typs wurden produziert.

Der in den Sechzigern für die US Air Force entwickelte Transporter Lockheed C-5 kann mehr als 120 Tonnen Fracht in die Luft bringen. Die Maschinen sind bis heute im Dienst des US-Militärs.

Airbus-Konkurrent Boeing hat ebenfalls einen Spezialtransporter entwickelt, um überdimensionale Flugzeugteile zwischen eigenen Werken hin- und herfliegen zu können. Der sogenannte Boeing Dreamlifter fußt auf dem Jumbo-Jet, der B-747, und ist etwa zehn Meter länger als die Airbus-Maschine. Auch beim Boeing-Modell ist der Rumpf deutlich dicker als bei einem normalen Passagierflugzeug. Der Dreamlifter kann rund 113 Tonnen zuladen, gebaut wurden vier Exemplare.

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lobivia 08.04.2018
1. Antonov 225
Das zweite Exemplar wurde nie fertig gestellt. Die andere Maschine ist nach längerer Wartungspause wieder im Einsatz und war jüngst in Leipzig. Weitere Exemplare des Musters sollen in Kooperation mit China entstehen.
dietmar.friede 08.04.2018
2. Passt
Der XL ist so entworfen worden, dass er zu den kleinen Flugplätzen passt. In Frankreich, Spanien, Italien und wo auch immer Airbus produziert. Eine 747 kann nicht überall starten und landen.
frenchie3 08.04.2018
3. Na, was für Vergleiche
Der Beluga wurde für Volumentransporte maßgeschneidert, warum da mit spritfressenden Panzertransportern vergleichen? Also, mir gefällt die Kiste
lahozdeoro 08.04.2018
4. Eigentlich eine schräge Idee
Vielleicht ist das ein bisschen naiv gedacht, aber ist das nicht ein bisschen irre, riesige Flugzeugteile wie ganze Tragflächen durch halb Europa zu kutschieren, anstatt an jedem Ort einen bestimmten Flugzeugtyp komplett zusammenzubauen? Ist mir klar, dass es politisch gewollt ist, alle beteiligten Länder einzubeziehen, aber muss das so umständlich sein?
contrail08 08.04.2018
5. Die Technologie spielt auch eine Rolle
Naiv hin oder nicht. Aber man kann technisch eben nicht alles an einem Ort bauen. Es ginge vielleicht einiges mehr als heute, und da spielt die Politik eine Rolle, aber die Tragflügel der A350 und A380 erfordern so viel spezielle Technologie, dass man die wirklich nicht einfach an einem anderen Ort produzieren könnte. Und es spielen da auch die Kosten eine erhebliche Rolle. Hohe Produktionsraten an einem Ort sind insgesamt viel kostengünstiger zu haben, als niedrige Produktionsraten eines ganzen Fliegers. Und auch Mitbewerber Boeing holt die Bauteile aus ganz USA und auch aus der ganzen Welt, besonders aus Japan. Sie würden sich wundern, wieviel deutscher Mittelstand mit seinem Know-How in einer 737 steckt. Was man macht sind mehrere Assembly Lines, denn da ist der Standort nicht so entscheidend, die Technologie interessanter Weise auch nicht. Hoffe, das bringt etwas Licht ins Dunkel. Contrail
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