AKW Brunsbüttel: TÜV entdeckt verrostete Atommüllfässer

Im stillgelegten Kernkraftwerk Brunsbüttel lagern noch rund 500 Fässer mit radioaktivem Müll. Wie jetzt bekannt wurde, sind einige von ihnen verrostet - und der Energiekonzern Vattenfall wusste offenbar schon lange Bescheid.

Kernkraftwerk Brunsbüttel in Schleswig-Holstein (Archivfoto): Schlechte Informationspolitik Zur Großansicht
dapd

Kernkraftwerk Brunsbüttel in Schleswig-Holstein (Archivfoto): Schlechte Informationspolitik

Kiel - Seit dem vergangenen Jahr steht fest, dass das Atomkraftwerk Brunsbüttel dauerhaft stillgelegt werden soll. In rund 500 Fässern lagern unterirdisch schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus dem Reaktorbetrieb. Um sie für die Endlagerung im niedersächsischen Schacht Konrad vorzubereiten, werden diese Abfälle zur Zeit in Gusscontainer umgelagert. Doch bei den Arbeiten hat der TÜV Nord einen brisanten Fund gemacht: verrostete Fässer mit Atommüll.

"Wichtig ist zunächst, dass keine unzulässige Radioaktivität freigesetzt wurde und keine Gefahr für Mitarbeiter und Anwohner besteht", sagte der für die Atomaufsicht zuständige Justizminister Emil Schmalfuß am Mittwoch in Kiel. Allerdings wollte er nicht ausschließen, dass etwa beim Anheben oder Umsetzen der zum Teil stark zersetzten Fässer radioaktive Stoffe freigesetzt werden.

Deshalb stoppte der Minister die Umlagerungsarbeiten. Zudem sollen den Angaben zufolge sämtliche Lagereinrichtungen für radioaktive Abfälle in Schleswig-Holstein überprüft werden. Wie viele verrostete Fässer es insgesamt gibt und ob das Problem nur bei der Kavernenlagerung in Brunsbüttel auftritt, konnte der parteilose Politiker Schmalfuß nicht sagen.

Seinen Angaben zufolge wird Atommüll an dieser Stelle schon seit dem 13. September 1981 aufbewahrt. Dabei habe es noch nie irgendeine Auffälligkeit gegeben. Prüfer des TÜV Nord hätten bei einer Routinekontrolle am 10. Januar starke Korrosion an einem leeren Fass festgestellt. Anschließend hätten die Behörden weitere betroffene Fässer entdeckt.

Schmalfuß kritisierte den Betreiber Vattenfall, denn der habe den Vorfall vor den Behörden verschwiegen. "Rein juristisch betrachtet mag es sich nicht um ein meldepflichtiges Ereignis gehandelt haben", sagte Schmalfuß. Der Vorfall sei aber so bedeutsam, dass eine umgehende Meldung an die Aufsichtsbehörde zwingend erforderlich gewesen sei.

Der Energiebetreiber räumte ein, bereits am 15. Dezember vergangenen Jahres Schäden an der Fassummantelung festgestellt zu haben, das zuständige Justizministerium in Kiel aber erst am 11. Januar informiert zu haben. "Die verspätete Information an die Aufsichtsbehörde ist nicht akzeptabel und wird unternehmensintern analysiert und aufgearbeitet", heißt es in einer Erklärung vom Mittwochabend.

Nach der Reaktorkatastrophe in Japan im vergangenen Jahr ließ die Bundesregierung zahlreiche ältere Atomkraftwerke stilllegen. Auch Brunsbüttel soll nicht mehr angefahren werden. Wegen seiner Informationspolitik ist Vattenfall mehrfach in die Kritik geraten.

aar/dapd/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 37 Beiträge
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1.
wachsamesholzauge 07.03.2012
Es gibt einfach keinen plausiblen Grund dafür, warum im näheren Umkreis um die Atomkraftwerke ein erhöhtes Krebsrisiko herrschen sollte. Entsprechende Studien sind haltlos und an den Haaren herbei gezogen. Unsere Atomkraftwerke werden regelmäßig von kompetenten, motivierten und peniblen Fachleuten überprüft, dabei werden alle noch so unwahrscheinlichen Risiken berücksichtigt und dadurch erfolgreich minimiert. Die Zwischenlagerung von radioaktivem Material auf dem Gelände der Atomkraftwerke ist sicher und garantiert nicht umweltschädlich. Für die Mitarbeiter und Anwohner besteht und bestand zu keiner Zeit auch nur der hauch einer Gefahr. Der Inhalt der jetzt entdeckten Fässer ist und war völlig harmlos. Ein wenig aufpassen müssen wir nur, wenn wir die völlig verotteten Fässer bewegen wollen, weil sich an den scharfen Rostkanten sonst jemand verletzen könnte. Bei dieser Art von Rost handelt es sich um sogenannten Spontanrost, der ohne labortechnische Hilfsmittel bei den bisherigen Prüfungen nicht entdeckt werden konnte. Am AKW Brunsbüttel: Löchrige Atom-Fässer entdeckt - n-tv.de (http://www.n-tv.de/politik/Durchgerostete-Atom-Faesser-entdeckt-article5698126.html)
2. Schuldsuche
agua 07.03.2012
Zitat von sysopIm stillgelegten Kernkraftwerk Brunsbüttel lagern noch rund 500 Fässer mit radioaktivem Müll. Wie jetzt bekannt wurde, sind einige von ihnen verrostet - und der Energiekonzern Vattenfall wusste offenbar schon lange Bescheid. AKW Brunsbüttel: TÜV entdeckt verrostete Atommüllfässer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,820010,00.html)
schon wieder.Jetzt wird erst einmal wieder darueber diskutiert, wer wem wann was haette melden muessen.Wer hat den "Muell" in Faessern entsorgt, die rosten koennen,ist doch die Frage.Ich finde es unglaublich und denke,wenn der Lieferant dieser Faesser fuer alle Endlager der gleiche war,dann werden die Entdeckungen bei den angesagten Kontrollen erschreckend sein.
3. wieder mal
Havenpirat 08.03.2012
zeigt die Atomindustrie das sie nicht verantwortungsvoll handeln,mehr noch,sie belügen,vertuschen und betrügen. Nicht mal olle Fässer mit radioaktiven Müll haben die Heinis im Griff,es ist denen schlichtweg egal! Dem Konzern sollte die Erlaubnis Kernkraftwerke zu betreiben genommen werden!
4. So´n Mist - was muss der TÜV auch so genau gucken!
Nachteuie 08.03.2012
Hallo! *Zynismus an* Na das ist ja auch echt blöd gelaufen! Erst wird das AKW wegen dieser "blöden Fukushima-Scheisse" völlig "unplanmässig" aus dem "Geschäft" gekickt und dann guckt der blöde TÜV auch noch beim Aufräumen zu! Ohne diese "Zwischenfälle" hätten die 500 Fässer noch länger unbehelligt in der tollen "Kavernenlagerung" im AKW Brunsbüttel langsam vor sich hin gerostet und in ein paar Jahren wäre dank Rost und Korrosion von den hässlichen warnfarbenen Fässern nicht mehr viel übrig gewesen - den Rest hätte man dann irgendwie als "Kehrricht" oder "Industriestaub" unauffällig (und billig) auf irgendeine ahnungslose Deponie entsorgt und wieder wäre man der "wirtschaftlich idealen Endlagerung" einen Schritt näher gewesen! Und jetzt stolpern diese blöden TÜV-Besserwisser über diese Fässer und blöeken das gleich in die Medienwelt hinaus - also dieser Atomausstieg ist irgendwie echt Scheiße für unsere sorgfältige und zuverlässige und sooo vertrauenswürdige deutsche Atomindustrie! *Zynismus aus*
5. Gesetz für Edelstahlfässer
keksguru 08.03.2012
Zitat von sysopIm stillgelegten Kernkraftwerk Brunsbüttel lagern noch rund 500 Fässer mit radioaktivem Müll. Wie jetzt bekannt wurde, sind einige von ihnen verrostet - und der Energiekonzern Vattenfall wusste offenbar schon lange Bescheid. AKW Brunsbüttel: TÜV entdeckt verrostete Atommüllfässer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,820010,00.html)
Ich forder ein Gesetz, daß so'n Zeug nicht mehr in Blechfässer gelagert werden darf. Das ist doch das allerhöchste, die Entsorgung eines 150 Liter Fasses kostet Zigtausende Euro, und überall hört man von durchgerosteten Blechfässern. DAS MUSS AUFHÖREN!
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