AKW-Störfall in Biblis Greenpeace rügt Umgang mit Reaktor-Panne

In Deutschlands ältestem Atommeiler hat es einen Zwischenfall gegeben: Eine Dichtung des Reaktordruckbehälters war beim Anfahren des Reaktors offenbar defekt. Gemeldet wurde der Störfall jedoch nicht. Er sei nicht meldepflichtig gewesen, so das Ministerium - Umweltschützer sehen das anders.

AKW-Biblis: Dichtung des inneren Reaktordruckbehälters defekt
DPA

AKW-Biblis: Dichtung des inneren Reaktordruckbehälters defekt


Wiesbaden - Die Umweltorganisation Greenpeace hat einen nicht gemeldeten Zwischenfall im ältesten deutschen Atomkraftwerk Biblis A angeprangert. Beim Anfahren des Reaktors am 20. Oktober vergangenen Jahres habe eine Dichtung des inneren Reaktordruckbehälters dem Druck nicht standgehalten, berichtete die Organisation am Dienstag unter Berufung auf interne Protokolle. Erst die äußere Deckeldichtung habe ein Leck verhindert.

"Der Reaktordruckbehälter ist das Herzstück des Atomreaktors. Hier darf eine defekte Dichtung nicht ignoriert werden. Ein plötzliches Versagen des Reaktordruckbehälters könnte zu radioaktivem Dampf im Sicherheitsbehälter führen", sagt Heinz Smital, Atomphysiker von Greenpeace. "In der deutschen Atomindustrie ist es jedoch gängige Praxis, Störfälle nicht zu melden und Wirtschaftlichkeit vor Sicherheit zu setzen."

Im Jahr 2010 wurde die Anlage zwei Mal wegen Wartungsarbeiten und Überprüfungen vom Netz genommen. Auch im AKW Philippsburg 2 sind Greenpeace zufolge drei Störfälle bekannt geworden. So soll es unter anderem am 17. Juni vergangenen Jahres durch eine Panne zum Verlust von 280.000 Litern Reaktorwasser im Brennelemente-Becken gekommen sein.

Gegenwärtig bewertet die Reaktorsicherheitskommission (RSK) die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke. Sie wird ihren Bericht am kommenden Montag der Ethikkommission vorlegen. Das hessische Umweltministerium bestätigte den Zwischenfall in Biblis A: Es habe im Oktober eine Undichtigkeit bei einem zweistufigen Dichtungssystem des Reaktordruckbehälters gegeben. "Nach der Bundesverordnung ist der Vorfall eindeutig nicht meldepflichtig", sagte ein Ministeriumssprecher.

Auch der TÜV-Nord habe bestätigt, dass der Vorfall ohne sicherheitstechnische Bedeutung gewesen sei. Nach der geltenden Betriebsgenehmigung sei der Weiterbetrieb der Anlage erlaubt gewesen. Der Betreiber RWE wies die von Greenpeace erhobenen Anschuldigungen ebenfalls zurück: Bei der im Anfahrvorgang aufgetretenen geringen Undichtigkeit habe es weder einen Handlungsbedarf gegeben, die Anlage abzufahren noch habe eine Meldepflicht vorgelegen. Die Dichtheit des Reaktordruckgefäßes nach Außen sei zu jeder Zeit gewährleistet gewesen.

cib/dpa/dapd



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insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
taubenvergifter 10.05.2011
1. ...
Zitat von sysopIn Deutschlands ältestem Atommeiler hat es einen Zwischenfall gegeben: Eine Dichtung des Reaktordruckbehälters war beim Anfahren des Reaktors offenbar defekt. Gemeldet wurde der Störfall jedoch nicht. Er sei nicht meldepflichtig gewesen, so das Ministerium - Umweltschützer sehen das anders. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,761647,00.html
Das ist wieder linksradikale Steinschmeißerpropaganda. Jeder weiss, dass wir jetzt nach Tschernobyl und Fukushima 200.000 Jahre ruhe bis zum nächsten Super-GAU haben.
maxweber 10.05.2011
2. Wie viele Tote?
Wie viele Tote und Verletzte hat es bei dem Störfall gegeben? Wie viel Radioaktivität ist frei geworden? Wei hoch ist der Sachschaden?
Terrorkater 10.05.2011
3. Geschichte wiederholt sich
Wie sich die Geschichte doch widerholt: "Niemand hat vor, eine Mauer zu bauen!" vs. "Unsere AKW´s sind sicher!" Abschalten. Die Regierung am Besten gleich mit.
einblick1984 10.05.2011
4. Titel los
Zitat von sysopIn Deutschlands ältestem Atommeiler hat es einen Zwischenfall gegeben: Eine Dichtung des Reaktordruckbehälters war beim Anfahren des Reaktors offenbar defekt. Gemeldet wurde der Störfall jedoch nicht. Er sei nicht meldepflichtig gewesen, so das Ministerium - Umweltschützer sehen das anders. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,761647,00.html
Was ist denn bitte dann meldepflichtig? In Deutschland sind derzeit im Rahmen des Zensus 2011 Millionen von Menschen meldepflichtig bezüglich intimster Wohndetails, doch wenn im ältesten Reaktor Deutschlands ein Ventil platzt und nur durch ein redundantes zweites Ventil ein Austreten radioaktiv verstrahlten Dampfes verhindert wurde, dann halte ich das sehr wohl für meldepflichtig. Deutschland ist ein Lobbyisten Land feinster Güte, so lange hier alles wirtschaftlich ist und es keinen Mindestlohn gibt, ist ja alles in Ordnung.
Volker Tuermer 10.05.2011
5. Greenpeace rügt irgendwas,
Zitat von sysopIn Deutschlands ältestem Atommeiler hat es einen Zwischenfall gegeben: Eine Dichtung des Reaktordruckbehälters war beim Anfahren des Reaktors offenbar defekt. Gemeldet wurde der Störfall jedoch nicht. Er sei nicht meldepflichtig gewesen, so das Ministerium - Umweltschützer sehen das anders. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,761647,00.html
und ich glaube in China ist gerade ein Teebeutel geplatzt. Also ehrlich liebe SPON-Redaktion, kriegt ihr eure Seiten nicht voll und dürfen wir vielleicht heute noch die sensationelle Meldung erwarten: "Gestern Abend ging die Sonne unter"???
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