Angst vor Weltuntergang Klage gegen Cern endgültig gescheitert

Kann der Teilchenbeschleuniger LHC die Erde zerstören? Aus Angst vor Schwarzen Löchern zog eine Deutsche gegen das Forschungszentrum Cern vor Gericht. Nun ist ihre Klage endgültig gescheitert.

LHC-Beschleuniger (Archivbild): Kein Gefahrenpotential
Maximilien Brice/ CERN

LHC-Beschleuniger (Archivbild): Kein Gefahrenpotential


Münster/Berlin - Bislang ist alles gut gegangen. Am größten Teilchenbeschleuniger der Welt, dem LHC in Genf, krachen Protonen nahezu mit Lichtgeschwindigkeit aufeinander - aber ein Schwarzes Loch, das dann die Welt verschluckt, ist noch nicht entstanden. Genau davor hatten Kritiker vor der LHC-Inbetriebnahme gewarnt. Sie hatten auch versucht, den Beschleuniger per einstweiliger Verfügung zu stoppen. Es gab sogar Todesdrohungen gegen Forscher.

Nun, mehr als vier Jahre nach dem Start des Protonenbeschleunigers, ist das Bestreben einer Klägerin, die Experimente am Cern in Genf verbieten zu lassen, endgültig gescheitert. Das Oberverwaltungsgericht in Münster wies am Dienstag den Antrag der in Zürich lebenden Deutschen auf Zulassung der Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln ab. Dieses hatte ihre Klage abgewiesen und bereits im September 2008 ihren Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung abgelehnt. Das Bundesverfassungsgericht hatte ihre Verfassungsbeschwerde nicht angenommen.

In dem Protonenbeschleuniger werden Protonen aufeinander geschossen, um unter anderem die Bedingungen beim Urknall zu simulieren. Die Frau befürchtet durch möglicherweise entstehende Schwarze Löcher eine Zerstörung der Erde und forderte deshalb von der Bundesrepublik, über den Vertreter im zuständigen Rat gegen die Experimente einzuschreiten. Die Gerichte wiesen die Klagen zurück, weil nach überwiegender wissenschaftlicher Meinung der Versuchsaufbau am Cern kein Gefahrenpotential birgt. Der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts ist unanfechtbar (Aktenzeichen des OVG Münster: 16 A 591/11).

Dass bei den Kollisionen womöglich Schwarze Löcher entstehen, schließen Physiker übrigens nicht aus. Dies würde passieren, wenn das Universum mehr als drei Raumdimensionen besitzt. Die für diesen Fall vorhergesagten Schwarzen Löcher wären jedoch so winzig, dass von ihnen nach Aussagen der Forscher keine Gefahr ausgehen kann. Die Experimente am LHC hingegen gelten längst als großer Erfolg: Im Juli vermeldeten die Wissenschaftler die Entdeckung eines bislang unbekannten Teilchens, bei dem es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um das sogenannte Higgs-Boson handelt.

hda/dapd

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