Japanische Airlines: Wiederholt Probleme mit Dreamliner-Batterien

Dreamliner von All Nippon Airlines (in Tokio, Januar 2013): Probleme waren bekannt Zur Großansicht
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Dreamliner von All Nippon Airlines (in Tokio, Januar 2013): Probleme waren bekannt

Die Probleme mit den Batterien von Boeings Dreamliner waren offenbar schon seit längerer Zeit bekannt. Japanische Fluggesellschaften erklären nun, dass sie bereits mehrere Exemplare ausgetauscht hatten, bevor es Anfang des Monats zum Brand kam.

Tokio - Eigentlich ist der Dreamliner das neue Vorzeigeflugzeug von Boeing. Doch zwei Batteriebrände haben seinen Ruf einigermaßen ramponiert - zumal sich herausgestellt hat, dass der Luftfahrtkonzern für die Stromversorgung des Jets ausgerechnet eine der feuergefährlichsten Akku-Sorten gewählt hat.

Nun wird klar: Mit den Batterien hat es nach Angaben der beiden größten japanischen Fluggesellschaften schon wiederholt Probleme gegeben. Insgesamt zehnmal zwischen Mai und Dezember vergangenen Jahres seien Lithium-Ionen-Akkus von Dreamliner-Maschinen ausgetauscht worden, erklärte eine Sprecherin von All Nippon Airlines (ANA). Der Konkurrent Japan Airlines (JAL) wollte sich auf keine Zahl festlegen, sprach aber ebenfalls davon, dass "mehrere" Batterien ausgewechselt werden mussten.

ANA erklärte laut "New York Times", man habe den Batterietausch zwar an Boeing gemeldet, nicht aber an die Sicherheitsbehörden. Dazu habe es keine Veranlassung gegeben, weil die Sicherheit der betreffenden Flüge nicht gefährdet gewesen sei, auch wären durch den Austausch keine Flüge ausgefallen oder verspätet gestartet.

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Pannenflieger: Batterie-Misere an Bord des Dreamliners
Anfang Januar war bei einem JAL-Dreamliner nach der Landung in Boston (US-Bundesstaat Massachusetts) ein Feuer ausgebrochen. Eine Woche später musste eine ANA-Boeing-787 wegen eines Brands auf einem japanischen Inlandsflug notlanden. Die US-Luftfahrtbehörde FAA verhängte wegen der Zwischenfälle ein weltweites Flugverbot für alle im Einsatz befindlichen 50 Dreamliner. Boeing stoppte die Auslieferung seines Prestigeflugzeugs, bis das Problem geklärt ist.

Die japanischen Fluglinien zählen zu den größten Abnehmern des Flugzeugtyps. Insgesamt orderten ANA und JAL 111 Dreamliner. Die Batterien für die Dreamliner wurden vom japanischen Boeing-Zulieferer GS Yuasa hergestellt, dessen Lithium-Ionen-Batterien auch auf der Internationalen Raumstation eingesetzt werden.

In Dreamliner-Akkus wird nach Angaben des Herstellers Lithium-Cobalt-Dioxid eingesetzt. Fachleuten macht das Sorgen: "Lithium-Cobalt-Dioxid ist eines der gefährlichsten Elektroden-Materialien", sagte Thomas Berger vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT zu SPIEGEL ONLINE. Andere Materialien seien bei weitem weniger brisant - wie etwa Lithium-Eisenphosphat (LFP), das auch in Autos mit Hybridmotor zum Einsatz kommt.

In den USA untersucht die Flugsicherheitsbehörde NTSB den Fall der brennenden Akkus. Deren Experten kündigten nun an, sich auch mit dem jetzt bekannt gewordenen Austausch weiterer Batterien zu beschäftigen.

chs/AFP

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1.
Jochen Binikowski 30.01.2013
Bei mehreren nagelneuen Flugzeugen müssen sicherheitsrelevante Batterien ausgewechselt werden und die Airline meldet das weder an Boeing noch an die Behörden? Aus welchem Grund wurde das Problem erst gemeldet nachdem es einen Beinahe-Absturz gegeben hat? In diesen Vogel, so er denn jemals wieder fliegen sollte, werde ich bestimmt nicht einsteigen. Man darf darauf gespannt sein wie Boeing aus dieser Nummer wieder herauskommt ohne die gesamte Baureihe einzustampfen.
2. Lesen
gadus 30.01.2013
Zitat von Jochen BinikowskiBei mehreren nagelneuen Flugzeugen müssen sicherheitsrelevante Batterien ausgewechselt werden und die Airline meldet das weder an Boeing noch an die Behörden? Aus welchem Grund wurde das Problem erst gemeldet nachdem es einen Beinahe-Absturz gegeben hat?
Dem Text entnehme ich folgendes: "ANA erklärte laut "New York Times", man habe den Batterietausch zwar an Boeing gemeldet, nicht aber an die Sicherheitsbehörden." Zumindest der Hersteller sollte also entgegen ihren Behauptungen bescheid gewusst haben.
3.
Jochen Binikowski 30.01.2013
Zitat von gadusZumindest der Hersteller sollte also entgegen ihren Behauptungen bescheid gewusst haben.
Stimmt, da hatte ich wohl etwas überlesen. Dennoch bleibt die Frage warum Boeing das nicht den Behörden gemeldet und weiterhin Flugzeuge ausgeliefert hat?
4.
Joachim Baum 30.01.2013
Zitat von Jochen BinikowskiStimmt, da hatte ich wohl etwas überlesen. Dennoch bleibt die Frage warum Boeing das nicht den Behörden gemeldet und weiterhin Flugzeuge ausgeliefert hat?
Was mich allerdings mehr wundert: Jedes Flugzeug hat ein Wartungsbuch wo alle Reparaturen und Wartungen aufgeführt sind, eben auch ein Batteriewechsel. Wurde das der Ermittlungsbehörde nicht vorgelegt, bzw. hat sie nicht danach gefragt? Seltsam das.
5. ganz
germanvirgin 30.01.2013
Zitat von Jochen BinikowskiBei mehreren nagelneuen Flugzeugen müssen sicherheitsrelevante Batterien ausgewechselt werden und die Airline meldet das weder an Boeing noch an die Behörden? Aus welchem Grund wurde das Problem erst gemeldet nachdem es einen Beinahe-Absturz gegeben hat? In diesen Vogel, so er denn jemals wieder fliegen sollte, werde ich bestimmt nicht einsteigen. Man darf darauf gespannt sein wie Boeing aus dieser Nummer wieder herauskommt ohne die gesamte Baureihe einzustampfen.
einfach mal nachdenken! Weil es kein sicherheitsrelevanter Vorfall war, wenn ein Flugzeug am Boden ist. Wenn eine Maschine ein kaputten Reifen hat, muss die Airline das ja auch nicht melden. Ausserdem der Vogel wird fliegen, ganz bestimmt!!
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