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Luftfahrt-Legende Amelia Earhart: Suchexpedition meldet Trümmerfund im Pazifik

Ein Schuh, ein Aluminiumstück, ein unscharfes Foto - mit diesen Hinweisen hat eine Expedition die Suche nach dem Wrack der verschollenen Flugpionierin Amelia Earhart wieder aufgenommen. Die Auswertung von Videomaterial aus den Tiefen des Pazifiks gibt ihnen Hoffnung.

Amelie-Earhart-Expedition: Wracksuche in bis zu 1500 Meter Tiefe Fotos
DPA

Tarawa - Sie habe kaum noch Treibstoff, funkte Amelia Earhart. Das war ihre letzte Nachricht. Danach blieb die 39-jährige Pilotin, die als erste Frau die Welt umfliegen wollte, verschollen - ob sie und ihr Navigator an jenem 2. Juli 1937 in den Pazifik stürzten oder ob sie auf einer Insel landen konnten, ist bis heute ein Mysterium.

75 Jahre später sucht erneut eine Expedition der Universität Hawaii nach Überresten der zweimotorigen Lockheed Electra und ihrer Crew. Nach Ansicht der Forscher der Internationalen Gruppe zum Auffinden historischer Flugzeuge (Tighar) konnte Earhart noch das einsame Pazifikatoll Nikumaroro erreichen. Mit unbemannten Robotervehikeln suchten die Experten im Juli das Areal in der Republik Kiribati ab und nahmen jede Menge Videos in Tiefen bis zu 1500 Meter auf. Zurück im 2900 Kilometer entfernten Honolulu, haben sie inzwischen das Material zu 30 Prozent analysiert.

Noch sei es zu früh, um Genaueres zu sagen, erklärte Richard Gillespie, Gründer und Direktor der Tighar-Stifung, am Freitag, "aber wir haben an der Stelle ein Trümmerfeld aus künstlichen Objekten gefunden, wo wir das Flugzeug vermuteten." Die Forscher hoffen, dass dies Überreste der verschollenen Lockheed Model 10 Electra seien. Eine Größenangabe könne er nicht machen, sagte der Direktor, auf den Videobildern sei nichts, was man zum Vergleich heranziehen könne.

Am Sonntag wird der Discovery-Kanal einen Dokumentarfilm über die 1,78 Millionen Euro teure Expedition zeigen. Auch erste Ausschnitte des Videomaterials sollen laut Gillespie gezeigt werden.

Ein Schuh und ein unscharfes Foto

Auf einer Expedition vor zwei Jahren hatte die Tighar-Stiftung auf Nikumaroro Fragmente gefunden, die zu dem Flugzeug gehört haben könnten: ein Stück Aluminium und ein ungewöhnlich geformtes Stück Plexiglas, ein zerlegtes Taschenmesser, ein zerbrochenes Glastöpfchen, Knöpfe und ein Frauenschuh mit einer Sohle der Marke "Cat's Paw", die in den dreißiger Jahren populär war und der Earharts Fußbekleidung ähnlich sah.

Ein unscharfes Schwarz-Weiß-Foto, drei Monate nach Earharts Verschwinden von einem großen Schiffswrack vor der Insel aufgenommen, hatte für diese Suchaktion einen weiteren Hinweis gegeben. Mit neuer Technik haben Experten auf dem Foto ein winziges Objekt am Bildrand als mögliches Fahrgestell einer Electra identifiziert. Dort hat Gillespie das Riff jetzt unter Wasser abgesucht.

Zunächst waren die Forscher jedoch enttäuscht: "Wir hatten gehofft, große Wrackteile würden sofort sichtbar, aber als wir die Unterwasserlandschaft sahen, war klar, dass das unrealistisch war", sagt Gillespie. "Das Riff fällt steil ab, es wird von Stürmen gebeutelt und es passieren oft Erdrutsche." Einer davon hätte fast das ferngesteuerte Robotervehikel mitgerissen.

Hans Van Tilburg, Meeresarchäologe bei der US-Ozeanografiebehörde NOAA, sieht die Entdeckung skeptisch. "Der pazifische Ozean ist eine hochenergetische Umgebung, und das Flugzeug, nach dem sie suchen, war sehr zerbrechlich", sagte er, "daher ist es sehr schwierig, etwas zu finden und zu identifizieren. Man sucht nach zerbrochenen Stücken."

Teuerste Suche ihre Zeit

Amelie Earhart, 1897 als Tochter eines Deutsch-Amerikaners in Kansas geboren, hatte fünf Jahre vor ihren Verschwinden schon als erste Solo-Überquererin des Atlantiks Geschichte geschrieben. 1937 brach sie dann in der Electra in Miami auf, um die ganze Erde zu umrunden. Über Südamerika, Afrika, Indien und Südostasien ging es bis nach Lae in Papua-Neuguinea. Dort startete Earhart am 2. Juli mit Fred Noonan als Navigator an Bord, ihr Ziel: die Howland-Insel - dort kamen sie nie an.

Die Pilotin war berühmt und die sofort eingeleitete Suchaktion eine der teuersten der damaligen Zeit. "Ihr leuchtendes Beispiel von Unabhängigkeit, Mut und Ausdauer inspiriert die Menschen bis heute", sagt Gillespie. "Ihre Geschichte ist bis heute fesselnd, weil niemand weiß, wie sie genau endete."

abl/dpa/Reuters

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Earharts Verschwinden wenig rätselhaft
radioman 18.08.2012
Der Verbleib von Earhart und ihrem Navigator ist gar nicht so rätselhaft, sondern wurde von den Star-Trek-Autoren längst geklärt: http://de.memory-alpha.org/wiki/Die_37er
2. Stimmt!
Layer_8 18.08.2012
Zitat von radiomanDer Verbleib von Earhart und ihrem Navigator ist gar nicht so rätselhaft, sondern wurde von den Star-Trek-Autoren längst geklärt: http://de.memory-alpha.org/wiki/Die_37er
Ich kenne diese Dame auch erst seit Star-Trek. Hier in D hat man halt immernoch andere Fliegerinnen-Idole der 1930er: Elly Beinhorn, Hanna Reitsch, Beate Uhse
3.
philip2412 18.08.2012
Zitat von Layer_8Ich kenne diese Dame auch erst seit Star-Trek. Hier in D hat man halt immernoch andere Fliegerinnen-Idole der 1930er: Elly Beinhorn, Hanna Reitsch, Beate Uhse
Woran liegt es wohl ,daß ich sowohl die genannten dt. Fliegerinnen kenne, als auch Amelia Earhart.Horizont erweitern über Star Trek hinaus wäre ein guter Anfang.
4.
bert_baller 18.08.2012
Aha: "...und förderten jede Menge Videos aus Tiefen bis zu 1500 Meter zu Tage." Wirklich? Ist echt praktisch, wie die Cassetten da unten schon bereit liegen. Oder haben sie nicht eher mit den Robotern viele Videos dort unten aufnehmen lassen? Ja, Sprache überrollt einen manchmal...
5. Ja, das beruhigt mich...
ratio! 18.08.2012
Zitat von sysopAPEin Schuh, ein Aluminiumstück, ein unscharfes Foto - mit diesen Hinweisen hat eine Expedition die Suche nach dem Wrack der verschollenen Flugpionierin Amelia Earhart wieder aufgenommen. Die Auswertung von Videomaterial aus den Tiefen des Pazifiks gibt ihnen Hoffnung. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,850740,00.html
Diese Nachricht beruhigt mich ungemein! Solange es genug Motivation, Zeit und Geld gibt sich mit Fragen dieser Art zu beschäftigen muss ich nicht besorgt um die Zukunft der Menschheit sein.
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