AKW-Ruine in Japan: Fukushimas strahlende Wassermassen

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DPA/ JNRA

Undichte Tanks, hohe Strahlung, ein unterirdischer Fluss: Die Probleme am Havariemeiler Fukushima überfordern Betreiber Tepco. Zur gigantischen Herausforderung entwickelt sich das kontaminierte Wasser - täglich werden es 400 Tonnen mehr.

Wasser war der Auslöser der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Ein Tsunami rollte am 11. März 2011 über das Gelände des Atomkraftwerks - bei drei Reaktoren kam es zu einer Kernschmelze. Und Wasser entwickelt sich nun zum wohl größten Problem für den Anlagenbetreiber Tepco - so groß, dass die japanische Regierung nun ins Krisenmanagement eingreifen will.

Was auf dem Kraftwerksareal passiert, trägt fast schon groteske Züge: Um die nach wie vor sehr heißen Reaktorkerne zu kühlen, pumpt Tepco pro Tag etwa 400 Tonnen Wasser von oben in die Gebäude. Die Gebäude sind durch Explosionen jedoch schwer beschädigt, so dass die gleiche Menge Wasser pro Tag aus dem Reaktorbereich in die unteren Stockwerke läuft. Dieses Wasser ist stark radioaktiv kontaminiert - vor allem mit Cäsium, Strontium und Tritium.

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Fukushima: Immer mehr strahlendes Wasser
Zu allem Überfluss dringt von unten Grundwasser in die Reaktorgebäude ein und mischt sich mit dem kontaminierten Wasser von oben. Diese strahlende Brühe pumpt Tepco dann wieder ab, um ein Auslaufen ins Meer oder zurück ins Grundwasser zu verhindern. Das abgepumpte Wasser - bis zu tausend Tonnen pro Tag - wird dann mit Ionenaustauschern gefiltert und entsalzen.

"Die Anlage holt vor allem das Cäsium heraus", erklärt Christoph Pistner vom Ökoinstitut Darmstadt. Damit verschwinde ein harter Strahler, das erleichtere die weitere Dekontamination. "Aber andere Nuklide wie Strontium und auch Tritium sind nach wie vor im Wasser." Das gefilterte Wasser strahle immer noch viel zu stark, um es beispielsweise einfach so ins Meer zu pumpen.

Lecks müssen geschlossen werden

Ein Teil des gefilterten Wassers wird wieder zur Kühlung eingesetzt - aber trotzdem bleibt ein täglicher Überschuss von etwa 400 Tonnen. Dieses Wasser wird dann in schnell zusammengebaute Tanks gepumpt und gelagert. Etwa tausend solche Behälter gibt es bereits auf dem Reaktorgelände, in ihnen lagern rund 335.000 Tonnen Wasser.

"Das ist ein stetes Rennen gegen die Wassermassen", sagt Sven Dokter, Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS). Dass manche der eilig aufgestellten Wassertanks schon wieder undicht sind, scheint dabei noch das kleinere Problem zu sein. Die Frage ist: Wohin mit den stetig steigenden Wassermassen? Wie viele Tanks kann man überhaupt noch aufstellen? Und was soll mit dem hoch radioaktiven Wasser überhaupt geschehen?

Christoph Pistner vom Ökoinstitut Darmstadt will keine Prognose wagen, ob die Wassermengen mittelfristig beherrschbar bleiben: "Das hängt davon ab, wie lange das noch so weitergeht wie bisher." Man müsse erst einmal die Lecks in den Reaktoren finden und schließen. Das gehe aber erst, wenn die Radioaktivität niedrig genug sei, um die Gebäude betreten zu können.

Man hofft, zumindest das Problem des unkontrollierten Grundwasserzuflusses bald lösen zu können. Pro Tag strömen etwa tausend Tonnen unterirdisch auf das Gelände und dringen teilweise in die Reaktorruinen ein. Ein unterirdischer Schutzwall aus gefrorener Erde soll dies künftig verhindern. Tepco will Kühlstränge um die Reaktoren 1 bis 4 verlegen. Diese würden das Wasser vereisen und könnten auf diese Weise alle Zu- und Abflüsse stoppen.

Die immer zahlreicheren, randvoll mit strahlendem Wasser gefüllten Tanks wären dann aber immer noch da. Tepco hat immerhin schon eine zweite Filterungsanlage gebaut. Durch sie soll das bislang schon einmal gefilterte Wasser nochmals geleitetet werden, um möglichst viele der übrigen strahlenden Nuklide wie etwa Strontium herauszuholen. Noch aber funktioniert die neue Filteranlage nicht einmal. Auch Tritium lässt sich mit ihr nicht entfernen.

Eine kurzfristige Lösung der Probleme in Fukushima scheint kaum möglich zu sein. Betreiber Tepco wird noch Jahrzehnte damit zu tun haben. Laut internen Planungen sollen die geschmolzenen Reaktorkerne der Reaktoren 1 bis 3 erst in 30 bis 40 Jahren geborgen werden. Bis dahin will Tepco sie mit Wasser bedeckt halten - auch weil Wasser radioaktive Strahlung gut abschirmt. Zumindest das Kühlproblem dürfte bis dahin gelöst sein. Abgebrannte Brennstäbe können üblicherweise nach vier, fünf Jahren aus dem Abklingbecken geborgen werden. Die starke Strahlung aber - die bleibt.

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1.
makuzei 03.09.2013
Zitat von sysopUndichte Tanks, hohe Strahlung, ein unterirdischer Fluss: Die Probleme am Havariemeiler Fukushima überfordern Betreiber Tepco. Zur gigantischen Herausforderung entwickelt sich das kontaminierte Wasser - täglich werden es 400 Tonnen mehr. AKW Fukushma: Strahlende Wassermassen werden zur Mammutaufgabe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/akw-fukushma-strahlende-wassermassen-werden-zur-mammutaufgabe-a-920154.html)
und täglich berichtet der spiegel darüber - wem nutzt das wohl?
2. Ich erinnere mich, vor ein paar
hdudeck 03.09.2013
Zitat von sysopDie Gebäude sind durch Explosionen jedoch schwer beschädigt, so dass die gleiche Menge Wasser pro Tag aus dem Reaktorbereich in die unteren Stockwerke läuft. AKW Fukushma: Strahlende Wassermassen werden zur Mammutaufgabe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/akw-fukushma-strahlende-wassermassen-werden-zur-mammutaufgabe-a-920154.html)
Tagen gelesen im SPON zu haben, das es dort zu einer Kernschmelze gekommen ist und sich der radiaktive Kern bis zum Betonsockel durchgeschmolzen hat. Somit macht es mehr Sinn, die unteren Stockwerke zu kuehlen, da wohl im Reaktorbereich nur ein paar Brennstaebe verblieben sind.
3. Was nützt uns der Ausstieg
iketchup 03.09.2013
aus der Kernkraft, wenn um uns herum so ziemlich alle Länder neue KKWs planen und bauen, am besten noch sehr nah an der Deutschen Grenze, viele lernen es einfach nicht, denn der Müll muss ja "irgendwo" hin. "Wenn der Wind weht" ....
4.
bert1966 03.09.2013
Zitat von makuzeiund täglich berichtet der spiegel darüber - wem nutzt das wohl?
Denen, die Atomkraft und deren Folgekosten für nicht beherrschbar halten ?
5. Mir
Fritz Meier 03.09.2013
Zitat von makuzeiund täglich berichtet der spiegel darüber - wem nutzt das wohl?
Mir. Weil ich es wissen will.
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