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Arktis: Firma will Kabel durch Nordwest-Passage ziehen

Viel Aufwand für ein bisschen mehr Datengeschwindigkeit: Eine US-Firma will ein Kabel quer durch die Arktis von Tokio nach London legen - damit Daten 50 Millisekunden schneller von einer Stadt zur anderen gelangen. Der Klimawandel macht das Projekt erst möglich.

Schmelzendes Eis in Kanadas Arktis: "Geschwindigkeit ist Trumpf" Zur Großansicht
AP

Schmelzendes Eis in Kanadas Arktis: "Geschwindigkeit ist Trumpf"

Anchorage - Für das Weltklima ist die fortschreitende Eisschmelze in der Arktis ein massives Problem, doch für manche Wirtschaftsbereiche bietet sie unbestreitbare Vorteile. Reedereien etwa können auf Kosteneinsparungen durch kürzere Schiffsrouten hoffen. Nun will sich auch ein Telekommunikationsunternehmen das Schwinden der Polkappe für ein ehrgeiziges Projekt zunutze machen: Kodiak-Kenai Cable mit Sitz in Alaska plant, ein Glasfaserkabel von London durch die Nordwest-Passage bis nach Tokio zu legen.

"Geschwindigkeit ist Trumpf", sagt Firmenchef Walt Ebell. Die kürzeste Unterwasserverbindung zwischen den beiden Metropolen würde seiner Aussage nach die Übertragungszeit für Nachrichten zwischen Großbritannien und Japan fast halbieren - von 140 auf 88 Millisekunden. Das sei von größter Bedeutung für die Finanzwelt, wo Tausendstelsekunden über einen profitablen Deal entscheiden könnten.

Vor ein paar Jahren wäre das geplante Projekt "ArcticLink" noch illusorisch gewesen, da die Seewege zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean entlang des nordamerikanischen Kontinents meistens zugefroren waren. Aber in jüngster Zeit ist das Packeis in den Sommermonaten weit zurückgegangen. Das Leben in der Polarregion hat sich deutlich verändert: Walrosse versammeln sich jetzt zu Tausenden an der Nordküste Alaskas. Der Eisbär wurde in den USA zur bedrohten Tierart erklärt, weil sein Lebensraum auf dem Packeis kontinuierlich zurückgeht.

Im Sommer 2007 wurde die bislang weiträumigste Eisschmelze in der Arktis registriert. Klimaforscher rechnen mit einer Fortsetzung dieses Trends. Damit steht die Nordwest-Passage von Europa nach Asien immer wieder offen. Jahrhundertelang hatten abenteuerlustige Seefahrer vergeblich versucht, den Seeweg zu befahren.

Projekt soll 850 Millionen Euro kosten - mindestens

Die Kabelverlegung sei inzwischen ohne den Einsatz von schweren Eisbrechern möglich, sagt Firmenchef Ebell. Und einen Markt für ein solches Projekt gebe es allemal. Ebells Unternehmen hat bereits die Halbinsel Kenai südlich von Anchorage mit dem Kodiak-Archipel vor der Südküste Alaskas verbunden - daher stammt auch der Firmenname.

Für "ArcticLink" müssten nach Expertenschätzungen allerdings rund 850 Millionen Euro investiert werden. Eine kürzlich verlegte Unterwasserbindung zwischen der Westküste der USA und Japan hat dagegen nur rund 210 Millionen Euro gekostet.

Das neue Kabel würde etwa 16.000 Kilometer lang werden: von Japan zu den Aleuten vor Alaska, dann nach Norden durch die Beringsee, von dort durch die Nordwest-Passage vor Kanada bis zur Südspitze Grönlands und schließlich durch den nördlichen Atlantik bis nach Großbritannien. An mehreren Stellen könnten Leitungen abgezweigt werden. Dadurch, so wirbt jedenfalls die Firma, könne auch die Datenübertragung zwischen New York und Tokio beschleunigt werden.

Das Unternehmen sieht noch einen weiteren Vorteil: "ArcticLink" würde ausschließlich durch Gewässer von Staaten verlaufen, die enge Verbündete der USA sind. Dadurch seien plötzliche Probleme wegen politischer Konflikte so gut wie ausgeschlossen.

Dan Joling, AP

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