Alarm vor Italiens Küste Bunkerschiff soll Ölpest verhindern

Die Havarie der "Costa Concordia" ist eine tödliche Katastrophe - droht jetzt auch ein Umweltdesaster? Spezialisten wollen verhindern, dass 2400 Tonnen Öl aus dem aufgeschlitzten Rumpf ins Mittelmeer laufen. Die Arbeiten gestalten sich schwierig, das Wrack ist in Bewegung.

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Hamburg - Noch stehe die Rettung der Vermissten im Vordergrund, sagt Martijn Schuttevâer. Alle Mann konzentrierten sich darauf, Menschen aus dem Wrack der "Costa Concordia" zu retten, berichtet der Sprecher der niederländischen Firma Smit, die das havarierte Schiff sichern soll. Gleichzeitig jedoch bereiten die Experten des Unternehmens bereits Maßnahmen vor, die Umweltschäden vor der Toskana verhindern sollen.

Ersten Berichten zufolge schwappen 2400 Tonnen Treibstoff im aufgeschlitzten Bauch des knapp 300 Meter langen Schiffs. Bereits ein kleiner Teil dieser Menge könnte Tausende Tiere töten und Strände in dem umliegenden Naturschutzgebiet verkleben.

"Wir wissen nicht, ob auch die Tanks des Kreuzfahrtschiffs beschädigt sind", sagt Schuttevâer SPIEGEL ONLINE. Noch gibt es keine Berichte über größere Ölmengen im Meer an der Unfallstelle. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Tanks heil seien, sagt Ulrike Windhövel vom deutschen Havariekommando zur Bergung verunglückter Schiffe.

Das Wrack droht abzurutschen

Allerdings besteht offenbar ein Risiko, dass die "Costa Concordia" weitere Schäden davonträgt. Laut Medienberichten liegt das Schiff nicht stabil auf dem Grund; eindringendes Wasser ließ es mehrfach leicht kippen. "Bei solch einem Fall lässt sich nichts vorhersagen", sagt Windhövel. "Es besteht das Risiko, dass das Wrack abrutscht." Dafür könnten auch platzende Luftblasen im Wrack sorgen. Auch Taucher, die nach Vermissten suchen, sind gefährdet.

Derzeit werde geprüft, wie stabil die "Costa Concordia" liege, sagt Schuttevâer. Um einer Ölkatastrophe zuvorzukommen, sei seine Firma mit einem Bunkerschiff und großen Pumpen an die Unglücksstelle angerückt. Bereits am Samstag hätten die Arbeiten begonnen, um das Öl aus dem Schiff zu pumpen. Sobald die Rettung der Vermissten abgeschlossen ist, sollen Ölsperren um das Schiff gelegt werden, die einen möglichen Ölteppich einschließen sollen.

Das Öl im Tank verändert sich: Bereits nach wenigen Stunden ist es zäh wie kalter Honig. Dadurch läuft es nicht so schnell aus - es lässt sich aber auch nicht so einfach abpumpen. "Oft muss nachgeholfen werden, etwa indem das Öl erwärmt wird", sagt Windhövel. Sicher im Schiff verstaut, stelle das Öl aber kein Problem dar; es sei nur schwer entzündlich.

Muss das Schiff zerschnitten werden?

Derzeit kämpfen die Rettungskräfte mit widrigen Verhältnissen: Das intakte Schiff ist schon für Neuankömmlinge ein Irrgarten. Die extreme Schräglage erlaubt es nun aber nicht, sich im Innern des Kreuzfahrtschiffs normal fortzubewegen. Zudem wurden zahlreiche Sicherheitsschleusen auf den Gängen automatisch geschlossen, um eindringendes Wasser zu stoppen.

Taucher versuchen deshalb, Schiffswände aufzuschweißen, um Zugang zu Kabinen zu erhalten. Am Sonntagvormittag war es ihnen gelungen, ein Hochzeitspaar aus dem Wrack zu holen. Derzeit werden noch bis zu 17 Menschen vermisst; mindestens fünf kamen bei der Katastrophe ums Leben.Über die Ursache des Unglücks herrscht weiterhin Unklarheit.

Die "Costa Concordia" war am späten Freitagabend vor der Küste der Toskana im Nordwesten Italiens auf einen Felsen gelaufen. Starker Wassereinbruch durch einen etwa 70 Meter langen Riss im Rumpf ließ das Schiff auf die Seite kippen. An Bord herrschten chaotische Zustände; gegen den Kapitän wird ermittelt.

Die Sicherung des Wracks dürfte sich noch über Wochen hinziehen, sagt Martijn Schuttevâer. Geprüft werde, ob das Schiff zerschnitten werden müsse, um es abtransportieren zu können.

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Seite 1
wago 15.01.2012
1. Wurden schon Ölteppiche gesichtet?
Zitat von sysopDie Havarie der "Costa Concordia" ist eine tödliche Katastrophe -*droht jetzt auch ein Umweltdesaster?*Spezialisten wollen verhindern, dass 2400 Tonnen Dieselöl*aus dem*aufgeschlitzten Rumpf ins Mittelmeer laufen. Die Arbeiten gestalten sich schwierig, das Wrack ist in Bewegung. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,809191,00.html
Nach all meinen Informationen bisher nicht. Das heißt also, dass im Moment kein Öl ausläuft. Daraus kann man zumindest für den Moment schließen, dass die Tanks noch in Ordnung sind. Reine Logik. Was allerding passiert, wenn das Wrack weiter abrutschen sollte, ist nur schwer einzuschätzen. Also warten wir doch lieber die realen Entwicklungen ab, bebor wir Horrorszenarien an die Wand malen.
wassoll 15.01.2012
2. Schweröl kein Diesel
Alle Kreuzfahrtschiffe, die ich bisher kennengelernt habe, auch die neusten, fahren nicht mit Diesel, sondern mit Schweröl. Schweröl ist im kalten Zustand eine teerartige Substanz. Damit man das überhaupt pumpen kann, muß es erhitzt werden. Auch in den Bunkertanks auf dem Schiff wird es im erhitzten Zustand gehalten. Seit der Havarie vor fast zwei Tagen ist diese Heizung mit Sicherheit ausgefallen. Das Schweröl wird sich also langsam abkühlen und wird immer zäher, wozu auch das Meerwasser im Rumpf, daß die Tanks umspült, beiträgt. Wenn das Wrack wirklich in die Tiefe abrutschen sollte und die Tanks bisher nicht beschädigt sind, geht von der erkalteten teerartigen Substanz keine größere Gefahr für die Umwelt aus. Was mich allerdings wundert, daß zu Beginn der Kreuzfahrt, noch vor dem Ablegen, keine Sicherheitsübung stattgefunden hat. Ich war bisher nur auf Schiffen unter amerikanischer Flagge und da steht die Sicherheitsübung ganz oben auf der Agenda. Noch vor dem Ablegen wird eine Seenotübung veranstaltet, an der ALLE teilnehmen müssen.
stochast 15.01.2012
3.
Ja, also noch bissel über 11 Monate..... da sollte man schon anfangen, sich zu überlegen, was man noch erledigen muß....
lug&trug 15.01.2012
4. Notübung oft erst auf See
Zitat von wassollAlle Kreuzfahrtschiffe, die ich bisher kennengelernt habe, auch die neusten, fahren nicht mit Diesel, sondern mit Schweröl. Schweröl ist im kalten Zustand eine teerartige Substanz. Damit man das überhaupt pumpen kann, muß es erhitzt werden. Auch in den Bunkertanks auf dem Schiff wird es im erhitzten Zustand gehalten. Seit der Havarie vor fast zwei Tagen ist diese Heizung mit Sicherheit ausgefallen. Das Schweröl wird sich also langsam abkühlen und wird immer zäher, wozu auch das Meerwasser im Rumpf, daß die Tanks umspült, beiträgt. Wenn das Wrack wirklich in die Tiefe abrutschen sollte und die Tanks bisher nicht beschädigt sind, geht von der erkalteten teerartigen Substanz keine größere Gefahr für die Umwelt aus. Was mich allerdings wundert, daß zu Beginn der Kreuzfahrt, noch vor dem Ablegen, keine Sicherheitsübung stattgefunden hat. Ich war bisher nur auf Schiffen unter amerikanischer Flagge und da steht die Sicherheitsübung ganz oben auf der Agenda. Noch vor dem Ablegen wird eine Seenotübung veranstaltet, an der ALLE teilnehmen müssen.
Notübungen werden häufig erst auf See durchgeführt. Da bei diese Route die Passagiere Ihre Reise an den verschiedensten Häfen beginnen können, findet die Übung für viele erst nach einigen Tagen statt. Das ist schlecht, aber alles andere würde den Passagieren auf den Keks gehen. Dann man müsste ja an jedem potenzielle Zustiegshafen eine Übung für alle abhalten, das wäre im worst case praktisch jeden Tag mindesten eine Übung. Für die Sicherheit bestimmt ein Gewinn, für verwöhnte Passagiere eine Zumutung.
ex_Kamikaze 15.01.2012
5. Keine halben Sachen
Zitat von wagoNach all meinen Informationen bisher nicht. Das heißt also, dass im Moment kein Öl ausläuft. Daraus kann man zumindest für den Moment schließen, dass die Tanks noch in Ordnung sind. Reine Logik. Was allerding passiert, wenn das Wrack weiter abrutschen sollte, ist nur schwer einzuschätzen. Also warten wir doch lieber die realen Entwicklungen ab, bebor wir Horrorszenarien an die Wand malen.
Das ist doch kein "Horrorszenario". Aus Bohrinseln läuft viel mehr raus, wie zuletzt in Brasilien, da wurde aber kaum berichtet. Schön ist das nicht wenn Schweröl aus einem havarierten Schiff ins Meer läuft und sollte möglichst vermieden werden...aber eine "Katastrophe" ist auch wieder nicht. Das sind alles Übertreibungen. Sinnvoll ist es, das Wrack zu sichern oder komplett zu bergen falls es eine Möglichkeit dazu gibt. Dann ist auch die Ölproblematik lösbar. Das die Tanks in dieser Lage nicht ewig halten ist wohl klar - kein Schiff ist für einen solchen Fall konstruiert. Oder man macht das wie in Neuseeland: Man pumpt ein paar Tonnen Öl raus (das beruhigt die Öko's), läßt den Topf monatelang rumliegen ohne jeglichen Bergungsversuch um dann festzustellen das er dann auseinanderbricht und Ladung und Wrack selbst zur Gefahr werden. Die Container sollte ja dann auch niemand anfassen. Vermutlich hatte die Versicherung schon gezahlt.
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