Antarktis Walfänger zerstören Hightech-Schiff von Umweltaktivisten

Japanische Walfänger haben ein Schiff der Tierschutzorganisation Sea Shepherd in der Antarktis gerammt und schwer beschädigt. Die Aktivisten hatten die Fischer zuvor mit Stinkbomben beworfen. Seit Jahren kämpfen sie gegen den Walfang - jetzt sprechen sie von einem "Walkrieg".

AFP/ Institute of Cetacean Research

Sydney - Ein japanisches Walfangschiff hat ein Boot der Tierschutzorganisation Sea Shepherd gerammt. Dem 24 Meter langen Schnellboot "Ady Gil" sei in den eisigen Wassern der Antarktis in der Nähe der Commonwealth-Bucht der Bug abgerissen worden, so dass Wasser eingedrungen sei, teilte die Sea Shepherd Conservation Society mit. Nach der Kollision mit dem japanischen Walfänger drohte das Schnellboot zu sinken, die sechs Aktivisten an Bord wurden gerettet.

Sea Shepherd warf der Besatzung des Walfangschiffs "Shonan Maru 2" vor, die "Ady Gil" absichtlich gerammt zu haben. Das Sea-Shepherd-Boot habe sich zum Zeitpunkt des Zwischenfalls nicht bewegt, sagte der Erste Maat des Hauptschiffs der Tierschützer, Locky Maclean. "Als sie bemerkten, dass die 'Shonan Maru 2' direkt auf sie zuhielt, versuchten sie, zurückzusteuern, um den Bug wegzubewegen, aber das war zu spät. Die 'Shonan Maru 2' korrigierte ihren Kurs und pflügte direkt über das vordere Ende des Boots."

Der Zwischenfall war der schwerste der vergangenen Jahre, in denen es immer wieder zu Konfrontationen zwischen japanischen Walfängern und Tierschutzaktivisten gekommen ist. Der japanische Walfang in der Antarktis findet offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken statt. Naturschützer und mehrere Mitgliedstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) werfen Japan aber vor, dies nur zum Vorwand für den kommerziellen Walfang zu nehmen. Walfleisch gilt in Japan als Delikatesse.

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Sea Shepherd gegen Walfänger: Walkrieg in der Antarktis

Mit Stinkbomben oder durch Blockade der Schiffsschrauben versuchen die Sea-Shepherd-Aktivisten, die Walfänger von ihrem Tun abzubringen. "Mit diesen Stinkbomben an Deck können sie nicht arbeiten. Es macht das Leben an Bord sehr unangenehm", sagte Paul Watson. Er ist Kapitän des Schiffes "Steve Irwin" und Sprecher der Organisation.

Laut Watson hätten sich die Tierschutzaktivisten vor Sonnenuntergang an die Fersen des Walfängers geheftet. Vor einem Monat war das Schnellboot von Australien aus in See gestochen, um das jährliche Schlachten von Hunderten Mink- und Finwalen zu stoppen, so Watson. Der Sprecher beschuldigte die Japaner zugleich, dass sie Überwachungsflugzeuge eingesetzt hätten, um die Sea-Shepherd-Aktivisten zu lokalisieren. "Wir dachten, dass es australische Flugzeuge seien und rechneten gar nicht mit dieser Möglichkeit", sagte Watson. "Aber dann, sechs Stunden später, war uns auf einmal die 'Shonan Maru 2' auf den Fersen. Wir nehmen daher an, dass die Flugzeuge unsere Position an die Japaner weitergegeben haben."

"Wir haben hier nun einen echten Walkrieg"

Der Verlust der "Ady Gil" ist auch ein schwerer finanzieller Schlag für die Organisation, sagte Watson. Mit dem teuren Hightech-Schiff aus Kohlefaser und Kevlar wurde im Jahr 2008 - damals noch unter dem Namen "Earthrace" - ein neuer Weltrekord in der Weltumsegelung aufgestellt. Das Schiff gehört einem Hollywood-Unternehmer.

In Tokio teilte die japanische Fischereibehörde mit, die Einzelheiten des Vorfalls würden noch geprüft. "Wir können bestätigen, dass es eine Kollision gab, aber wir haben keine weiteren Details", sagte Behördensprecher Toshinori Uoya. "Der Sea Shepherd Extremismus wird immer gewalttätiger", teilte das japanische Institut für Walforschung in einer Stellungnahme mit. "Ihre Aktionen sind kriminell."

Paul Watson gibt seinerseits den japanischen Walfängern die Schuld an der Eskalation. "Wir haben hier nun einen echten Walkrieg - und wir haben nicht vor, uns zurückzuziehen."

lub/AFP/AP

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Seite 1
shareman 06.01.2010
1. Warum
Zitat von sysopJapanische Walfänger haben ein Schiff der Tierschutzorganisation Sea Shepherd in der Antarktis gerammt und versenkt. Sea Shepherd hatte die Walfänger zuvor mit Stinkbomben beworfen. Seit Jahren schon kämpfen die Aktivisten gegen den Walfang, jetzt sprechen sie von einem "Walkrieg". http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,670419,00.html
Warum geht man nicht so konsequent gegen Piraten im Indischen Ozean vor? Dort ist das Wasser doch wärmer- und die werfen nicht mit Stinkbomben!
Jordan Sokoł 06.01.2010
2. Gesprächszwang
Zitat von sysopJapanische Walfänger haben ein Schiff der Tierschutzorganisation Sea Shepherd in der Antarktis gerammt und versenkt. Sea Shepherd hatte die Walfänger zuvor mit Stinkbomben beworfen. Seit Jahren schon kämpfen die Aktivisten gegen den Walfang, jetzt sprechen sie von einem "Walkrieg". http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,670419,00.html
Wenn die Torpedierer die Schiffbrüchigen gerettet haben, besteht die Möglichkeit, die konträren Positionen auf engem Raum eine zeitlang gegeneinander abzuwägen. - Viel- leicht findet bei dieser Gelegenheit nicht nur eine körper- liche Annäherung statt.
Rainer Girbig 06.01.2010
3. Auf Thema antworten
Zitat von sysopJapanische Walfänger haben ein Schiff der Tierschutzorganisation Sea Shepherd in der Antarktis gerammt und versenkt. Sea Shepherd hatte die Walfänger zuvor mit Stinkbomben beworfen. Seit Jahren schon kämpfen die Aktivisten gegen den Walfang, jetzt sprechen sie von einem "Walkrieg". http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,670419,00.html
Es war nicht zu erwarten, dass die Japaner in dieser Frage Spaß verstehen und vor gewalttätigen Aktionen zurückschrecken. Vielleicht ist es an der Zeit, die Stinkbomben gegen was Kräftigeres einzutauschen? Angesichts der Uneinsichtigkeit der Japaner ist man da etwas ratlos. Was kann ich als Europäer tun? Keinen japanischen Lebertran kaufen? Oder kein Sushi?
shokaku 06.01.2010
4. Titel
Zitat von sharemanWarum geht man nicht so konsequent gegen Piraten im Indischen Ozean vor? Dort ist das Wasser doch wärmer- und die werfen nicht mit Stinkbomben!
Eine Frage der Priorität. Aktivisten sind ungleich gefährlicher als Piraten. Mit Letzteren kann man zur Not reden.
Ephemeris 06.01.2010
5. .....
Zitat von Jordan SokołWenn die Torpedierer die Schiffbrüchigen gerettet haben, besteht die Möglichkeit, die konträren Positionen auf engem Raum eine zeitlang gegeneinander abzuwägen. - Viel- leicht findet bei dieser Gelegenheit nicht nur eine körper- liche Annäherung statt.
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