AKW Fukushima: Tepco misst bisher höchsten Strahlungswert

Am Kernkraftwerk Fukushima tritt weiterhin extrem starke Radioaktivität auf. An einer Stelle im japanischen Katastrophen-AKW hat die Betreibergesellschaft Tepco jetzt laut einem Medienbericht den höchsten Strahlungswert seit Beginn des Unglücks gemessen.

Trümmer an Reaktor 3 in Fukushima (12. Juli): Tepco misst hohe Radioaktivität Zur Großansicht
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Trümmer an Reaktor 3 in Fukushima (12. Juli): Tepco misst hohe Radioaktivität

Tokio - Im März nahm die Katastrophe im AKW Fukushima ihren Lauf, aber noch nie hat die Betreibergesellschaft Tepco auf dem Gelände des Kernkraftwerks stärkere Strahlung gemessen: Mehr als zehn Sievert pro Stunde betrug die Strahlung am Boden eines Abzugsrohrs zwischen den Reaktoren 1 und 2, wie die Agentur Jiji Press am Montag meldete.

Der bisherige Höchstwert war am 3. Juni im Inneren des zerstörten Reaktors 1 gemessen worden, er betrug damals zwischen drei und vier Sievert pro Stunde. Die Ursache für die neue Rekordstrahlung wurde laut einem Tepco-Sprecher am Montag noch geprüft.

In Sievert (Sv) wird die biologische Wirkung radioaktiver Strahlung auf Menschen, Tiere oder Pflanzen angegeben. Entscheidend ist die jeweilige Zeiteinheit, auf die die Angaben bezogen werden.

Die mittlere Strahlungsdosis in Deutschland, verursacht durch die natürliche Radioaktivität in der Umgebung, beträgt rund 2,4 Millisievert im Jahr und gilt als unbedenklich. Bei 1000 Millisievert (gleich 1 Sievert) pro Jahr steigt das Risiko, an Krebs zu erkranken, um zehn Prozent. Angesichts der Atomkatastrophe hob die japanische Regierung die zugelassene Höchstgrenze für Arbeiter in einem Kernkraftwerk von 100 auf 250 Millisievert pro Jahr an.

Wesentlich gefährlicher wird die Strahlungsdosis, wenn sie in kurzer Zeit aufgenommen wird. Bei einigen Menschen lösen bereits 100 Millisievert körperliche Folgen wie Übelkeit und Erbrechen aus. Als sicher tödliche Dosis gelten sieben Sievert, wenn sie in kurzer Zeit aufgenommen werden. Die jetzt gemessenen zehn Sievert pro Stunde sind deshalb ein extrem hoher Wert - der allerdings nur von Bedeutung wäre, wenn Menschen der Strahlungsquelle ausgesetzt wurden. Ob das geschehen ist, blieb allerdings offen.

Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.

mbe/dpa/AFP

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1. -
No_Name 01.08.2011
Zitat von sysopAm Kernkraftwerk Fukushima tritt weiterhin extrem starke Radioaktivität auf. An einer Stelle im japanischen Katastrophen-AKW hat die Betreibergesellschaft Tepco jetzt laut einem Medienbericht den höchsten Strahlungswert seit Beginn des Unglücks gemessen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,777750,00.html
Offentsichtlich hat die Fa. TEPCO den Reactor doch nicht so weit unter Kontrolle wie man es denn wünschte und verlautbarte. Warten wir auf die Überraschungen die da kommen werden. Das AKW Fuksohima wird weiter für Probleme sorgen, lange nachdem ein starkes, sozilaes und fleißges Volk die Folgen einer schweren Naturkatastrophe überwunden hat. Warten wir gespannt auf die Mitforisten welche den Japaner übertriebene "German Angst" vorwerfe und uns erklären, dass da eigentlich nichts nenneswertes passiert ist.
2. Dr.
Redigel 01.08.2011
Hannovergenuss, übernehmen Sie... der Spiegel schreibt schon wieder böse Geschichten über Fukushima *ironie*
3. Nichts dicht ...
JaguarCat 01.08.2011
Wie schon kurz nach der Katastrophe geschrieben: "Wozu ein Containment ... wenn man nach dem Verlust der Kühlung alle Schleusen öffnet und den radioaktiven Dampf direkt rausbläst?" http://tinyurl.com/6d7oe75 Wahrscheinlich ist die gefundene Stelle eine, an der Wasser verdunstet, es also zunächst, aus dem Reaktor hoch kontaminiert, zu der Stelle läuft und dann, das Cäsium und den anderen strahlenden Dreck zurücklassend, verdampft. Kritisch sind solche Hotspots vor allem für die Aufräumteams, die eigentlich dafür da sind, in den nächsten Monaten so etwas wie ein Kreislaufkühlung in einem geschlossenen Rohrsystem hinzukriegen, stattdessen aber 99% der Zeit nur mit der Eigensicherung beschäftigt sind.
4. Wasserstandsmeldung
Palmstroem, 01.08.2011
Zitat von No_NameOffentsichtlich hat die Fa. TEPCO den Reactor doch nicht so weit unter Kontrolle wie man es denn wünschte und verlautbarte. Warten wir auf die Überraschungen die da kommen werden. Das AKW Fuksohima wird weiter für Probleme sorgen, lange nachdem ein starkes, sozilaes und fleißges Volk die Folgen einer schweren Naturkatastrophe überwunden hat. Warten wir gespannt auf die Mitforisten welche den Japaner übertriebene "German Angst" vorwerfe und uns erklären, dass da eigentlich nichts nenneswertes passiert ist.
Richtig, wer lebt denn schon am Boden eines Abzugsrohrs zwischen den Reaktoren 1 und 2 - vielleicht einige Asseln. Da haben wir sie wieder die typische SPON-Meldung zur Aufrechterhaltung von "German Angst" - pünktlich zum Monatsanfang. Seit dieser "Atom-Katatstrophe" gab es viele Katastrophen mit tausenden von Toten - aber keinen in Fukushima. Was ist also Nennenswertes passiert?
5. Autos aus Japan verseucht ? - AUGUST 2011
jos777 01.08.2011
Guten Tag, weis eigentlich jemand, ob bei Neuwägen aus Japan, Elektronik-Produkten wie Fotoapparaten, etc. jedes Einzelteil einer radioaktiven Messung unterzogen wird ? Hat jemand im Forum die letzten Wochen ein Japan-Produkt gekauft ? Und wie schaut es mit Urlaub in der Südsee aus ? Laut "Experten" soll es hier kein Problem geben, weil alles Richtung Osten strömt. Da frage ich mich dann: Was ist im Osten ? Das ist die Westküste von Amerika. Oder löst sich die ganze radioaktive Soße irgendwann auf ? Dann wär ja alles doch nicht so schlimm und wir haben unsere Atomkraftwerke völlig umsonst in 20 Jahren abgeschalten. Irgendwie redet keiner mehr über den Japan-Gau, obwohl heute die höchsten Werte gemessen wurden.
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Fukushima: So wird das Katastrophen-AKW gedeckelt
Die wichtigsten Fragen zur Strahlengefahr
Was richtet Strahlung im menschlichen Körper an?
Corbis
Die Schwere der Schäden hängt davon ab, welches Gewebe wie stark von der Strahlung betroffen ist. Erste Symptome einer Strahlenkrankheit sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Sie treten wenige Stunden nach Einwirken der Strahlung auf den Körper auf. Klingen die Symptome ab, stellt sich nach einigen Tagen Appetitlosigkeit, Übermüdung und Unwohlsein ein, die einige Wochen andauern.
Wie qualvoll eine akute Strahlenkrankheit bei hoher Dosis enden kann, zeigen die Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki und der Tschernobyl-Katastrophe. Haarausfall, unkontrollierte Blutungen, ein zerstörtes Knochenmark, Koma, Kreislaufversagen und andere dramatische Auswirkungen können den Tod bringen.
Wie verläuft eine leichte Strahlenkrankheit?
Menschen mit einer leichten Strahlenkrankheit erholen sich zwar in der Regel wieder. Doch oft bleibt das Immunsystem ein Leben lang geschwächt, die Betroffenen haben häufiger mit Infektionserkrankungen und einem erhöhten Krebsrisiko zu kämpfen.
Wie kann man sich schützen?
DPA
Im Gebiet, in dem ein nuklearer Niederschlag zu befürchten ist, kann es helfen, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Gegen radioaktives Jod schützt die vorsorgliche Einnahme von Kaliumjodidtabletten. Allerdings schützt diese nur vor Schilddrüsenkrebs. Das eingenommene Jod lagert sich in den Drüsen links und rechts des Kehlkopfes an und verhindert so die Aufnahme von radioaktivem Jod. Wichtig: Jodtabletten nicht ohne behördliche Aufforderung einnehmen.
Radioaktives Jod baut sich in der Umwelt allerdings schnell ab. Gefährlicher ist radioaktives Cäsium, es hat eine längere Lebensdauer und wirkt bei Aufnahme durch die Luft oder über Nahrungsmittel im ganzen Körper. Dagegen helfen keine Pillen. Bricht ein Reaktor, wie in Tschernobyl geschehen, auseinander, gelangen großen Mengen Cäsium in die Atmosphäre und verstrahlen die Gegend, in der die Partikelwolke niedergeht, auf viele Jahre.
Was bedeutet die Maßeinheit Millisievert?
DPA/ Kyodo/ Maxppp
Sievert (Sv) ist eine Maßeinheit für radioaktive Strahlung. Ein Sievert entspricht 1000 Millisievert. Die Einheit gibt die sogenannte Äquivalentdosis an und ist somit ein Maß für die Stärke und für die biologische Wirksamkeit von Strahlung.
7000 Millisievert, also sieben Sievert, die direkt und kurzfristig auf den Körper treffen, bedeuten den sicheren Tod (siehe Grafik). Zum Vergleich: Am Montagmorgen maßen die Techniker am Kraftwerk Fukushima I eine Intensität von 400 Millisievert pro Stunde. In Tschernobyl tötete die Strahlung von 6000 Millisievert 47 Menschen, die unmittelbar am geborstenen Reaktor arbeiteten.
Wie hoch ist die Belastung im Alltag?
DPA/ NASA
Menschen sind tagtäglich der natürlichen radioaktiven Strahlung im Boden oder der Atmosphäre ausgesetzt. In Deutschland beträgt sie laut Bundesamt für Strahlenschutz 2,1 Millisievert pro Jahr (siehe Grafik). Der menschliche Organismus hat Abwehrmechanismen gegen die natürliche Strahleneinwirkung entwickelt, um sich vor diesen Belastungen zu schützen.