Von Axel Bojanowski
Hamburg - Noch stehe die Rettung der Vermissten im Vordergrund, sagt Martijn Schuttevâer. Alle Mann konzentrierten sich darauf, Menschen aus dem Wrack der "Costa Concordia" zu retten, berichtet der Sprecher der niederländischen Firma Smit, die das havarierte Schiff sichern soll. Gleichzeitig jedoch bereiten die Experten des Unternehmens bereits Maßnahmen vor, die Umweltschäden vor der Toskana verhindern sollen.
Ersten Berichten zufolge schwappen 2400 Tonnen Treibstoff im aufgeschlitzten Bauch des knapp 300 Meter langen Schiffs. Bereits ein kleiner Teil dieser Menge könnte Tausende Tiere töten und Strände in dem umliegenden Naturschutzgebiet verkleben.
"Wir wissen nicht, ob auch die Tanks des Kreuzfahrtschiffs beschädigt sind", sagt Schuttevâer SPIEGEL ONLINE. Noch gibt es keine Berichte über größere Ölmengen im Meer an der Unfallstelle. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Tanks heil seien, sagt Ulrike Windhövel vom deutschen Havariekommando zur Bergung verunglückter Schiffe.
Das Wrack droht abzurutschen
Allerdings besteht offenbar ein Risiko, dass die "Costa Concordia" weitere Schäden davonträgt. Laut Medienberichten liegt das Schiff nicht stabil auf dem Grund; eindringendes Wasser ließ es mehrfach leicht kippen. "Bei solch einem Fall lässt sich nichts vorhersagen", sagt Windhövel. "Es besteht das Risiko, dass das Wrack abrutscht." Dafür könnten auch platzende Luftblasen im Wrack sorgen. Auch Taucher, die nach Vermissten suchen, sind gefährdet.
Derzeit werde geprüft, wie stabil die "Costa Concordia" liege, sagt Schuttevâer. Um einer Ölkatastrophe zuvorzukommen, sei seine Firma mit einem Bunkerschiff und großen Pumpen an die Unglücksstelle angerückt. Bereits am Samstag hätten die Arbeiten begonnen, um das Öl aus dem Schiff zu pumpen. Sobald die Rettung der Vermissten abgeschlossen ist, sollen Ölsperren um das Schiff gelegt werden, die einen möglichen Ölteppich einschließen sollen.
Das Öl im Tank verändert sich: Bereits nach wenigen Stunden ist es zäh wie kalter Honig. Dadurch läuft es nicht so schnell aus - es lässt sich aber auch nicht so einfach abpumpen. "Oft muss nachgeholfen werden, etwa indem das Öl erwärmt wird", sagt Windhövel. Sicher im Schiff verstaut, stelle das Öl aber kein Problem dar; es sei nur schwer entzündlich.
Muss das Schiff zerschnitten werden?
Derzeit kämpfen die Rettungskräfte mit widrigen Verhältnissen: Das intakte Schiff ist schon für Neuankömmlinge ein Irrgarten. Die extreme Schräglage erlaubt es nun aber nicht, sich im Innern des Kreuzfahrtschiffs normal fortzubewegen. Zudem wurden zahlreiche Sicherheitsschleusen auf den Gängen automatisch geschlossen, um eindringendes Wasser zu stoppen.
Taucher versuchen deshalb, Schiffswände aufzuschweißen, um Zugang zu Kabinen zu erhalten. Am Sonntagvormittag war es ihnen gelungen, ein Hochzeitspaar aus dem Wrack zu holen. Derzeit werden noch bis zu 17 Menschen vermisst; mindestens fünf kamen bei der Katastrophe ums Leben.Über die Ursache des Unglücks herrscht weiterhin Unklarheit.
Die "Costa Concordia" war am späten Freitagabend vor der Küste der Toskana im Nordwesten Italiens auf einen Felsen gelaufen. Starker Wassereinbruch durch einen etwa 70 Meter langen Riss im Rumpf ließ das Schiff auf die Seite kippen. An Bord herrschten chaotische Zustände; gegen den Kapitän wird ermittelt.
Die Sicherung des Wracks dürfte sich noch über Wochen hinziehen, sagt Martijn Schuttevâer. Geprüft werde, ob das Schiff zerschnitten werden müsse, um es abtransportieren zu können.
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