Belgische Pannenreaktoren Mehr als 250 Zwischenfälle nicht gemeldet

Die Atomkraftwerke Tihange und Doel gelten als Sicherheitsrisiko. Belgiens neue Atomaufsicht versprach Transparenz, verschwieg jedoch offenbar Hunderte Zwischenfälle - darunter auch die Kontamination von Mitarbeitern.

Atomkraftwerk Tihange
DPA

Atomkraftwerk Tihange


Die belgische Atomaufsicht (Fanc) hat offenbar auch unter neuer Führung versucht, Informationen über Zwischenfälle im Pannenreaktor Tihange bei Lüttich unter Verschluss zu halten. Das berichtet der SPIEGEL unter Berufung auf interne Mails und Listen der Behörde.

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Danach hat die Fanc mehr als 250 Zwischenfälle in den Pannenreaktoren Tihange und Doel im Zeitraum bis 2017 zunächst nicht veröffentlicht. Darunter war auch eine auffällige Häufung von Kontaminationen von Mitarbeitern im Reaktorblock 2 des Atomkraftwerkes Tihange. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Laut Liste wurden im AKW Tihange in den fünf Jahren insgesamt elf Mitarbeiter radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Die Fanc versichert, dass die Vorkommnisse nicht sicherheitsrelevant gewesen seien und die zulässigen Grenzwerte bei den betroffenen Mitarbeitern nicht überschritten wurden. Auch sonst habe man sich an alle Vorschriften gehalten.

"Gefährliche Verschleierungspolitik"

Frank Hardeman ist seit Mai Chef der Fanc. Ein schwieriger Job. Denn seit Jahren steht die Behörde im Verdacht, Risiken und Gefahren bei zwei belgischen Kernkraftwerken zu verheimlichen: dem bei Antwerpen gelegenen Reaktor Doel 3 und dem rund 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernten Kernkraftwerk Tihange 2. Der Atomphysiker versprach "Transparenz und Sicherheit".

Deutsche Experten wie die Grünen-Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl kritisieren nun, dass die Fanc auch unter Leitung ihres im Mai neu angetretenen Chefs eine "gefährliche Verschleierungspolitik" betreibe. So wurden zu den Kontaminationen offenbar nicht einmal detaillierte Informationen beim Betreiber des Kernkraftwerkes abgefragt, um einer möglichen Ursache auf den Grund zu gehen.

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