Tokio - Eigentlich ist der Dreamliner das neue Vorzeigeflugzeug von Boeing. Doch zwei Batteriebrände haben seinen Ruf einigermaßen ramponiert - zumal sich herausgestellt hat, dass der Luftfahrtkonzern für die Stromversorgung des Jets ausgerechnet eine der feuergefährlichsten Akku-Sorten gewählt hat.
Nun wird klar: Mit den Batterien hat es nach Angaben der beiden größten japanischen Fluggesellschaften schon wiederholt Probleme gegeben. Insgesamt zehnmal zwischen Mai und Dezember vergangenen Jahres seien Lithium-Ionen-Akkus von Dreamliner-Maschinen ausgetauscht worden, erklärte eine Sprecherin von All Nippon Airlines (ANA). Der Konkurrent Japan Airlines (JAL) wollte sich auf keine Zahl festlegen, sprach aber ebenfalls davon, dass "mehrere" Batterien ausgewechselt werden mussten.
ANA erklärte laut "New York Times", man habe den Batterietausch zwar an Boeing gemeldet, nicht aber an die Sicherheitsbehörden. Dazu habe es keine Veranlassung gegeben, weil die Sicherheit der betreffenden Flüge nicht gefährdet gewesen sei, auch wären durch den Austausch keine Flüge ausgefallen oder verspätet gestartet.
Die japanischen Fluglinien zählen zu den größten Abnehmern des Flugzeugtyps. Insgesamt orderten ANA und JAL 111 Dreamliner. Die Batterien für die Dreamliner wurden vom japanischen Boeing-Zulieferer GS Yuasa hergestellt, dessen Lithium-Ionen-Batterien auch auf der Internationalen Raumstation eingesetzt werden.
In Dreamliner-Akkus wird nach Angaben des Herstellers Lithium-Cobalt-Dioxid eingesetzt. Fachleuten macht das Sorgen: "Lithium-Cobalt-Dioxid ist eines der gefährlichsten Elektroden-Materialien", sagte Thomas Berger vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT zu SPIEGEL ONLINE. Andere Materialien seien bei weitem weniger brisant - wie etwa Lithium-Eisenphosphat (LFP), das auch in Autos mit Hybridmotor zum Einsatz kommt.
In den USA untersucht die Flugsicherheitsbehörde NTSB den Fall der brennenden Akkus. Deren Experten kündigten nun an, sich auch mit dem jetzt bekannt gewordenen Austausch weiterer Batterien zu beschäftigen.
chs/AFP
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