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AKW Fukushima: Tepco-Techniker stoppen Reinigung radioaktiver Brühe

Schon wieder ein Rückschlag im japanischen Unglücks-AKW Fukushima: Mit einer aufwendig installierten Anlage sollte das radioaktiv verseuchte Wasser gereinigt werden. Doch nun mussten die Techniker des Betreibers Tepco den Apparat schon wieder abschalten.

Fukushima: Neuer Rückschlag im Unglücks-AKW Fotos
AP/ TEPCO

Tokio - Bis Januar will der Fukushima-Betreiber Tepco das havarierte japanische AKW wieder unter Kontrolle bringen, doch nun mussten die Einsatzkräfte erneut einen Rückschlag vermelden: Die Dekontamination von radioaktivem Wasser musste abgebrochen werden - nur wenige Stunden nach Beginn der Operation.

Am Freitagabend war eine mit französischer und US-Technologie gebaute Anlage in Betrieb genommen worden, die täglich 1200 Tonnen Wasser von Cäsium und anderen radioaktiven Materialien sowie Öl und Meersalz reinigen soll.

Doch ein technisches Teil der Wiederaufbereitungsanlage, das eigentlich mehrere Wochen halten sollte, habe schon innerhalb von fünf Stunden seine maximale Aufnahmefähigkeit erreicht, sagte ein Tepco-Sprecher am Samstag. Die Strahlenwerte seien schneller auf die Höchstgrenze gestiegen als gedacht. Derzeit sei nicht sicher, wann das System wieder gestartet werden könne.

"Wenn wir die Prozedur nicht innerhalb einer Woche wieder in Gang bringen können, werden wir Probleme bekommen, das kontaminierte Wasser unterzubringen", sagte der Sprecher. Anfang April hatte Tepco rund 10.000 Tonnen schwach verstrahltes Wasser ins Meer abgelassen. Dies wurde von China und Südkorea kritisiert.

Nicht genügend Tanks vorhanden

Radioaktives Wasser ist eines der größten Probleme im AKW Fukushima. Die Brühe behindert die Arbeiten zur Reparatur der zerstörten Kühlsysteme. Seit Beginn der atomaren Katastrophe wurde Wasser in die Reaktoren gepumpt, um die ausgefallene Kühlung zu ersetzen. So haben sich bisher mehr als 100.000 Tonnen radioaktive Flüssigkeit angesammelt.

Auf dem Gelände gibt es nicht genügend Tanks, um das Wasser zu lagern. Tepco sucht unter Hochdruck nach Lösungen für dieses Problem. Unter anderem kam dabei auch ein gigantisches Stahlfloß zum Einsatz, das bis zu zehn Millionen Liter kontaminiertes Wasser aufnehmen sollte.

Mit der neuen Wiederaufbereitungsanlage soll die radioaktive Brühe gereinigt werden, um das Wasser dann erneut zur weiteren Kühlung verwenden zu können. Auf diese Weise müsste nicht ständig neues Wasser in das AKW gepumpt werden.

Tepco hatte seinen Zeitplan am Freitag noch einmal bestätigt: Bis Januar soll Fukushima wieder unter Kontrolle sein - trotz aller Probleme. Dabei setzen die Einsatzkräfte auch auf einen luftdichten Deckel, der die durch Explosionen beschädigten Reaktorgebäude abdichten soll. Die Bauarbeiten sollen am 27. Juni beginnen.

hut/dpa/dapd

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1. tolle Fachleute..
fritz_64 18.06.2011
ein Filtersystem über Wochen entwickelt und aufgebaut und nach wenigen Stunden hat sich die Kapazität erschöpft??? Kann es sein das die Ingenieure auf Basis falscher Messwerte ihre Berechnungen angestellt haben??? Es wird alternativlos sein die verstrahlte Brühe in den Pazifik abzuleiten...*war sicher von Anfang an so geplant und passiert eben so sicher schon seit Beginn der Katastrophe*...wird sich aber sicher schnell verteilen, ist also gar nicht so schlimm...bin mal gespannt wann die ersten Seelachse vor Alaska erhöhte Werte aufweisen werden, kann nicht mehr lange dauern und die Grenzwerte in der EU und den USA werden weiter angehoben.
2. oh je
harry_buttle 18.06.2011
---Zitat--- auf Basis falscher Messwerte ---Zitatende--- Das ist vermutlich der Schluss, der gezogen werden muss. Das Wasser ist weit höher kontaminiert als man angenommen hat. Diletantismus pur.
3. naja
roland.vanhelven 18.06.2011
drei komplette und zwei teil kernschmelzen, von denen genauso wenig berichtet wurde wie vom abschalten der messstationen und der unterdrueckung der herausgabe von echtdaten. das uran der panzerbrechenden waffen im Irak kann in Europa gemessen werden, aber 3 kernschmelzen und plutionium/uran brennstaebe, die einen kilometer hoch in die luft gejagt wurden und danach im boden und dem meer brannten, werden totgeschwiegen. der jetstream bringt die Jod und Strontium isotope jetzt kontinuierlich nach USA und Europa. die US flotte hat nach der ersten explosion auf dem hacken kehrt gemacht, obwohl sie 200 meilen (320km) entfernt war. da ist einiges am kochen. buchstaeblich. 1986 hat man noch klipp und klar ueber strahlenwerte und gefahren aufgeklaert, doch nachdem die konzerne die regierungen uebernommen haben, wird alles fuer unbedenklich erklaert. ein schelm, wer boeses dabei denkt...
4. Titellos glücklich!
kjartan75 18.06.2011
Als das Vorhaben bekannt wurde, was die Ingenieure sich da ersonnen haben, war Greenpeace auf Grund einiger Überlegungen skeptisch. Sie scheinen diesbzgl. wohl recht behalten zu haben (auch wenns den Pro-Atom-Fundis hier nicht schmecken will und sie sicherlich gleich mit großem Tamtam gegen die Bedenken von GP auftrumpfen wollen...nur zu)
5. .....
jamon 18.06.2011
Zitat von roland.vanhelvendrei komplette und zwei teil kernschmelzen, von denen genauso wenig berichtet wurde wie vom abschalten der messstationen und der unterdrueckung der herausgabe von echtdaten. das uran der panzerbrechenden waffen im Irak kann in Europa gemessen werden, aber 3 kernschmelzen und plutionium/uran brennstaebe, die einen kilometer hoch in die luft gejagt wurden und danach im boden und dem meer brannten, werden totgeschwiegen. der jetstream bringt die Jod und Strontium isotope jetzt kontinuierlich nach USA und Europa. die US flotte hat nach der ersten explosion auf dem hacken kehrt gemacht, obwohl sie 200 meilen (320km) entfernt war. da ist einiges am kochen. buchstaeblich. 1986 hat man noch klipp und klar ueber strahlenwerte und gefahren aufgeklaert, doch nachdem die konzerne die regierungen uebernommen haben, wird alles fuer unbedenklich erklaert. ein schelm, wer boeses dabei denkt...
schön ist auch, dass kurz nach dem unglück hier im spiegel forum so manch selbsternannter experte erklärte, bei dieser reaktorart sei eine kernschmelze ausgeschlossen. bei siedewasserreaktoiren unmöglich.....aha.....! diese "expertenmeinung" reiht sich ein in die hartnäckigen behauptungen, atomkraft sei sicher. allen voran die japanische!
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Fotostrecke
Fukushima: So wird das Katastrophen-AKW gedeckelt
Die wichtigsten Fragen zur Strahlengefahr
Was richtet Strahlung im menschlichen Körper an?
Corbis
Die Schwere der Schäden hängt davon ab, welches Gewebe wie stark von der Strahlung betroffen ist. Erste Symptome einer Strahlenkrankheit sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Sie treten wenige Stunden nach Einwirken der Strahlung auf den Körper auf. Klingen die Symptome ab, stellt sich nach einigen Tagen Appetitlosigkeit, Übermüdung und Unwohlsein ein, die einige Wochen andauern.
Wie qualvoll eine akute Strahlenkrankheit bei hoher Dosis enden kann, zeigen die Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki und der Tschernobyl-Katastrophe. Haarausfall, unkontrollierte Blutungen, ein zerstörtes Knochenmark, Koma, Kreislaufversagen und andere dramatische Auswirkungen können den Tod bringen.
Wie verläuft eine leichte Strahlenkrankheit?
Menschen mit einer leichten Strahlenkrankheit erholen sich zwar in der Regel wieder. Doch oft bleibt das Immunsystem ein Leben lang geschwächt, die Betroffenen haben häufiger mit Infektionserkrankungen und einem erhöhten Krebsrisiko zu kämpfen.
Wie kann man sich schützen?
DPA
Im Gebiet, in dem ein nuklearer Niederschlag zu befürchten ist, kann es helfen, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Gegen radioaktives Jod schützt die vorsorgliche Einnahme von Kaliumjodidtabletten. Allerdings schützt diese nur vor Schilddrüsenkrebs. Das eingenommene Jod lagert sich in den Drüsen links und rechts des Kehlkopfes an und verhindert so die Aufnahme von radioaktivem Jod. Wichtig: Jodtabletten nicht ohne behördliche Aufforderung einnehmen.
Radioaktives Jod baut sich in der Umwelt allerdings schnell ab. Gefährlicher ist radioaktives Cäsium, es hat eine längere Lebensdauer und wirkt bei Aufnahme durch die Luft oder über Nahrungsmittel im ganzen Körper. Dagegen helfen keine Pillen. Bricht ein Reaktor, wie in Tschernobyl geschehen, auseinander, gelangen großen Mengen Cäsium in die Atmosphäre und verstrahlen die Gegend, in der die Partikelwolke niedergeht, auf viele Jahre.
Was bedeutet die Maßeinheit Millisievert?
DPA/ Kyodo/ Maxppp
Sievert (Sv) ist eine Maßeinheit für radioaktive Strahlung. Ein Sievert entspricht 1000 Millisievert. Die Einheit gibt die sogenannte Äquivalentdosis an und ist somit ein Maß für die Stärke und für die biologische Wirksamkeit von Strahlung.
7000 Millisievert, also sieben Sievert, die direkt und kurzfristig auf den Körper treffen, bedeuten den sicheren Tod (siehe Grafik). Zum Vergleich: Am Montagmorgen maßen die Techniker am Kraftwerk Fukushima I eine Intensität von 400 Millisievert pro Stunde. In Tschernobyl tötete die Strahlung von 6000 Millisievert 47 Menschen, die unmittelbar am geborstenen Reaktor arbeiteten.
Wie hoch ist die Belastung im Alltag?
DPA/ NASA
Menschen sind tagtäglich der natürlichen radioaktiven Strahlung im Boden oder der Atmosphäre ausgesetzt. In Deutschland beträgt sie laut Bundesamt für Strahlenschutz 2,1 Millisievert pro Jahr (siehe Grafik). Der menschliche Organismus hat Abwehrmechanismen gegen die natürliche Strahleneinwirkung entwickelt, um sich vor diesen Belastungen zu schützen.


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